Wirtschaft
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Keine Einigung mit Banken: Conergy ist nächstes Opfer der Solar-Krise

In der deutschen Solarindustrie nimmt die Pleiten-Serie kein Ende. Nun hat es Conergy erwischt. Die Gründe sind nicht neu - zu ihnen gehört der Preisdruck durch die Konkurrenz aus China. Die von der EU verhängten Strafzöllen kommen für Conergy zu spät. Am Ende ist es ein Kreditgeber, der einer Lösung seine Zustimmung verweigert. Der einstige Börsenstar meldet Insolvenz an. Die Anleger reagieren geschockt.

Das seit Jahren mit mit Verlusten kämpfende Solarunternehmen Conergy ist pleite und muss nach zahlreichen erfolglosen Sanierungsversuchen Insolvenz anmelden. Das Unternehmen habe am Freitag beim Amtsgericht Hamburg Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt, teilte das Unternehmen mit. Auch die wesentlichen deutschen Tochtergesellschaften seien diesen Schritt gegangen. Dies gelte auch für die Solarmodulfertigung in Frankfurt an der Oder.

Insgesamt sind rund 800 der über 1100 Mitarbeiter betroffen, wie eine Sprecherin sagte. Finanzkreisen zufolge hatte das Management die Nacht über fieberhaft mit Banken um die Zukunft des Unternehmens gerungen. Eine Einigung scheiterte aber: Einer der zehn an den Gesprächen beteiligten Kreditgeber habe seine Zustimmung verweigert, teilte Conergy mit.

Unter Berufung auf Finanzkreise berichtete Reuters, dass sich EAA quergestellt habe. Die Bad Bank der WestLB habe die Conergy-Kredite aus der Erbmasse der einstigen Düsseldorfer Skandal-Landesbank übernommen - und noch offene Fragen zu dem Konzept gesehen, hieß es in den Kreisen. "Die EAA nimmt dazu nicht Stellung", sagte eine Sprecherin. Die Erste Abwicklungsgesellschaft (EAA) will bis zum Jahr 2027 das WestLB-Erbe vollständig abwickeln.

Offenbar blockierte die Bad Bank EAA eine Lösung

Damit blockierte die EAA laut Reuters bis auf Weiteres auch einen Investor: Kawa aus den USA stand nach Aussage von zwei mit dem Vorgang vertrauten Personen für ein Engagement bei Conergy bereit. Der US-Finanzinvestor Kawa und Conergy wollten sich dazu nicht äußern.

"Als Vorstand werden wir dem jetzt vom Gericht zu bestellenden vorläufigen Insolvenzverwalter nach allen Kräften zur Seite stehen, um möglichst alle Arbeitsplätze zu sichern und den Geschäftsbetrieb weiterzuführen", sagte Conergy-Chef Philip Comberg an. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist dem Unternehmen zufolge Sven-Holger Undritz bestellt worden. Undritz ist Partner bei White & Case. Nach Angaben der Kanzlei hat er bereits über 300 Gesellschaften durch eine Insolvenz geführt.

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Conergy hatte zuletzt auf einen rettenden Investor gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte, wie Reuters am Montag erfahren hatte. Der Name des Investors ist nicht bekannt. Der Investor sei außerdem bereit gewesen, rund 50 Mio. Euro Eigenkapital in Conergy zu stecken. Dafür solle er knapp 30 Prozent der Aktien bekommen, hieß es noch zu Wochenbeginn. Die Banken - ein Konsortium um die Commerzbank - hätten den Kreisen zufolge auf einen Teil der 261,5 Millionen Euro verzichten müssen, die sie Conergy 2011 geliehen haben. Conergy und die Commerzbank hatten sich nicht zu den Informationen äußern wollen. Die Banken hatten schon Ende 2010 einen Schuldenschnitt hinnehmen müssen, um die Pleite abzuwenden.

Firmenwert sinkt auf weniger als ein Zehntel

Das einstige Aushängeschild der deutschen Solarbranche war vor sechs Jahren an der Börse noch 2,2 Mrd. Euro wert gewesen - nun rauschte der Kurs um knapp 70 Prozent ins Minus, ein Anteilsschein war noch rund 11 Cent wert, die ganze Firma keine 20 Mio. Euro mehr.

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Conergy bei 473,5 Mio. Euro Umsatz einen operativen Verlust (Ebit) von 83 Mio. Euro. Der Preisverfall und der teure Ausstieg aus einem Liefervertrag mit der US-Waferproduzenten MEMC hatten dem Konzern die Bilanz verhagelt. Im laufenden Jahr sollte bei 700 Millionen bis 800 Millionen Euro Umsatz wieder ein kleiner operativer Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen zu Buche stehen. Conergy setzt nun darauf, dass im Insolvenzverfahren ein Investor gefunden wird, der den Geschäftsbetrieb weiterführt.

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Die Pleite von Conergy liefert auch für den Solar-Streit zwischen der EU und China neue Munition: Die EU hatte vor wenigen Wochen Strafzölle auf chinesische Solarprodukte verhängt. Nun aber deutet sich in den Gesprächen eine Lösung an.

Aktie fällt ins Bodenlose

Die EU wirft chinesischen Herstellern von Solar-Modulen vor, ihre Produkte unter Marktwert zu verkaufen. Das Dumping werde durch Unterstützung staatlicher und lokaler Stellen ermöglicht. Wegen des hohen Marktwerts der Einfuhren von geschätzt 21 Milliarden Euro pro Jahr ist der Streitfall beispiellos. Anfang Juni wurden temporäre Strafzölle von durchschnittlich 11,8 Prozent verhängt. Wird bis 6. August keine Lösung gefunden, sollen die Strafzölle auf Solarprodukte auf 47,6 Prozent steigen.

Die chinesischen Dumpingpreise werden von den europäischen, vor allem den deutschen Herstellern, als Hauptgrund für die Krise der vergangenen Jahre ins Feld geführt. Denn Conergy ist nur das jüngste Beispiel einer erschreckenden Serie in der deutschen Solarindustrie: Der erst vor wenigen Jahren in das Solargeschäft eingestiegene Bosch-Konzern hatte im Frühjahr überraschend seinen Rückzug aus dem Geschäftsbereich angekündigt. Bosch hatte in der Sparte, die vor allem in Thüringen angesiedelt ist, rund zwei Milliarden Euro versenkt, allein eine Milliarde Euro im vergangenen Jahr. Das Unternehmen Solarworld hatte einen Schuldenberg von mehr als einer Milliarde Euro angehäuft. Eine Umschuldung ist nun angestrebt, die dann den Gläubigern die Macht im Unternehmen geben soll. Und SMA Solar, die überraschend gut durch die vergangenen Krisenjahre gekommen waren, will nach roten Zahlen im Auftaktquartal bis Ende kommenden Jahres 700 Arbeitsplätze streichen.

An der Börse verliert der Titel zweitweise mehr als 70 Prozent. Am Ende geht das Papier mit einem Minus von 67 Prozent auf zwölf Cent aus dem handel.

Quelle: n-tv.de

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