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Wachstum verlangsamt sich: Muss Peking stimulieren?

Das Wirtschaftswachstum in China ist im dritten Quartal 2014 so langsam gewachsen wie seit fünf Jahren nicht. Dennoch freuen sich Analysten und Anleger. Der Grund: Die Volkswirtschaft überrascht positiv - und setzt dennoch die politische Führung unter Druck.

Chinas Ökonomie hat sich nicht so stark abgekühlt wie erwartet. Zwar wuchs die Wirtschaft im dritten Quartal nach offiziellen Zahlen um 7,3 Prozent. Seit dem ersten Quartal im Jahr 2009 hat Chinas Wirtschaft aber nicht mehr so langsam zugelegt. Damals hatte die Wachstumsrate bei 6,6 Prozent gelegen.

Analysten hatten aber im Schnitt mit 7,2 Prozent gerechnet. Trotzdem wird nun erwartet, dass die Staatsführung in Peking die Konjunktur weiter ankurbeln muss, um einen deutlicheren Rückgang des Wachstums zu verhindern.

Im Vergleich zum Vorquartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 1,9 Prozent. Volkswirte hatten mit 1,8 Prozent gerechnet. Im Frühjahrsquartal lag die Kennziffer noch bei 2,0 Prozent.

Verhaltene Hoffnung für eine Belebung kommt von der Industrieproduktion. Sie stieg im September zum Vorjahresmonat mit 8,0 Prozent stärker als die erwarteten 7,5 Prozent, nachdem das Plus von 6,9 Prozent im August für chinesische Verhältnisse ungewöhnlich niedrig war. Im Monatsvergleich beschleunigte sich der Anstieg auf 0,91 von 0,20 Prozent. Der Einzelhandelsumsatz legte zwar im September um 11,6 Prozent zu, blieb damit aber hinter dem August-Plus von 11,9 Prozent zurück.

Unter Druck steht dagegen der Immobiliensektor, der zusammen mit den Zulieferbranchen wie Stahl, Bau und Ausstattung rund die Hälfte des BIP ausmacht. So sanken die Hausverkäufe in den ersten neun Monaten des Jahres um 10,8 Prozent.

Gespannte Ruhe

Shenjang, eine der vielen aufstrebenden Städte Chinas Sie wächst und das chinesische BIP auch.
Shenjang, eine der vielen aufstrebenden Städte Chinas Sie wächst und das chinesische BIP auch.(Foto: REUTERS)

Die Zahlen wurden an den Finanzmärkten mit Spannung erwartet, weil sich die Entwicklung in der Volksrepublik auch auf die Weltkonjunktur auswirkt. Investoren zeigten sich dementsprechend von den Zahlen beruhigt: Wichtige Aktienbörsen und Währungen asiatischer Schwellenländer legten zu.

Chinas Staatsführung will eine grundlegende Umstrukturierung der Wirtschaft anstoßen. Dafür will sie auch geringere Wachstumsraten in Kauf nehmen. Mehrfach hatte Regierungschef Li Keqiang betont, dass China in diesem Jahr sein selbstgestecktes Ziel von 7,5 Prozent erreichen werde. In den neun Monaten bis September wuchs sie um 7,4 Prozent.

Dennoch: Sollte es in diesem Jahr bei dem Tempo bleiben, wäre es das langsamste Wachstum seit 24 Jahren. Chinas Staatsführung misst ihre Wirtschaftspolitik zu einem großen Teil an der Zahl der geschaffenen neuen Stellen auf dem Arbeitsmarkt. Regierungschef Li hatte auf dem Weltwirtschaftsforum in Tianjin vergangenen Monat betont, dass in China in den ersten acht Monaten dieses Jahres fast zehn Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen wurden.

"Ein entscheidendes Ziel für stabiles Wachstum ist die Sicherung des Arbeitsmarktes", sagte Li. Mit den bisherigen Daten fühlte sich der Ministerpräsident auf einem guten Kurs. Außerdem handle es sich bei dem Wachstumsziel nicht um exakt 7,5 Prozent, sondern "etwa" 7,5 Prozent.

Analyst: Regierung nicht unter Zugzwang

Der Volkswirt Julian Evans-Pritchard von Capital Economics in Singapur sagte, die Zahlen seien besser als von vielen vorhergesagt. Die Entscheidungsträger würden dadurch nicht beunruhigt. "Mit 7,3 Prozent werden sie wahrscheinlich ziemlich zufrieden sein."

Im Vergleich zum minimalen Wachstum in Europa und den USA erscheinen Wachstumszahlen wie in China bemerkenswert, doch sind sie für ein Schwellenland wie China mit seinem Nachholbedarf nicht hoch. Experten sehen sechs oder sieben Prozent Wachstum als Untergrenze, um ausreichend Arbeitsplätze zu schaffen und Entwicklungsprobleme zu lösen.

Der Internationale Währungsfonds prognostizierte für China in diesem Jahr ein Wachstum von 7,4 Prozent. Im kommenden Jahr soll China Wirtschaft nur noch mit 7,1 Prozent zulegen. Langfristig könnte sich Chinas Wachstum auf einem noch niedrigeren Niveau einpendeln. Das Analyseunternehmen The Conference Board prognostizierte einen Einbruch von Chinas Konjunkturdaten in den kommenden zehn Jahren. Zwischen 2015 und 2019 werde der Zuwachs im Schnitt bei 5,5 Prozent liegen. Zwischen 2020 und 2025 werde sich die Wirtschaftsentwicklung weiter verlangsamen auf durchschnittlich 3,9 Prozent, heißt es in einer Analyse.

Quelle: n-tv.de

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