Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Längere Sanktionsdauer angenommen: Moskau rechnet mit Rezession

Lange hat sich die russische Regierung gewehrt: Nun aber rechnet sie nicht mehr mit einem Wachstum 2015. Grund sind der Ölpreis sowie die Sanktionen. Auch Investitionen und private Einkommen dürften sinken.

Die russische Wirtschaft wird nach Einschätzung der Regierung in Moskau im nächsten Jahr schrumpfen. Das Wirtschaftsministerium, das bislang noch von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 1,2 Prozent ausgegangen sei, erwarte nun für 2015 einen Rückgang um 0,8 Prozent, sagte der stellvertretende Wirtschaftsminister Alexej Wedew nach Angaben der Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Es wäre der erste Rückgang seit 2009.

Russland leidet unter einer massiven Kapitalflucht, dem Verfall der Ölpreise und den westlichen Sanktionen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt. Für das laufende Jahr erhöhte das Ministerium seine Prognose dagegen leicht von 0,5 Prozent auf 0,6 Prozent.

Die düstere Prognose kommt am Ende eines Jahres, in dem Russland voraussichtlich das schwächste Wachstum seit der globalen Finanzkrise erzielen wird. Nach der Annexion der Krim und wegen der Unterstützung der prorussischen Rebellen in der Ostukraine hat der Westen eine Reihe von Sanktionen gegen Russland verhängt.

Landeswährung im freien Fall

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Die Zeiten hoher Wachstumsraten hat Russland schon länger hinter sich gelassen. Während der ersten beiden Amtszeiten von Präsident Wladimir Putin war die Wirtschaft noch um sieben bis acht Prozent im Jahr gewachsen. 2012 waren es noch 3,4 Prozent, im vergangenen Jahr nur noch 1,3 Prozent.

Mit Blick auf den fallenden Ölpreis hatte die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, zuvor erklärt, dass diese Entwicklung den Öl-Exportländern wie Russland, Iran, Venezuela und Nigeria schwer zu schaffen mache. Die Entwicklung in diesen Staaten müsse beobachtet werden. Für sie könnte es sehr schwer werden.

In Russland aber verursacht der Fall der Ölpreise verursacht hohe Verluste. Der Rubel taumelt von Rekordtief zu Rekordtief. Grundsätzlich aber dürfte der Preisrückgang bei Rohöl von 30 Prozent ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent in den meisten Industrieländern hervorbringen, sagte Lagarde weiter.

Regierung sieht Sanktionen bis 2016

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"Ich denke, die russische Wirtschaft ist anfällig für dreierlei Krisen - strukturell, konjunkturell und geopolitisch", sagte Vize-Wirtschaftsminister Wedew. Das Ministerium erklärte, es habe bisher damit gerechnet, dass der externe Druck auf die russische Wirtschaft bis Mitte 2015 etwas nachlässt. Doch nun gehe es davon aus, dass die Sanktionen bis 2016 immer noch in Kraft sein werden.

Für 2015 senkte das Ministerium den erwarteten Durchschnittspreis für Erdöl auf 80 von 100 Dollar pro Barrel. Mit dieser Revision wird erwartet, dass der Rubel-Wechselkurs im Schnitt bei 49 gegenüber dem Dollar liegen wird. Zuvor war eine Rate von 37,7 unterstellt worden.

"Die grundsätzliche Einschätzung ist, dass sich der Wechselkurs zumindest auf dem gegenwärtigen Niveau stabilisiert", sagte Wedew. "Es herrscht das Gefühl, dass der Ölpreis sich bis Mitte nächsten Jahres auf 85 bis 95 Dollar erholen wird."

Kapitalabfluss beschleunigt sich wohl nochmals

Zugleich erhöhte das Ministerium die Schätzung für den Kapitalabfluss für 2014 auf 125 Milliarden von bislang 100 Milliarden Dollar. Für 2015 stieg die Schätzung auf 90 von 50 Milliarden Dollar.

Auch für die Investitionen gibt es keine guten Vorhersagen. Das Ministerium schätzt nun, dass sie im nächsten Jahr um 3,5 Prozent zurückgehen werden. Zuvor hatte die Hoffnung auf ein Wachstum von 2 Prozent bestanden. Auch die Projektionen für die privaten Haushalte wurden gekürzt. Die verfügbaren Einkommen dürften im nächsten Jahr um 2,8 Prozent sinken, anstatt wie bislang angenommen um 0,4 Prozent zu wachsen.

Quelle: n-tv.de

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