Wirtschaft

Deutsche Inflationsrate fällt: Nahrungsmittelpreise steigen stark

Die Inflation ist im Deutschland des Jahres 2013 nicht das große Problem. Sie erreicht den niedrigsten Wert seit 2010. Billigeres Benzin und Heizöl sind der Grund. Bei den Lebensmitteln müssen die Deutschen deutlich mehr ausgeben. Und die Preise werden weiter steigen.

Insgesamt stabile Preise im Jahr 2013 in Deutschland.
Insgesamt stabile Preise im Jahr 2013 in Deutschland.(Foto: picture alliance / dpa)

Sinkende Preise für Benzin und Heizöl haben die Inflation im abgelaufenen Jahr in Schach gehalten. Die Kosten für die Lebenshaltung stiegen im Vergleich zu 2012 um 1,5 Prozent. "Eine niedrigere Teuerung im Jahresdurchschnitt hatte es zuletzt 2010 mit 1,1 Prozent gegeben", teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. 2012 lag die Inflationsrate bei 2,0 und 2011 bei 2,1 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) spricht bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen.

Entlastet wurden die Verbraucher durch billigeres Öl, das wegen der schwachen Weltkonjunktur deutlich weniger kostete. Kraftstoffe verbilligten sich dadurch um 3,4 Prozent, leichtes Heizöl sogar um 6,0 Prozent. Dagegen verteuerte sich Strom wegen der höheren Ökostrom-Umlage um 11,9 Prozent.

Deutlich tiefer in die Taschen greifen mussten die Verbraucher für Nahrungsmittel. Sie kosteten durchschnittlich 4,4 Prozent mehr als 2012. "Preiserhöhungen gab es 2013 in allen Nahrungsmittelbereichen", erklärten die Statistiker. Besonders deutlich fiel der Preisaufschlag bei Kartoffeln (+28,7 Prozent), Äpfeln (+14,9) und Butter (+16,1) aus. Grund dafür waren die weltweit steigende Nachfrage und witterungsbedingte Ernteausfälle.

Wegen der anziehenden Konjunktur rechnen Experten in diesem Jahr mit stärker steigenden Preisen. Die Commerzbank geht von einem Plus von 1,7 Prozent aus. Wegen der besseren Wirtschaftslage dürfte es den Unternehmen leichter fallen, steigende Kosten - etwa durch höhere Löhne - an ihre Kunden weiterzureichen.

Wachsender Druck auf Lebensmittelpreise

Nach Einschätzung von Bundesagrarminister Hans-Peter Friedrich müssen sich die deutschen Verbraucher darauf einstellen, dass Nahrungsmittel tendenziell teurer werden. "Es ist zu erwarten, dass die weltweit steigende Nachfrage, insbesondere aus den aufstrebenden Regionen Asiens, sich auf die Lebensmittelpreise auswirkt", sagte der CSU-Politiker vor dem Start der Agrarmesse Grüne Woche in Berlin. Zuletzt waren die Preise für Lebensmittel in Deutschland stärker gestiegen als die allgemeinen Verbraucherpreise.

Schon seit geraumer Zeit steht die Spekulation mit Lebensmitteln an den Börsenplätzen in der Kritik. "Diese Warenterminbörsen und all diese Dinge sind natürlich auf der einen Seite wichtig, um Preisschwankungen und Risiken abzusichern", sagte Friedrich bei n-tv: "Auf der anderen Seite, was sich da abspielt an den Märkten, ist unglaublich. Es führt zu Spekulationen, zu kurzfristiger Verteuerung von Lebensmitteln. Das war und ist so nicht akzeptabel. Insofern sind die Schritte, die jetzt gefunden wurden, einfach Obergrenzen einzuziehen, besser auch zu kontrollieren, Transparenz herzustellen, die richtigen Schritte."

Friedrich hob hervor, dass Kunden mit ihren Kaufentscheidungen Einfluss auf Produktionsweisen nehmen könnten, etwa für mehr Bio- Lebensmittel. "Wenn es eine steigende Nachfrage nach ökologischen Produkten gibt - auch wenn sie teurer sind -, dann wird es auch Bauern geben, die mehr produzieren. Der Markt funktioniert."

Dies habe der Staat nicht vorzuschreiben. Man könne nur jedem empfehlen, auf hochwertige Lebensmittel zu setzen, meinte Friedrich: "Am Ende bestimmt der Verbraucher, was er isst, was er dafür bezahlen will und dadurch indirekt, was produziert wird."

"Einige schwarze Schafe"

Der Minister wandte sich gegen pauschale Kritik an der Massentierhaltung: "Es kommt nicht darauf an, wie viele Tiere in einem Stall stehen, sondern wie es dem einzelnen Tier geht und welche Bedingungen es hat." Kleinere und mittlere Betriebe würden künftig auch von einer starken Förderung der ersten Hektarflächen profitieren.

Den Bauern sei selbst an guten Haltungsbedingungen gelegen. "Eine Kuh, die krank ist, gibt weniger Milch", sagte Friedrich. "Insofern haben die Landwirte ein hohes Interesse am Wohlbefinden ihrer Tiere sowie auch an der Aufrechterhaltung der Qualität ihrer Böden, die sie ja ihren Kindern vererben wollen."

Es sei schade, wenn das Bild der Branche von einigen schwarzen Schafen geprägt werde. Dies gelte es zu ändern und zu verdeutlichen, dass die allermeisten Betriebe so arbeiteten, wie es sich die Verbraucher vorstellten: "Auch in der Stadtbevölkerung muss die Wertschätzung für die Landwirtschaft wieder hergestellt werden. Das Wichtigste dabei ist Transparenz, weil Transparenz Vertrauen schafft."

Quelle: n-tv.de

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