Wirtschaft
Warren Buffetts Ethos: "Man kann nicht vorhersagen, was eine Aktie tun wird … kurzfristig. Aber man kann vorhersagen, dass die amerikanischen Unternehmen sich im Lauf der Zeit gut entwickeln werden."
Warren Buffetts Ethos: "Man kann nicht vorhersagen, was eine Aktie tun wird … kurzfristig. Aber man kann vorhersagen, dass die amerikanischen Unternehmen sich im Lauf der Zeit gut entwickeln werden."(Foto: AP)

"Es ist wie Pornografie": Mr. Buffett, wie erkennt man Spekulanten?

Von Diana Dittmer

Eine US-Kommission spürt jahrelang den Ursachen der Finanzkrise nach. Hunderte Interviews werden geführt, fünf Jahre liegen sie unter Verschluss. Jetzt sind sie öffentlich. Besonders eine Aussage sticht heraus.

Im Mai 2010 steht Star-Investor Warren Buffett einem Untersuchungsausschuss zur Finanzkrise Rede und Antwort. Auf der Suche nach Antworten forderten die Mitglieder des Komitees in den USA den alten Hasen auf, ihnen den Unterschied zwischen Investoren und Spekulanten zu erklären.

Anderhalb Jahre vorher war die US-Bank Lehman Brothers kollabiert und Washington rief eine Kommission ins Leben, die sich mit den Ursachen der Finanzkrise befassen sollte. Der zehnköpfige Untersuchungsausschuss, der sich aus Bürgern aus den Bereichen Immobilien, Ökonomie, Finanzen, Marktregulierung sowie Bankwesen und Verbraucherschutz zusammensetzte, machte sich an eine jahrelange Sisyphos-Arbeit.

Hunderte Interviews werden in der Zeit geführt. Am 27. Januar 2011 ist das Werk vollbracht. Die Ermittler liefern einen Bericht gigantischen Ausmaßes: umgerechnet sieben Kubikmeter Papier sowie 13 Terabyte oder 13.000 Gigabyte elektronischer Aufzeichnungen. Einsehbar nur für Eingeweihte.

Erst fünf Jahre später, so wünscht es sich das Gremium damals, sollen diese Mitschriften und Dokumente veröffentlicht werden. Dem Wunsch wird stattgegeben. Den US-Bundesanstalten, die für Finanzregulierung zuständig sind, können jetzt erstmals einen großen Teil dieser Aufzeichnungen einsehen. Auch die breite Öffentlichkeit hat Zugriff auf diese Quellen.

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Buffett, der bekanntlich immer für einen guten Spruch taugt, kommt bei seiner Anhörung schnell auf den Punkt: "Entscheidend ist, ob es für die Person wichtig ist, dass die Märkte geöffnet sind", erklärt er hier. Der Selfmade-Milliardär, der sich selbst ganz und gar nicht als Spekulant versteht, führt weiter aus: "Wenn ich eine Aktie kaufe, dann ist es mir egal, ob die Aktienmärkte morgen für ein paar Jahre dichtmachen, weil mich das tatsächliche Geschäft interessiert, das für mich in den kommenden Jahren Erträge erwirtschaften soll. Wenn es für mich jetzt aber wichtig wäre, dass die Aktienmärkte offen sind, dann wäre ich gewissermaßen Spekulant, weil ich darüber nachdenken würde, ob der Aktienkurs am nächsten Tag hoch oder runter geht."

"Eine schwierige Frage"

Bei der Nachfrage, wie er denn den Begriff Spekulant konkret definieren würde, muss Buffett, der über ein geschätztes Privatvermögen von 73 Milliarden US-Dollar, offenbar selbst kurz nachdenken. "It's a tricky definition." Doch dann besinnt sich der drittreichste Mensch der Welt, der immer für einen guten Spruch taugt, doch eines Vergleichs: "Wissen Sie, eigentlich ist es wie Pornografie und dem berühmten Zitat, das es dazu gibt." Buffett spielt damit auf den berühmten Ausspruch eines US-Richters namens Potter Stewart an, der gegen Pornografie vorging und, nach einer schlüssigen Definition gefragt, 1964 zu Protokoll gab: "Ich kann sie ("hard-core pornography") nicht definieren, aber ich erkenne sie, wenn ich sie sehe."

Danach wird Buffett sachlich. Er definiert Spekulation als Handel, "der sich sehr auf die Kursausschläge einer Aktie konzentriert, weil man zum Beispiel denkt, dass die Quartalszahlen sehr gut ausfallen werden oder es einen Aktiensplit geben oder die Dividende steigen wird". Die Anlage an sich und die dahinterstehende Bilanz seien für den Spekulanten dagegen nicht von Interesse.  

Eine Investition dagegen ist seiner Ansicht nach eine, "bei der Sie auf den Aktivposten achten, um zu entscheiden, ob Sie Geld anlegen wollen, um später mehr Geld zurückzubekommen". Wie man das macht? "Sie schauen sich das Mietshaus an, Sie achten auf das Lager und die Farm, in Bezug darauf, was Sie produzieren werden. Und Sie kümmern sich wirklich nicht darum, ob es eine Wette darauf gibt."  

Buffetts Aussage ist definitiv kein Leitfaden für Finanzfahnder. Eine neue Finanzkrise wird sie nicht abwenden. Aber seine Ausführungen bestechen durch ihre Einfachheit – und den Buffettschen Humor. Und sie regen zum Nachdenken an. Die Welt hat sich seit Lehman nicht wirklich geändert. Wetten statt Substanz stehen immer noch hoch im Kurs.

Quelle: n-tv.de

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