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Das Logo der Fahrradmarke Mifa.
Das Logo der Fahrradmarke Mifa.(Foto: picture alliance / dpa)

Hohe Zinsen locken: Mittelstandsanleihen sind riskant

Von Egmond Haidt

Viele Investoren achten bei Mittelstandsanleihen vor allem auf die hohe Verzinsung. Dabei lassen sie häufig die enormen Risiken außer Acht – mit verheerenden Folgen, wie das Beispiel Mifa zeigt.

Wegen des Niedrigzinsumfelds ist die Nachfrage der Investoren nach Mittelstandsanleihen ungebrochen: Ende Juni hat der Erotikhändler Beate Uhse eine fünfjährige Anleihe im Volumen von 30 Millionen Euro zu einem Zinssatz von 7,75 Prozent platziert. Das Papier war mehrfach überzeichnet und wird seit Juli im Börsensegment Entry Standard der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt.

Im ersten Halbjahr waren insgesamt Neuemissionen im Volumen von mehr als 670 Millionen Euro an den Markt gegangen. Zudem haben elf Unternehmen wie Homann, KTG Agrar und Metal Corp. die Chance genutzt, frisches Geld über den Kapitalmarkt aufzunehmen und über die Aufstockung von Mittelstandsanleihen rund 439 Millionen Euro eingenommen. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft PWC ist der durchschnittliche Zinskupon im zweiten Quartal auf 7,56 Prozent gestiegen. Anleger haben vor allem auf die hohe Verzinsung geschaut, und weniger darauf geachtet, dass sie in den Markt für Hochzinsanleihen – auch Schrottanleihen genannt – eingestiegen sind.

Hohe Risiken

Welche hohe Risiken Investoren bei einem Engagement in Mittelstandsanleihen eingehen, führt die Entwicklung bei Mifa Mitteldeutsche Fahrradwerke Anlegern schmerzhaft vor Augen. Der angeschlagene Fahrradhersteller hatte am 11. August mitgeteilt, dass bis zum 25. August keine Zinsen für Anleihen an die Gläubiger gezahlt werden. Die Zinsen wären eigentlich am 12. August fällig gewesen. Der bestellte gemeinsame Vertreter der Gläubiger hatte aber einer Stundung der Zinszahlung zugestimmt. Feri-Rating hatte im Juli das Rating für die im August 2018 auslaufende Anleihe ausgesetzt. Der Kurs der Anleihe, die noch im März bei mehr als 100 Prozent notiert hatte, ist inzwischen auf 23 Prozent geschrumpft.

Wie enttäuschend die Entwicklung am Gesamtmarkt insgesamt ist, zeigen die Indizes der Deutschen Börse. So notiert der Xetra Entry Standard Corporate Bond Price Index, der die Kursentwicklung der 51 der in diesem Segment der Frankfurter Wertpapierbörse notierten Anleihen abbildet, mit 90 Punkten um fünf Prozent unter dem Vorjahresniveau. In dem Index ist die Mifa-Anleihe ebenso enthalten, wie die von Beate Uhse, von HanseYachts, des Hochsee-Kreuzfahrtschiffes MS "Deutschland" und des Modekonzerns René Lezard. Insgesamt notiert rund die Hälfte der 51 Anleihen unter dem Niveau von 100 Prozent. Inklusive der Zinszahlungen liegt der Xetra Entry Standard Corporate Bond Total Return Index aber immerhin um 1,7 Prozent über dem Vorjahresniveau. Lohnt sich angesichts dieser Zahlen ein Engagement in dem Bereich?

Weitere Probleme drohen

Von einem Markt für Mittelstandsanleihen will die Deutsche Börse daher wenig wissen, vielmehr von einem Anleihenmarkt für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Im April hatte der Frankfurter Handelsplatz gemeinsam mit Emissionsbanken, Beratern und Vermögensverwaltern einen "Best Practice Guide" für Anleihen des Entry Standards herausgebracht – eine Art Leitfaden also, der größtenteils abdeckt, was Investoren und Ratingagenturen schon länger fordern. Die Börse hat zudem auf ihrer Homepage eine "Checkliste für Privatanleger" veröffentlicht, mit der Anleger die Risiken prüfen können, ehe sie die Anleihen kaufen.

Etliche Experten befürchten, dass die Turbulenzen am Markt für Mittelstandsanleihen anhalten, rollt doch auf ihn eine Refinanzierungswelle zu. Während 2014 Papiere im Volumen von rund 180 Millionen umgeschuldet werden müssen, sind es im nächsten Jahr 750 Millionen Euro. Bei weiteren schlechten Nachrichten aus dem Markt müssen sich Unternehmen zudem darauf einstellen, dass die Zinskupons weiter steigen werden. Gleichzeitig steigt damit aber auch das Ausfallrisiko.

Quelle: n-tv.de

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