Wirtschaft
Warnstreik der IG Metall in Duisburg 2010. Die Gewerkschaft hat klar gemacht, notfalls in den Arbeitskampf einzutreten.
Warnstreik der IG Metall in Duisburg 2010. Die Gewerkschaft hat klar gemacht, notfalls in den Arbeitskampf einzutreten.(Foto: REUTERS)

Metaller wollen kräftiges Lohnplus: Nächster harter Tarifkonflikt kündigt sich an

Rollt ein weiterer großer Streik auf die Wirtschaft zu? Die IG Metall, größte Gewerkschaft des Landes, will mehr Geld - fünf bis sechs Prozent. Die Arbeitgeber nennen das "realitätsfern", obwohl die Verhandlungen noch gar nicht begonnen haben.

Eine zähe Tarifrunde steht möglicherweise Anfang 2015 der Metall- und Elektroindustrie bevor. Die regionalen Tarifkommissionen der sieben IG-Metall-Bezirke empfahlen, mit Lohnforderungen von fünf bis sechs Prozent für zwölf Monate in die anstehenden Verhandlungen mit den Arbeitgebern zu gehen. Zudem verlangen sie eine geförderte Qualifizierungsteilzeit sowie Verbesserungen für die Altersteilzeit. Deutschlands mitgliederstärkste Gewerkschaft begründete ihre Forderung für die 3,7 Millionen Beschäftigten in den wichtigen Branchen damit, dass es vielen Unternehmen wirtschaftlich gut gehe. Für das Umschalten auf Krisenmodus gebe es keinen Anlass. Die Forderung sei machbar und bezahlbar. Notfalls werde man dafür auch streiken.

Die Arbeitgeber verwiesen dagegen auf die Konjunkturflaute. Sie sehen nur einen kleinen Verteilungsspielraum. Volkswirte warnen vor einem weiteren Dämpfer für das Wirtschaftswachstum in Deutschland. "Die Gewinne in der Branche sind auf den historisch zweithöchsten Wert gestiegen, auch für die Gesamtwirtschaft gehen sämtliche Prognosen für 2015 von weiterem Wachstum aus", sagte Baden-Württembergs IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger in Filderstadt. Er kündigte eine harte Gangart seiner Gewerkschaft an: "Sie können mit Sicherheit davon ausgehen, dass wir am Ende der Friedenspflicht Warnstreiks machen werden." Verhandelt werde nur im Paket über Lohn, Altersteilzeit und mehr Mitbestimmung bei der Weiterbildung.

Unverständnis bei Arbeitgebern

Die Mitglieder aus der Autobranche hätten mehr als sechs Prozent für zwölf Monate verlangt. Am Ende einigte sich die Tarifkommission im Südwesten auf 5,5 Prozent, um auch anderen Unternehmen gerecht zu werden. Die Arbeitgeberseite reagierte mit Unverständnis: "Die Gewerkschaft scheint weder die reduzierten Wachstumsprognosen noch die höchst unterschiedliche Lage in einzelnen Branchen und Betrieben im Blick zu haben", kritisierte Verbandschef Stefan Wolf.

Zur Metall- und Elektroindustrie zählen mittelständische Firmen aus dem Maschinenbau ebenso wie die großen Autobauer Daimler, VW und BMW und deren Zulieferer sowie der Elektrokonzern Siemens. Die Gewerkschafter in Bayern, wo in der zurückliegenden Tarifrunde der Pilotabschluss erzielt worden war, sprach sich ebenfalls für 5,5 Prozent mehr Lohn aus. "Die Forderung spiegelt einen wirtschaftlichen Querschnitt durch die bayerische Metall- und Elektroindustrie wider, also keineswegs nur ein paar besonders gut dastehende Unternehmen", sagte IG-Metall-Bezirkschef Jürgen Wechsler. Die Branche verdiene gerade in Bayern gut.

Etwas zurückhaltender war Nordrhein-Westfalen: Der mitgliederstärkste Bezirk empfahl eine Spanne von fünf bis 5,5 Prozent. Niedersachsen sprach sich für 5,5 bis sechs Prozent aus. Diese Empfehlung gilt auch für Volkswagen, wo traditionell ein Haustarifvertrag für die gut 100.000 Beschäftigten in Westdeutschland ausgehandelt wird.

Forderung "gefährdet Arbeitsplätze"

Am kommenden Dienstag will der Gewerkschaftsvorstand in Frankfurt über die Forderungen beraten und anschließend eine Empfehlung für die Bezirke abgeben. Endgültig beschlossen werden soll die Forderung am 27. November, die Tarifverhandlungen starten im Januar. Teil des von der IG Metall angestrebten Forderungspakets sind zudem Verbesserungen der Altersteilzeit und mehr Mitbestimmung bei der Weiterbildung. Während die Arbeitgeber bezahlte Bildungszeiten ablehnen, zeigten sie sich bei der Altersteilzeit gesprächsbereit.

Volkswirte kritisierten die Vorschläge der Gewerkschaft. "Um Rücksicht auf die aktuelle Unsicherheit der deutschen Konjunktur zu nehmen, müsste die Forderung geringer sein", sagte Commerzbank-Ökonom Eckart Tuchtfeld. Er geht davon aus, dass ein Tarifabschluss am Ende bei drei Prozent liegen werde. Hagen Lesch vom arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft (IW Köln) bezeichnete die Forderung der IG Metall als "fernab der Realität". Die Produktivität wachse derzeit nur um knapp ein Prozent. Ökonomisch geboten wäre ein Lohnabschluss, der sich daran orientiere. "Alles, was darüber hinausgeht, gefährdet Arbeitsplätze, weil die Unternehmen derzeit kaum höhere Preise durchsetzen können", betonte Lesch.

Die IG Metall dagegen sieht sich in ihren Forderungen dadurch bestärkt, dass sich Notenbanker im Vorfeld für höhere Lohnaufschläge ausgesprochen hatten, um die Binnennachfrage anzukurbeln. In den zurückliegenden Tarifverhandlungen hatten Arbeitgeber und Gewerkschaft Lohnerhöhungen in zwei Stufen im Gesamtvolumen von 5,6 Prozent für 20 Monate vereinbart.

Quelle: n-tv.de

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