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Die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche vergibt ihren Negativpreis "Verschlossene Auster" in diesem Jahr an das deutsche Rüstungsunternehmen Heckler&Koch.
Die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche vergibt ihren Negativpreis "Verschlossene Auster" in diesem Jahr an das deutsche Rüstungsunternehmen Heckler&Koch.(Foto: picture alliance / dpa)

"Verschlossene Auster": Negativpreis geht an Heckler & Koch

Netzwerk Recherche verleiht seinen Negativpreis an Heckler & Koch und "honoriert" den Umgang des Unternehmens mit kritischer Presse. Die Waffenschmiede weist die Vorwürfe über das Ausspähen von Journalisten von sich - und lehnt den Preis dankend ab.

Die "Verschlossene Auster", der Negativpreis der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche, geht in diesem Jahr an das Rüstungsunternehmen Heckler & Koch.

Damit würdigt die Vereinigung "den wohl bislang einzigartigen Umgang eines Unternehmens mit negativer Berichterstattung", wie die Vorsitzende des Netzwerks, Julia Stein, sagte. Vertreter von Heckler & Koch seien beim Präsidenten des Militärischen Abschirmdienstes vorstellig geworden, nachdem Medien wochenlang auch auf Grundlage vertraulicher Unterlagen kritisch über das Unternehmen und die Schwächen des Sturmgewehrs G36 berichtet hatten. In einer Stellungnahme, die von Stein verlesen wurde, wies ein Sprecher von Heckler & Koch den Vorwurf zurück, das Unternehmen habe versucht, Journalisten ausspähen zu lassen.

Keine Antworten auf kritische Nachfrage

In seiner "Laudatio" sagte der freie Journalist und "Zeit"-Autor Hauke Friedrichs, das mittelständische Unternehmen aus Baden-Württemberg exportiere Waffen auch an Länder, in denen die Menschenrechte verletzt würden. Journalisten seien darum besonders gefordert, über dieses Thema zu recherchieren und zu berichten.

Mehrfach hätten Medienberichte zu staatsanwaltlichen Ermittlungen geführt. Heckler & Koch gebe aber keine Pressekonferenzen und nur ganz selten Interviews. Kritische Fragen seien nicht willkommen. Eine Münchner Anwaltskanzlei des Unternehmens warne Pressevertreter vor falschen Tatsachenbehauptungen.

2013 hätten sich zwei hohe Vertreter von Heckler & Koch beim MAD über eine negative Berichterstattung auf der Grundlage von internen Papieren beschwert. "Vieles deutet darauf hin, dass die Vertreter des Gewehrbauers um die Hilfe des Geheimdienstes baten, die Informanten der Journalisten auffliegen zu lassen, den Rechercheuren so ihre Arbeit zu erschweren und letztlich kritische Berichterstattung zu unterbinden", sagte Friedrichs.

Heckler & Koch weist Vorwürfe zurück

In seiner Stellungnahme an Netzwerk Recherche wandte sich Heckler & Koch gegen die Darstellung, es habe einen Versuch zur Ausspähung von Medien unternommen. Das Unternehmen begrüßte ausdrücklich eine Untersuchung der Vorwürfe durch eine unabhängige Stelle. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass eine solche Klärung der Ereignisse belegen wird, dass Heckler & Koch die Verschlossene Auster nicht verdient hat", schrieb der Unternehmenssprecher. Den Negativpreis werde man darum nicht annehmen.

Das Netzwerk Recherche vergibt die Auszeichnung seit 13 Jahren. Im vergangenen Jahr ging die "Verschlossene Auster" an den ADAC. Auch der Weltfußballverband FIFA, die katholische Kirche und Russlands Präsident Wladimir Putin wurden schon bedacht. Erster "Preisträger" war im Jahr 2002 der damalige Bundesinnenminister Otto Schily.

Quelle: n-tv.de

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