Wirtschaft
Middelhoff darf ab Ende November wieder daheim schlafen.
Middelhoff darf ab Ende November wieder daheim schlafen.(Foto: picture alliance / Bernd Thissen)
Donnerstag, 09. November 2017

Gute Sozialprognose: Middelhoff kommt frei

Er war einer der schillerndsten Manager Deutschlands. Und sein Fall war tief. Nun endet die Haftstrafe von Thomas Middelhoff vorzeitig und er darf nach Hause. Doch Ruhe wird beim einstigen Firmenlenker nicht einkehren. Gläubiger verlangen Millionen.

Der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff wird am 26. November aus der Strafhaft entlassen. Eine Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Bielefeld setzte die Vollstreckung des noch nicht verbüßten Rests der Haftstrafe von Middelhoff zur Bewährung aus und ordnete die Entlassung des Ex-Managers nach Verbüßung von zwei Dritteln seiner Strafe an, wie ein Gerichtssprecher mitteilte.

Die Bielefelder Kammer begründete ihre Entscheidung unter anderem mit einer positiven Sozialprognose für Middelhoff. Der 64-Jährige arbeitet seit seinem Haftantritt als Freigänger in einer Behindertenwerkstatt in Bielefeld-Bethel. Die Bewährungszeit betrage vier Jahre.

Der frühere Spitzenmanager war im November 2014 vom Landgericht Essen wegen Untreue zulasten des ehemaligen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Wegen Fluchtgefahr wurde er noch im Gerichtssaal verhaftet und saß mehr als fünf Monate in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Essen in Untersuchungshaft, bevor er gegen Kaution entlassen wurde. Derzeit verbüßt er den Rest der Freiheitsstrafe im offenen Vollzug in Bielefeld. Zuletzt machte Middelhoff mit einem Buch über seine Hafterfahrungen Schlagzeilen. Darin äußerte er scharfe Kritik am Strafvollzug.

Ende März 2015 musste Middelhoff, der nicht nur beim 2009 pleitegegangenen Arcandor-Konzern, sondern zuvor auch als Bertelsmann-Chef und als Investmentbanker in London Millionen verdient hatte, Privatinsolvenz anmelden. Nach Angaben des Insolvenzverwalters haben über 50 Middelhoff-Gläubiger mehr als 400 Millionen Euro an Forderungen geltend gemacht. Allerdings ist ein Großteil der Forderungen umstritten. Ein Ende des Insolvenzverfahrens ist angesichts der komplexen Sachverhalte derzeit nicht absehbar.

Quelle: n-tv.de

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