Wirtschaft
Nase voll oder geschickter Schachzug? So wie bisher will und kann Mario Monti nicht weitermachen.
Nase voll oder geschickter Schachzug? So wie bisher will und kann Mario Monti nicht weitermachen.(Foto: REUTERS)

Angst vor Stillstand statt Sparkurs: Monti lässt Finanzmärkte zittern

Seit einem Jahr schrumpft Italiens Wirtschaft, nun platzt auch noch die Expertenregierung unter Premier Monti. An den Finanzmärkten schrillen daher die Alarmglocken, da sie den eingeschlagenen Sparkurs in Gefahr sehen - von einer möglichen Rückkehr Berlusconis ganz zu schweigen. Die Risikoprämien italienischer Staatsanleihen ziehen kräftig an, Bankenaktien geraten unter Druck.

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Die Eurokrise kehrt zurück - diesmal in italienischem Gewand. Der angekündigte Rücktritt von Italiens Ministerpräsident Mario Monti sorgt an den italienischen Kapitalmärkten für einen regelrechten Ausverkauf. Am Anleihemarkt springt die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen um 26 Basispunkte nach oben auf 4,77 Prozent. Die von Italien ausgehende Verunsicherung lässt auch die Renditen Spaniens steigen, wenn auch nicht ganz so stark.

Am Aktienmarkt in Mailand bricht der Index um 3,2 Prozent ein, maßgeblich belastet von noch stärker fallenden Einzelkursen bei den Bankenaktien. Italiens Banken und Versicherer halten in großem Umfang italienische Staatsschulden. Fallen deren Kurse bzw. steigt das Ausfallrisiko, dann drohen den Geldhäusern und Assekuranzen Wertberichtigungen.

Euro lässt Raum für Spekulation

Überraschend stabil zeigt sich der Euro angesichts der wieder gewachsenen Unsicherheit, für die nicht nur Italien verantwortlich zeichnet. So hat Griechenland sein Angebot zum Rückkauf von Staatsanleihen um zwei Tage verlängert. Die UBS erklärt den mit rund 1,29 Dollar auf dem Niveau vom Freitag notierenden Euro damit, dass die neue politische Lage in Italien ein spanisches Hilfsersuchen wahrscheinlicher machen könnte.

Dennoch überwiegen aktuell die Sorgen, gerade auch auf europäischer Ebene. So hat der Chef der Euro-Rettungsfonds ESM und EFSF, Klaus Regling, vor einer neuerlichen Verschärfung der Euro-Krise gewarnt. "Italien hat im vergangenen Jahr wichtige Reformen angeschoben. Das haben die Märkte bislang honoriert, allerdings haben sie auf die aktuellen Entwicklungen Ende vergangener Woche beunruhigt reagiert", sagte Regling der Süddeutschen Zeitung. Für Italien wie für die gesamte Währungsunion sei es wichtig, dass der Reformprozess fortgesetzt werde.

Die Societe Generale sieht im stabilen Euro einen Beleg dafür, dass nicht einmal auf kurze Sicht eine allzu große Belastung zu erwarten ist - zumindest solange der Markt damit rechne, dass Monti weiterhin eine wichtige Rolle spielen werde. Panik sei bislang nicht zu beobachten. Um de Teilnehmer nachhaltiger zu beunruhigen müsse die Berlusconi-Partei PDL in den Umfragen deutlich zulegen oder aber der Euro müsste auf unter 1,28 Dollar sinken.

Experten erwarten Zitterkurse

Sorgt wieder für Wirbel: Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi will es nochmal wissen.
Sorgt wieder für Wirbel: Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi will es nochmal wissen.(Foto: dpa)

Ohnehin dürften die Märkte das Risiko weniger in einer Rückkehr von Berlusconi selbst an die Macht sehen, sondern vielmehr in der Unsicherheit, die sich aus der wegbrechenden  Unterstützung für den Kurs Montis im Parlament ergibt.

