Wirtschaft
Der neue Fünfer soll Fälschern das Leben schwer zu machen.
Der neue Fünfer soll Fälschern das Leben schwer zu machen.(Foto: dpa)

Fälscher aufgepasst!: Neue Euro-Noten für Europa

Der Euro bekommt ein neues Gesicht. Die Rundumerneuerung soll die Gemeinschaftswährung sicherer machen. Im Wettlauf mit professionellen Geldfälschern wollen die Notenbanker stets einen Schritt voraus sein. EZB-Chef Draghi signiert bei der Vorstellung in Frankfurt ein erstes Exemplar der neuen Fünf-Euro-Note.

Anders als bei seinem künftigen US-Kollegen Jack Lew hat sich über Mario Draghis Unterschrift noch niemand mokiert.
Anders als bei seinem künftigen US-Kollegen Jack Lew hat sich über Mario Draghis Unterschrift noch niemand mokiert.(Foto: REUTERS)

Die Oberfläche ist fast überall glatt wie ein Babypopo, das Wasserzeichen erinnert an die mythologische Geburtsstunde Europas: Der neue Fünf-Euro-Schein, erstes Kind der neuen "Europa-Serie", soll das Vertrauen der Europäer in eine sichere gemeinsame Währung stärken - und zugleich Fälschern die Arbeit erschweren. Neue Falschgeldzahlen zeigen: Kriminelle geben sich in dem Millionenspiel nicht so leicht geschlagen.

Das Euro-Bargeld sei eine Erfolgsgeschichte, jubelte EZB-Präsident Mario Draghi bei der feierlichen Vorstellung der neuen Fünf-Euro-Banknoten in Frankfurt: "Der Euro ist das sichtbarste Symbol der europäischen Einigung." Nun sei die Gemeinschaftwährung der 17 Staaten auf dem neuesten technischen Stand.

"Wir wollen, dass das Euro-Bargeld eine sichere Währung bleibt, die schwer zu fälschen ist. Mit der Investition in neue Sicherheitsmerkmale sollen die Fälschungszahlen niedrig gehalten werden", erklärt Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele.

Im vergangenen Jahr brachten Geldfälscher in Deutschland mehr Blüten in Umlauf als im Vorjahr. Aus dem Verkehr gezogen wurden gut 41.500 (Vorjahr: 39.000) gefälschte Euro-Banknoten.

"Wir haben einen leichten Anstieg beim Falschgeld in Deutschland, aber die Zahlen bleiben auf niedrigem Niveau", bekräftigte Thiele. Er sprach von einer der "niedrigsten Schadenssummen durch Falschgeld seit der Bargeld-Einführung des Euros im Jahr 2002. Weltweit tauchten laut Europäischer Zentralbank 531.000 (606.000) Blüten auf. Gesamtschaden: 26 Mio. Euro.

Importierte Blüten

Sicher und schön: Dem EZB-Chef gefallen die neuen Scheine offenbar sehr.
Sicher und schön: Dem EZB-Chef gefallen die neuen Scheine offenbar sehr.(Foto: dapd)

Nach Deutschland kommen die Blüten in der Regel aus dem Ausland. Im vergangenen Jahr hoben Fahnder professionelle Fälscherwerkstätten in Frankreich, Bulgarien und Italien aus. "In Deutschland gibt es keine Herstellung von Falschgeld in großem Stil", sagt Rainer Elm, Leiter des Nationalen Analysezentrums der Deutschen Bundesbank.

Nicht immer sind Fälschungen so plump wie im folgenden Fall: Eine gelbe 200-Euro-Note, die in Russland und der Ukraine billig als Souvenir verkauft wird, wurde mit Eurozeichen aus glitzerndem Geschenkpapier aufgehübscht - und in einem Bekleidungsgeschäft im oberfränkischen Hof erfolgreich zum Einkaufen benutzt.

Der russisch sprechende Kunde, etwa 75 Jahre alt, legte für einen Anzug im Wert von 320 Euro die Blüte sowie drei echte Scheine auf den Tresen. Als ein Angestellter des Geschäfts am 11. September 2012 die Tageseinnahmen zur Bank brachte, bestätigte sich sein Verdacht, dass der 200er gefälscht sein könnte: Aufgeklebtes Hologramm, falsches Wasserzeichen, abweichende Maße des Schein, keine Banknotennummer.

Klassiker: Der falsche Fuffziger

Die mythische Europa schützt die Banknote als Wasserzeichen.
Die mythische Europa schützt die Banknote als Wasserzeichen.(Foto: dpa)

Auf so wertvolle Banknoten setzen Kriminelle kaum, sie bringen eher "falsche Fuffziger" und 20-Euro-Scheine unters Volk. Denn die werden beim schnellen Einkauf zum Beispiel beim Bäcker oder am Kiosk oft nicht so genau auf Echtheit geprüft. "Wenn sich jemand nicht sehr intensiv mit dem Geld beschäftigt, wird er von mancher Fälschung im ersten Augenschein schon überlistet", sagt Elm.

Die zweite Generation der Euro-Banknoten soll die Hürden für Fälscher noch höher legen. Am Donnerstag konnte sich die Öffentlichkeit in Frankfurt erstmals ein Bild vom neuen Fünf-Euro-Schein machen, der ab dem 2. Mai 2013 unters Volk gebracht werden soll: Das neue Wasserzeichen und das Hologrammband am Rand des Scheins tragen das Motiv der griechischen Mythenfigur Europa. Der aufgedruckte Wert ändert seine Farbe von smaragdgrün in ein tiefes Blau, wenn man den Geldschein etwas neigt.

Lackiert länger haltbar

Die spürbarste Veränderung: Der neue Fünfer ist lackiert und deshalb etwas dicker als sein Vorgänger. "Die Erwartung ist auch, dass die neuen Fünfer dank der Speziallackierung länger halten und man damit Kosten spart", erklärte Bundesbank-Experte Elm. Derzeit hat der Fünf-Euro-Schein, der üblicherweise rasch den Besitzer wechselt, eine Lebensdauer von weniger als einem Jahr. Ein 20er hält nach Angaben der Experten knapp zwei Jahre, ein 50er drei bis vier Jahre.

Auch die anderen Euro-Banknoten sollen in den kommenden Jahren überarbeitet in Umlauf kommen - 2014 der 10er, 2015 der 20er, so der Plan. Die alten Noten behalten ihre Gültigkeit. Erhalten bleiben auch die Motive: Bauwerke, die es in Wirklichkeit nicht gibt, stehen auch künftig für Europa - Fantasiearchitektur als klassischer europäischer Kompromiss.

"Es gab auch Diskussionen über ein neues Design der Euro-Banknoten", schildert Bundesbank-Experte Elm. "Aber wir sind relativ schnell zu dem Schluss gekommen, dass wir im Wesentlichen an den bisherigen Motiven festhalten wollen: Das, was sich in den Köpfen der Menschen festgesetzt hat, soll weiter gelten. Das Gesicht des Euro soll erhalten bleiben."

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Quelle: n-tv.de

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