Wirtschaft
Zwischen Zuversicht und Unsicherheit: Der Mittelstand ist trotz Politik überwiegend optimistisch für 2015.
Zwischen Zuversicht und Unsicherheit: Der Mittelstand ist trotz Politik überwiegend optimistisch für 2015.(Foto: picture alliance / dpa)

Kritik an Regierung: Mittelstand stellt 150.000 Jobs in Aussicht

Der deutsche Mittelstand ist das Rückgrat der Wirtschaft. Zum Jahresende spart der Bundesverband nicht mit deutlichen Worten. Es herrsche "ganz große Unsicherheit". Dennoch werden wohl Zehntausende Menschen eingestellt.

Der deutsche Mittelstand will im kommenden Jahr mehr Mitarbeiter einstellen und plant laut einer Umfrage kräftige Investitionen. Und das, obwohl er mit der Großen Koalition nicht zufrieden ist. "Die Ergebnisse lassen ein gutes 2015 erwarten - nicht wegen, sondern trotz der Politik der Bundesregierung", sagte Mittelstandspräsident Mario Ohoven. "Wenn die GroKo die politischen Rahmenbedingungen nicht noch mehr verschlechtert, erwarten wir 150.000 neue Jobs im Mittelstand und damit eine weitere Wachstumsbelebung."

Zugleich kritisierte der Chef des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) die Politik der Regierungskoalition aus Union und SPD hart und forderte für den Mittelstand dringende steuerpolitische Verbesserungen und Änderungen am transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP.

Gut ein Drittel rechnet mit höheren Umsätzen

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Der Umfrage zufolge, für die der Verband vom 14. bis zum 28. Dezember rund 2400 Unternehmer befragte, schätzen neun von zehn Klein- und Mittelbetriebe ihre derzeitige Geschäftslage als befriedigend oder besser ein. Mehr als ein Drittel erwartet dabei in den kommenden zwölf Monaten höhere Umsätze. Nahezu jeder zweite Unternehmer plant laut BVMW 2015 ebenso große Investitionen wie in diesem Jahr, gut 29 Prozent wollen mehr investieren.

Im Mittelstand herrscht nach den Worten Ohovens zwar "ganz große Unsicherheit" wegen der internationalen Krisenherde. Dennoch rechnen aber fast 49 Prozent der Unternehmer 2015 mit einem Wirtschaftsaufschwung. Im kommenden Jahr sei ein Wachstum von 1,3 Prozent "realistisch", sagte der Verbandspräsident.

Griechenland ist Debakel

Die größten Sorgen bereiteten den mittelständischen Unternehmen aber die Energiekosten, die Steuerlast und der Fachkräftemangel. Ohoven plädierte deshalb für eine Senkung der Stromsteuer, eine Steuerfreistellung aller im Betrieb verbleibenden Gewinne, eine völlige Abschaffung der Erbschaftssteuer und einen sofortigen Abbau der so genannten kalten Steuerprogression.

Den Fachkräftemangel brandmarkte der Mittelstandspräsident als "Albtraum für den Mittelstand". Gut die Hälfte der Befragten hätten Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen, mehr als ein Drittel finde gar keine geeigneten Fachkräfte. Der Mindestlohn und die Rente mit 63 verschärften die Personalnot, warnte er und kritisierte "die Verteilungspolitik sozialer Wohltaten der GroKo".

Zudem wirkten sich die Ukraine- und andere Krisen in der Welt ebenso aus wie Deflationsgefahren im Euro-Raum. Angesichts dessen rechnet Ohoven, wie die Bundesregierung auch, mit einem Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent im kommenden Jahr. Mit Blick auf die aktuellen Turbulenzen im hochverschuldeten Griechenland sagte Ohoven: "Das ist ein Debakel, was da auf uns zukommt." Der BVMW vertritt nach eigenen Angaben über 270.000 mittelständische Unternehmen mit neun Millionen Beschäftigten.

Quelle: n-tv.de

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