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Erwartbare Folgen des Klimawandels: Mehr extreme Wetterereignisse wie etwa Hurrikan "Katrina" (Satellitenbild aus dem August 2005).
Erwartbare Folgen des Klimawandels: Mehr extreme Wetterereignisse wie etwa Hurrikan "Katrina" (Satellitenbild aus dem August 2005).(Foto: REUTERS)

"Größte Bedrohung der Menschheit": Munich Re zweifelt am Klimagipfel

Mit Katastrophen kennen sich die Münchner aus: Der weltgrößte Rückversicherer stützt seine Risikobewertung auf Schadensdaten von rund 36.000 Naturereignissen. Mit Blick auf den Pariser Klimagipfel nimmt ein Munich-Re-Experte kein Blatt vor den Mund.

Der deutsche Rückversicherungskonzern Munich Re hat wenig Hoffnungen auf einen Durchbruch beim Klimagipfel in Paris. Den Politikern sei die Dringlichkeit zwar noch nie so klar wie heute gewesen, sagte der Leiter der Abteilung "Naturrisiken", Peter Höppe. Auch die Zusagen für Emissionsminderungen seien nie so weitgehend gewesen. "Dennoch ist in Paris kaum mit einem Abkommen zu rechnen, das die globale Erwärmung auf zwei Grad begrenzt. Die Fortschritte sind immer noch viel zu langsam, die Emissionen von Treibhausgasen steigen nach wie vor an."

Die großen Verursacher müssten ihre Verantwortung übernehmen, forderte Höppe. "Vor allem China, USA, EU, Indien sowie Russland, die für etwa 70 Prozent der heutigen Emissionen stehen." Meteorologe Höppe warnte eindringlich vor neuerlichen Lippenbekenntnissen. "Es darf nicht das Ziel sein, nur noch ein scheinbar gesichtswahrendes Ergebnis zu erzielen, mit dem man in der Sache aber kaum weiterkommt."

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Der Rückversicherer Munich Re deckt weltweit die Schadensrisiken von mehr als 5000 Versicherungen gegen Großschäden aller Art ab. In diesem Zusammenhang dokumentiert der Konzern seit Jahrzehnten alle Naturkatastrophen weltweit.

Mehr als 36.000 Tropenstürme, Überflutungen und andere Katastrophen hat der Konzern in seiner Datenbank erfasst. Daraus lassen sich die Folgen des Klimawandels nach Ansicht von Höppe klar erkennen: Mehr Dürren, mehr Starkregen, mehr Hitzeperioden. "Ich halte den Klimawandel für die größte Bedrohung der Menschheit in diesem Jahrhundert", betonte er.

Vorstand verspricht mehr Dividende

Unabhängig von den Perspektiven in der internationalen Klimapolitik laufen die Geschäfte bei Munich Re gut. Der im deutschen Leitindex Dax notierte Konzern kann nach eigenen Angaben auf Abstriche bei den Plänen zur Dividende und den Aktienrückkäufen verzichten.

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"Ich habe die starke Erwartung, dass das gegenwärtige Niveau von Ausschüttungen in den nächsten Jahren aufrecht erhalten werden kann - mit einer leicht steigenden Dividende und einem mehr oder weniger verlässlichen Aktienrückkauf", sagte Finanzvorstand Jörg Schneider zu Wochenbeginn in einer Telefonkonferenz. Voraussetzung dafür sei, das unvorhersehbare Katastrophen ausblieben.

Auch nach der Einführung der neuen Kapitalvorschriften für die Branche strotzt der Rückversicherer noch vor Kraft. Mit 260 Prozent war die nach den "Solvency II"-Regeln der Europäischen Union berechnete Solvenzquote des weltgrößten Rückversicherers Ende September mehr als zweieinhalb mal so hoch wie gefordert. Nach den alten Regeln hatte sie Ende 2014 nur bei 242 Prozent gelegen.

Bafin segnet Risikoberechnung ab

Der neuen Kapitalvorgabe zufolge muss sich der Kapitalbedarf von Versicherern und Rückversicherern stärker als bisher an den Risiken orientieren, die mit ihren Verpflichtungen verbunden sind. Daraus errechnet sich vor allem für die Lebensversicherer ein deutlich höherer und stärker schwankender Kapitalbedarf. Das gilt auch für die Münchener-Rück-Tochter Ergo, die deshalb das Neugeschäft mit Lebensversicherungen mit lebenslangen Garantien einstellt.

Die Münchener Rück berechnet die Risiken im ganzen Konzern nach einem internen Modell, das vom vorgegebenen Standardmodell abweicht. Die Versicherungsaufsicht Bafin habe dies in der vergangenen Woche genehmigt, erklärte der Rückversicherer. Zuvor hatten bereits Talanx, Hannover Rück und die Allianz Vollzug gemeldet. Damit haben nun alle großen deutschen Versicherer und Rückversicherer ein von der Bafin genehmigtes internes Modell zur Risikoberechnung.

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Quelle: n-tv.de

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