Wirtschaft
Die Ölförderer stehen vor einer Zeitenwende: Sie müssen sparen - und ihre Abhängigkeit vom Öl verringern.
Die Ölförderer stehen vor einer Zeitenwende: Sie müssen sparen - und ihre Abhängigkeit vom Öl verringern.(Foto: picture alliance / dpa)

Bahrain ist schon "Schrott": Moody's warnt Öl-Scheichs

Die Zeiten, da die Länder am Golf in Petrodollars schwammen, sind vorbei. Wegen des niedrigen Ölpreises sind die Kassen leer. Das ruft die Bonitätsprüfer auf den Plan. Der Druck, den Ölpreis zu stabilisieren, wächst für die Ölförderer.

Die Bonitätsprüfer von Moody's drohen Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten mit einer Herabstufung. Auch für die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Katar senkten die Experten den Ratingausblick auf negativ. Hintergrund ist, dass wegen des Ölpreisverfalls die Staatseinnahmen der Ölförderer deutlich geschrumpft sind.

Die Rating-Experten wollen sich nun genau anschauen, ob die Staaten ihre Abhängigkeit von den Öleinnahmen verringern können. Die Anleihen des Insel-Staates Bahrain am Persischen Golf bewertet die Agentur bereits als sogenannte Schrottanlagen ("Junk"). Sie senkte die Note für Bahrain-Bonds auf "Ba1".

Dasselbe Rating hat Russland. Dem zweitgrößten Ölförderer der Welt droht ebenfalls eine weitere Herunterstufung. Die russische Regierung arbeitet nach Worten von Finanzminister Anton Siluanow daran, in den mittelfristigen Haushaltsplanungen den gesunkenen Ölpreis zu berücksichtigen. Mitte Februar bereits hatte Standard & Poor's (S&P) die Ratings von Förderländern reduziert.

Die Einschätzungen der Bonitätsprüfer decken sich mit denen des Internationalen Währungsfonds. Der IWF warnte bereits im Oktober vor einer Krise in den Golfstaaten. Insbesondere die Staatsfinanzen von Saudi-Arabien könnten den Experten zufolge bald erodieren. 80 Prozent der Einnahmen stammen aus dem Ölexport. Bei Beibehaltung der derzeitigen Ausgabenpraxis des Königreichs bestehe innerhalb von fünf Jahren die Gefahr eines Finanzengpasses, hieß es in einer Länderstudie. Saudi Arabien wurde darin zu Maßnahmen gegen das Staatsdefizit aufgerufen. Das Haus Al Saud hat bereits verschiedene Maßnahmen zur Sanierung des Haushalts eingeleitet.

Ölpreisverfall stoppen

Inzwischen arbeiten die wichtigen Förderländer Russland, Saudi-Arabien, Katar und Venezuela auch an einem Plan, die Ölproduktion einzufrieren, um den Ölpreis zu stabilisieren. Sie verlangen aber, dass andere Öl-Fördernationen sich anschließen. Einer Produktionsdrosselung erteilte Saudi-Arabien am Wochenende zum wiederholten Mal eine Absage. Das Land werde seinen Marktanteil aufrechterhalten, sagte Außenminister Adel al-Dschubeir vor Journalisten in Paris.

Die Vorstellung, sein Land könne die Förderung mindern, während andere Länder mehr produzierten, sei unrealistisch. Marktkräfte bestimmten den Preis. Die Märkte würden sich erholen, fügte der Minister hinzu.

Ratings sind für Staaten von erheblicher Bedeutung. Welche Tragweite diese Einstufungen haben, konnte man während der europäischen Schuldenkrise beobachten. Die Bonitätseinstufungen der Agenturen haben einen direkten Einfluss auf die Finanzierungskosten der Regierungen. Ist das Rating gut, können sich die Staaten am Kapitalmarkt Geld zu günstigen Zinsen beschaffen. Je schlechter das Rating, desto teurer wird das Anzapfen des Kapitalmarkts. Das heißt, die Bonität wirkt unmittelbar auf die Verschuldung zurück. Die finanzielle Schieflage wird dadurch verschärft.

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Quelle: n-tv.de

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