Wirtschaft
Esch (l.) und Middelhoff (r.): Ehemalige Duzfreunde vor Gericht
Esch (l.) und Middelhoff (r.): Ehemalige Duzfreunde vor Gericht(Foto: picture alliance / dpa)

"Da spricht die Bank": Middelhoff scherzt im Oppenheim-Prozess

Einst Duzfreunde und enge Geschäftspartner, treffen sich Thomas Middelhoff und Anlageberater Josef Esch nur noch vor Gericht. Dort ist es vor allem der ehemalige Arcandor-Chef, der spricht. Esch gibt dagegen den großen Schweiger.

Der Aufstieg des Maurers Josef Esch aus Troisdorf zum Anlageberater der Superreichen ist eine schillernde Geschichte. Eineinhalb Jahre dauert nun schon der Kölner Untreueprozess gegen Esch und dessen ehemalige Geschäftspartner aus der früheren Spitze der 200 Jahre alten Traditionsbank Sal. Oppenheim. Doch noch immer ist nicht richtig klar geworden, wie dieser Mann es denn nun angestellt hat: Wie er zum Beispiel die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz so weit bekommen konnte, dass sie nach eigener Aussage glaubte, "solange du den Josef hast, passiert dir nichts".

Man müsste ihn wohl mal ausführlich reden hören, um einen Eindruck von seinen Fähigkeiten zu gewinnen. Aber im Kölner Landgericht ist Esch der große Schweiger - seine Anwälte sprechen für ihn. Auch diesmal sitzt der untersetzte Mann vor Prozessbeginn minutenlang still auf seinem Platz.

Als er dann gerade ein paar Sätze mit seinem Anwalt wechselt, betritt Thomas Middelhoff den Saal, wie immer mit federndem Gang und strahlendem Lächeln. "Guten Morgen!", ruft der ehemalige Arcandor-Chef in die Runde. Esch sieht einen ganz kurzen Augenblick auf und schaut Middelhoff hinterher.

Es geht rund

Die Gemengelage in diesem Saal könnte komplizierter kaum sein. Hier in Köln müssen sich Esch und das ehemalige Führungsquartett von Sal. Oppenheim wegen Untreue verantworten - Middelhoff ist als Zeuge erschienen. In Essen läuft zurzeit wiederum ein Untreue-Prozess gegen Middelhoff - dort war Esch im vergangenen Monat als Zeuge geladen, verweigerte aber die Aussage.

Zusätzlich beharken sich beide Männer auch noch untereinander: Esch versuchte per Gerichtsvollzieher, 2,5 Millionen Euro von Middelhoff einzutreiben, umgekehrt will auch der Manager Geld von seinem einstigen Vermögensverwalter zurück. Die Vorwürfe in den Strafprozessen werden von allen Angeklagten bestritten.

Ein Gespräch und Mittagessen

Nach Darstellung seiner Anwälte war und ist Esch Immobilienmanager - bei  Sal. Oppenheim hatten demnach andere das Sagen. Zwar sei im Laufe der Zeit ein Vertrauensverhältnis gewachsen, doch habe die Führung der Bank Esch immer genau kontrolliert.

Middelhoff zeichnet im Zeugenstand ein etwas anderes Bild. Als er im September 2008 unmittelbar nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers dringend Geld für den kriselnden Karstadt-Mutterkonzern Arcandor benötigte und deshalb einen "Finanzierungsbeitrag" von Sal. Oppenheim wünschte, erwähnte er dies nach eigener Darstellung zunächst in einem Gespräch mit Josef Esch in dessen Heimatort Troisdorf.

Anschließend habe es ein Mittagessen der Beiden mit dem Gesellschafter Matthias Graf von Krockow gegeben, und drei Tage später habe Esch dann angerufen und ihm die erhoffte Nachricht überbracht, dass die Bank Arcandor unterstützen werde. Von da an war das Schicksal beider Unternehmen endgültig miteinander verwoben. Es endete mit der Insolvenz von Arcandor und der Übernahme von Sal. Oppenheim durch die Deutsche Bank.

"Da spricht die Bank"

Middelhoff erinnert sich auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin Sabine Grobecker an ein "ganz selbstverständliches Hineingehen (Eschs) in Besprechungen, in Sekretariate" der Bank. Wenn Esch etwas gesagt habe, sei für ihn klar gewesen: "Da spricht die Bank."

Middelhoff ist während seiner Aussage um Sachlichkeit bemüht. Aber manchmal, wenn er etwas Positives über Esch sagt - wie zum Beispiel, dass dieser ein harter Arbeiter sei, ein Motivator, ein Mutmacher - weiß man nicht so genau, ob da eine Spur Ironie mit im Spiel ist. Einmal fügt er zur Sicherheit hinzu: "Kleiner Scherz!" Ein anderes Mal sagt er: "Wir duzen uns. Oder haben uns damals geduzt."

Zuweilen muss Grobecker ihn ermahnen, dass man als Zeuge Fragen des Gerichts beantworten muss und nicht über Themen eigener Wahl reden darf. Middelhoff geht es natürlich auch darum, sich selbst ins rechte Licht zu rücken, seine eigenen Interessen zu beherzigen. Man könnte sich schließlich wiedersehen. Wenn nicht vor diesem, dann vielleicht vor einem anderen Gericht.

Quelle: n-tv.de

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