Wirtschaft
Hohe Erzeugerpreise bedeuten auch höhere Milchpreise im Supermarkt.
Hohe Erzeugerpreise bedeuten auch höhere Milchpreise im Supermarkt.(Foto: dpa)
Freitag, 22. September 2017

Erleichterung bei Milchbauern: Neigt sich die Milchkrise dem Ende zu?

von Philip Ziche

Jahrelang kämpften Deutschlands Milchbauern mit Überproduktion und schwacher Nachfrage. Nun geht es bergauf. Was die Erzeuger freut, dürfte die Verbraucher allerdings verärgern: höhere Preise.

Die Gesetze der Marktwirtschaft besagen, dass der Preis mit der Nachfrage steigt. Demnach müsste Deutschland zurzeit großes Interesse an Milch haben - im Juli ist der Milchpreis um rund drei Cent gestiegen. Es gibt allerdings noch eine Erklärung: Der Preis steigt, wenn das Angebot sinkt.

Viele Milchbetriebe mussten die Produktion einstellen.
Viele Milchbetriebe mussten die Produktion einstellen.(Foto: Milchindustrieverband)

Saisontypisch nimmt die Menge an Rohmilch, die von den Milchbetrieben geliefert wird, in der zweiten Jahreshälfte ab. Deshalb steigen regelmäßig ab Herbst auch die Preise für den Endverbraucher. Gleichzeitig zieht aber auch der Erzeugerpreis an, zu dem die Bauern ihre Milch an die Molkereien verkaufen. Derzeit liegt er bei etwa 36 Cent je Kilogramm - der höchste Stand seit August 2014.

Für die Milchbauern bedeutet das ein wenig Aufatmen: Seit die Milchquote in der EU abgeschafft wurde, standen viele Betriebe vor finanziellen Problemen oder sogar dem Ruin. Bis 2015 deckelte sie die Milchproduktion in allen EU-Ländern. Nach dem Wegfall des EU-Regimes versuchten viele Milchbauern die niedrigen Preise mit erhöhter Produktion wettzumachen. Die Überproduktion trieb die Preise noch weiter in den Keller. Einige Molkereien zahlten sogar eine Prämie, wenn die Milchbauern nichts lieferten. Viele blieben auf ihrer Rohmilch sitzen und konnten ihre Kosten nicht mehr decken. Jeder Zehnte musste seinen Betrieb dichtmachen.

Krise dürfte sich nicht mehr wiederholen

Nun entspannt sich die Lage zunehmend. Doch obwohl die gestiegenen Preise eine gute Nachricht für die Milchbauern sind, reichen sie wahrscheinlich nicht aus. Viele Bauern haben sich in der Milchkrise stark verschuldet. Um diese Schulden zu bewältigen, sind laut dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) Milchpreise von über 40 Cent nötig. Die bisherigen Preissteigerungen müssten "sofort und unmittelbar an die Milchviehhalter weitergegeben werden", forderte BDM-Vorsitzender Romuald Schaber im Mai.

Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor bleibt zudem, dass die Subventionen, welche die EU in der Milchkrise aufgelegt hatte, auslaufen. Seit Februar zahlt Brüssel den Milchbauern kein Geld mehr dafür, dass sie weniger Milch liefern. Trotzdem werde sich die Milchkrise Experten zufolge aber nicht wiederholen, sagt Nikola Krebs vom Landwirtschaftsministerium. "Die Rohmilchlieferung dürfte dem normalen saisonalen Verlauf folgen." Man gehe von gleichmäßigen Schwankungen in Preis und Liefermenge aus.

Auch Andreas Gorn von der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft ist zuversichtlich. "Die Milchpreise sind um 50 Prozent höher als noch vor einem Jahr", sagt er. Vorerst seien sie stabil; Gorn sagt aber auch, dass der Erzeugerpreis noch zulegen könnte.

Ob die Verbraucherpreise für Milch weiter steigen, lässt sich pauschal nicht sagen. Laut Gorn bestehe aber Nachholbedarf - es könne also sein, dass die Supermarktpreise noch zunehmen. Wird die Milch zu teuer, wird sie aber auch nicht gekauft, was wiederum langfristig die Preise drückt. Üblicherweise sinkt die Produktion bis November und nimmt ab Januar wieder zu. Spätestens dann sollten auch die Preise wieder zurückgehen.

Quelle: n-tv.de

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