"Der mögliche Rückzug von Monti als Regierungschef wäre ein Desaster für das internationale Ansehen Italiens, vor allem wenn es noch mit einer Rückkehr von Berlusconi verbunden wird", sagt ein Händler. Monti sei der einzige Politiker Italiens, der bei ausländischen Investoren vollstes Vertrauen genießt. "Damit würde Italien gleich wieder als Problemfall Europas thematisiert werden", so ein anderer Händler zur Begründung der Reaktion an den italienischen Finanzmärkten. Und Carl Weinberg von High Frequency Economics wartet mit der düsteren Einschätzung auf, Italien sei nun ein größeres Problem als Griechenland.

Ins selbe Horn stößt Annalisa Piazza von Newedge: Sollte Präsident Napolitano die derzeitige Regierung für gescheitert erklären, dann sei mit "hohen Volatilitäten und steigende Renditeaufschlägen" zu rechnen. Die Meinung an den Märkten sei, dass es in einem neu gewählten Parlament keine klare Mehrheit geben dürfte. Sollte dies tatsächlich so kommen, würde das Sparprogramm der vergangenen 14 Monate voraussichtlich nicht weitergeführt. "Sollte Ex-Ministerpräsident Berlusconi die Wahlen gewinnen, dann dürften italienische Staatsanleihen ein Aus der Sparbemühungen bis auf weiteres einpreisen", erläutert die Analystin. Die politischen Risiken in Italien seien gegenwärtig "sehr groß".

Technokraten-Regierung reloaded

Das aus Sicht der Finanzmärkte beste Szenario wäre hingegen, wenn im Falle eines Wahlausgangs ohne klaren Sieger, erneut eine technokratische Regierung - möglicherweise wieder unter Führung Montis - die Sparmaßnahmen fortführen würde, so Piazza.

Genau damit rechnen die Analysten der UniCredit. Sie sehen zwar kurzfristige Turbulenzen an den Märkten, zeigen sich aber auf mittlere Sicht zuversichtlich. Es dürfte entweder zu einer Regierung unter Führung des Partito-Democratico-Chefs Pier Luigi Bersani kommen, eventuell mit Monti als Staatspräsident. Oder aber erneut zu einer von Monti geführten Regierung der Technokraten. Beides liefe auf eine Fortsetzung des Reformprozesses hinaus. Auch J.P.Morgan sieht Italien nach den Wahlen weiter auf einem Reformpfad.

Die Credit Suisse gewinnt der Monti-Ankündigung sogar positives ab und spricht von einem Silberstreif am Horizont. Es sei von Vorteil, dass die Zeit bis zu den Wahlen nun verkürzt sei. Der Markt dürfte einen Mitte-Links-Sieg als leicht positiv einschätzen, und Monti könne nun als "Zentrist" in die Schlacht ziehen.

Monti, seit November 2011 im Amt, hatte in Italien eine Serie von Wirtschaftsreformen umgesetzt und das Vertrauen der Investoren wieder erlangt. In seiner Amtszeit hatte sich die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen von über 7 Prozent auf bis zu 4,38 Prozent reduziert.

Dass aktuell die Daten zur italienischen Industrieproduktion schwächer als erwartet ausgefallen sind, spiele für das Tagesgeschäft unterdessen kaum eine Rolle, heißt es im Handel. "Das fügt sich einfach in das Schreckensbild der Investoren", sagt ein Händler. Italiens Industrieproduktion ging im Oktober um 1,1 Prozent zum Vormonat zurück, erwartet wurden war nur ein Rückgang um 0,2 Prozent.

Angesichts der kurzfristigen Entwicklung der Renditen steht nun auch eine Auktion italienischer Anleihen am Donnerstag verstärkt im Blick - so sie denn stattfindet. Aus Kreisen des Finanzministeriums verlautete, dass die geplanten Auktionen unverändert stattfinden sollen. Bei Lloyds Bank schließt man dagegen nicht aus, dass die Auktion angesichts der gegenwärtig angespannten Lage in den Januar verschoben werden könnte. Details zu Umfang und Laufzeit der Auktion sollen erst im Laufe des Montags bekanntgegeben werden, der Markt rechnet bislang jedoch mit dreijährigen Titeln.

Quelle: n-tv.de

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