Wirtschaft

Neuanfang in China: Middelhoff steigt in Mediengruppe ein

Der umstrittene Manager Thomas Middelhoff kehrt zurück: Der Ex-Vorstandschef von Bertelsmann und Arcandor hat einen Job bei einem internationalen Medienunternehmen und ist zugleich auch Teilhaber. Zuvor nutzt er die Gelegenheit, um sich darüber zu beklagen, dass er der Buhmann der Nation sei: "Mich jagt man aber nicht vom Hof."

Den früheren Chef von Bertelsmann und Arcandor, Thomas Middelhoff, zieht es beruflich nach China. Zusammen mit dem lokalen Unternehmer Bruno Wu und dessen Frau Lan Yang gründe er die Medienholding BT Capital in Hongkong, teilte der 60-Jährige mit. "Die BT Capital fasst die bestehenden globalen Aktivitäten der drei Manager zusammen und konzentriert sich auf Beteiligungen im Bereich TV, Film und Internet."

Lässt sich so schnell nicht abschreiben: Thomas Middelhoff.
Lässt sich so schnell nicht abschreiben: Thomas Middelhoff.(Foto: dapd)

Er kenne Wu seit vielen Jahren noch aus seiner Zeit bei Bertelsmann, sagte Middelhoff. "Ich bin richtig froh über diese unternehmerische Chance, das ist fast wie ein Lottogewinn." Er sei mit einer "signifikanten Minderheitsbeteiligung" dabei. BT Capital erwäge mit einigen ihrer Unternehmensbeteiligungen Börsengänge in Hongkong sowie an weiteren internationalen Finanzplätzen.

Middelhoff war bis 2002 Chef des Medienriesen Bertelsmann. Später übernahm er den Vorstandsvorsitz des Handelskonzerns Arcandor, der 2009 pleite ging. Der Kollaps des Karstadt-Betreibers brachte ihm Ärger mit der Justiz ein. Die Staatsanwaltschaft Bochum erhob Anklage und wirft ihm Untreue ihn mehrere Fällen vor. Der Arcandor-Insolvenzverwalter verlangt Schadenersatz von ihm. Seit seinem Abschied bei Arcandor beschäftigte sich Middelhoff vorwiegend als Finanzinvestor.

Der "Süddeutschen Zeitung" sagte er: "Es ist absolut nicht fair, dass mein Name mit dem Untergang von Arcandor verbunden wird." Zum fraglichen Zeitpunkt sei er schon monatelang nicht mehr Vorstandschef gewesen. Mit ihm hätte es keine Insolvenz gegeben, ist sich der Manager sicher. Die Insolvenzverwalter des Konzerns hätten einen Sündenbock gebraucht, den er spielen sollte. Der wahre Totengräber von Arcandor ist seiner Ansicht nach sein Nachfolger, Ex-Telekom-Finanzvorstand Karl Gerhard Eick. Doch der würde bis heute bewusst in Ruhe gelassen. Gegen Middelhoff laufen noch Prozesse im Zusammenhang mit der Arcandor-Pleite. Er selbst prozessiert gegen seine ehemaligen Freunde von der Bank Sal. Oppenheim, denen er Veruntreuung von Vermögen vorwirft.

Opfer der Neid-Debatte

Als Ursache für sein schlechtes Image in der Öffentlichkeit hat Middelhoff für sich die Neid-Debatte in Deutschland ausgemacht und sieht sich hier in einer Reihe mit Managern wie den ehemaligen Deutschen-Bank-Chef Josef Ackermann oder Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Vielleicht habe er sich aber auch zu sehr in die Öffentlichkeit ziehen lassen und vielleicht habe es ihm auch zu sehr gefallen, räumt Middelhoff ein. "Vielleicht wirke ich aber auch zu locker", mutmaßte der 60-Jährige.

Vorwürfe, wie den, in seiner Zeit als Arcandor-Chef, selbst für Kurzstrecken den Privatjet genutzt zu haben, kann Middelhoff nicht nachvollziehen. "Ich habe Tag und Nacht gearbeitet. Ich musste immer verfügbar sein und wenn ich mit der Familie am Wochenende nach Südfrankreich wollte, durfte ich nicht von offiziellen Flugzeiten abhängig sein." Diese Flüge habe er aber alle privat bezahlt.

Bei aller Kritik und trotz der noch laufenden Prozesse hat Middelhoff nicht die Absicht von der Bildfläche zu verschwinden. "Ich gehe frühestens dann weg, wenn alle Themen, die in der Öffentlichkeit diskutiert werden, abgeschlossen sind. An alle meine Gegner: Ich laufe nicht weg."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen