Wirtschaft
Investmentbanker, die an Übernahmen und Fusionen als Berater kräftig mitverdienen, hoffen auf die große Trendwende.
Investmentbanker, die an Übernahmen und Fusionen als Berater kräftig mitverdienen, hoffen auf die große Trendwende.(Foto: picture alliance / dpa)

Milliardendeals setzen Zeichen: Rollt die nächste Übernahmewelle an?

Geschäfte wie der Vodafone- oder Nokia-Verkauf machen Bankern Hoffnung auf mehr. Viele Unternehmen haben inzwischen wieder tiefe Taschen. Die meisten Banken sind auch wieder bereit, Kredite zu geben. Potenzielle Übernahmekandidaten gibt es einige.

Investmentbanker rund um den Globus hoffen nach einigen Mega-Deals auf  eine Trendwende im mauen Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A). Der 130 Milliarden Dollar schwere Verkauf des US-Mobilfunkgeschäfts von Vodafone an Verizon könne der Startschuss für eine Reihe großer Transaktionen sein, sagt Tom Massey, der M&A-Chef von Citi in Europa. "Wenn der erste Dominostein fällt, werden andere folgen."

Vodafone verkauft für 130 Mrd. Euro seine Anteile am US-Anbieter Verizon Wireless. Es ist die drittgrößte Übernahme der Wirtschaftsgeschichte.
Vodafone verkauft für 130 Mrd. Euro seine Anteile am US-Anbieter Verizon Wireless. Es ist die drittgrößte Übernahme der Wirtschaftsgeschichte.(Foto: picture alliance / dpa)

Nach der Finanzkrise haben sich viele Unternehmenschefs mit großen Übernahmen zurückgehalten. Statt sich für Zukäufe zu verschulden, bauten viele lieber ihre Schulden ab und verschlankten das Geschäft. Der Verizon-Deal, aber auch der Verkauf der Nokia-Handysparte an Microsoft und der von Kabel Deutschland an Vodafone könne nun aber einen Wendepunkte darstellen, hoffen Investmentbanker, die an solchen Geschäften als Berater kräftig mitverdienen.

Einige Unternehmen prüften derzeit Zukäufe intensiver, die sie schon lange im Blick hätten, berichtet Gilberto Pozzi, der das M&A-Geschäft von Goldman Sachs in Europa leitet. "Neben Verkäufen von Randbereichen und Zukäufen zur Stärkung des Kerngeschäfts beschäftigen sich Vorstandschefs auch wieder mit großen strategischen Transaktionen, die ihre Branche verändern." Besonders große Deals sind dabei weiter im Telekommunikations- und Technologiesektor zu erwarten, sagt Eric Benedict vom Beratungsunternehmen AlixPartners. "In den USA ist bereits viel passiert, nun könnte es auch in Europa Bewegung geben."

Schwappt die Übernahmewelle nach Europa?

Zu den potenziellen Übernahmekandidaten zählen Telecom Italia, auf die Insidern zufolge mehrere Investoren ein Auge geworfen haben. Auch der britische Mobilfunker EE könnte an Konkurrenten wie den US-Konzern AT&T verkauft werden - Banker beziffern einen solchen Deal auf rund 13 Milliarden Euro. Das Volumen an Übernahmen und Fusionen im Telekom-Sektor ist seit Jahresbeginn bereits um mehr als zwei Drittel auf 448 Milliarden Dollar gestiegen - der höchste Wert seit 2007.

Über alle Branchen hinweg sieht die M&A-Bilanz nach einem mauen Jahresstart allerdings noch nicht umwerfend auf. Das Volumen aller Transaktionen weltweit stieg im Vergleich zum Vorjahr gerade mal um ein Prozent auf 1,55 Billionen Dollar. Aus Sicht von Bankern könnte die Bilanz am Ende des Jahres deutlich besser ausfallen, da viele Unternehmen tiefe Taschen haben und auch die meisten Geldhäuser wieder bereit sind, Kredite für große Übernahmen zur Verfügung stellen.

Als mögliche Übernahmeziele gelten Bankern zufolge auch die britischen Pharmakonzerne Shire, AstraZeneca sowie der Medizintechnikkonzern Smith & Nephew. Zudem könnten große britische Konglomerate wie Smiths Group oder Reckitt Benckiser zerschlagen werden, hoffen Banker. In Deutschland, wo beim Thema Milliarden-Übernahmen in diesem Jahr ebenfalls wieder mehr los ist, soll der Badarmaturen-Hersteller Grohe verkauft oder an die Börse gebracht werden. Zudem schlägt die Telekom ihre Internet-Tochter Scout24 los.

Quelle: n-tv.de

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