Wirtschaft
Thomas Middelhoff.
Thomas Middelhoff.(Foto: REUTERS)

"Apokalyptischer Traum": Middelhoff verdient Mitleid

Ein Kommentar von Jan Gänger

Thomas Middelhoffs Welt bricht zusammen. Die Haftstrafe ist eine Katastrophe für den ehemaligen Top-Manager. Hohn und Spott sind unangemessen.

Thomas Middelhoff muss drei Jahre ins Gefängnis. Egal, ob das Urteil des Essener Landgerichts gegen den ehemaligen Arcandor-Chef Bestand hat: Middelhoff verdient Mitleid.

Er verdient nicht etwa Mitleid, weil er wegen Untreue zu einer Haftstrafe verurteilt worden ist. Das Urteil ist angemessen. Außerdem grenzt es schon an komplette Weltentrückung, von Bielefeld nach Essen den Hubschrauber zu nehmen. Und all das vor dem Hintergrund, dass Arcandor der Pleite entgegentaumelt.

Middelhoff verdient Mitleid, weil er selbst ohne Gefängnis schon bestraft genug ist. Massenweise Hohn und Spott wurden vor dem Urteil über ihn geschüttet. Das ist nicht nur selbstgerecht, sondern auch unappetitlich. Es ist kein schöner Charakterzug, jemanden zu treten, der am Boden liegt.

Eine Gerichtsvollzieherin nimmt Middelhoff die Uhr ab. Er flieht vor Reportern aus dem Justizgebäude, indem er durch ein Fenster steigt und an einem Regenrohr filmreif hinunterklettert. Wer sich am finanziellen und sozialen Absturz des Top-Managers ergötzt, vergisst, dass es sich um einen Menschen handelt.

Das alles sei ein "apokalyptischer Traum", sagte Middelhoff im September. Er muss sich wie am Pranger fühlen - ausgelacht, verspottet, gedemütigt. Das ist würdelos.

Thomas Middelhoff muss wohl für einige Jahre ins Gefängnis. Auf seinem Weg dahin sollte niemand mit faulem Obst nach ihm werfen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen