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Reithofer tritt ab: Neuer Chef übernimmt bei BMW das Steuer

Beim Autohersteller BMW steht ein Führungswechsel an. Konzernchef Reithofer übergibt an den bisherige Produktionschef Krüger. n-tv.de Autoexperte Becker lobt Reithofers Amtszeit - und sieht dennoch schwierige Zeiten für den Neuen.

Großes Stühlerücken bei BMW: Nach mehr als acht Jahren wird Vorstandschef Norbert Reithofer den Chefsessel bei den Münchern räumen. Die Nachfolge tritt am 13. Mai 2015 der bisherige Produktionschef Harald Krüger, wie der Konzern mitteile. Reithofer, der dann neuer Aufsichtsratschef werden soll. Zugleich lege dann bisherige Chef-Kontrolleur Joachim Milberg sein Mandat mit Ende der Hauptversammlung nieder. Neuer Entwicklungschef wird der BMW-Manager Klaus Fröhlich. Der bisherige Amtsinhaber Herbert Diess wechselt im nächsten Jahr zu VW.

BMW sprach von einem "Generationswechsel im Vorsitz von Vorstand und Aufsichtsrat". Für n-tv.de-Autoexperte Helmut Becker hat Reithofer in seiner Amtszeit die Erwartungen geschlagen. "Er hat den Konzern in einer sehr angeschlagenen Markt- und Markenpositionierung übernommen und hat daraus die globale Premiummarken schlechthin gemacht, erfolgreich auf allen Wachstumsmärkten China, USA und Europa!"

Becker: Reithofer übergibt "ein wohlbestelltes Haus"

Zudem hinterlasse er für Außenstehende keine ersichtlichen offenen Baustellen. "Er übergibt ein wohlbestelltes Haus, sieht man von dem Experiment mit der i-Baureihe ab." Dort sei der Ausgang noch offen.

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Der designierte Vorstandsvorsitzende Krüger arbeitet seit 1992 für BMW und wurde 2008 in den Vorstand der Münchner berufen. Dort war der 49-Jährige unter anderem für den Bereich Personal und zuletzt für Maschinenbau und Produktion zuständig.

Auf ihnen kommen nun etliche Aufgaben zu: Dazu zählen für Experte Becker das Aufholen von Daimler, neue Wettbewerber wie Jaguar und die Absatzprobleme mit der i-Baureihe. Doch auch der CO2-Debatte in Europa sowie dem generellen Sättigungsproblem auf allen Automärkten mit Ausnahme China werde er sich stellen müssen. "Grob gesprochen: Sich den Wettbewerb vom Hals und auf Distanz zu halten zu halten! Das ist leichter gesagt als getan", sagte Becker weiter.

Die Abwerbung Diess' nannte Becker VW einen Coup. "Diess galt als Einkäufer von BMW in der ganzen Zulieferindustrie als 'scharfer Hund'''. Genau das könne VW-Chef Martin Winterkorn brauchen, um die Kernmarke VW rentabler zu machen.

 

Norbert Reithofer wechselt in den Aufsichtsrat.
Norbert Reithofer wechselt in den Aufsichtsrat.(Foto: picture alliance / dpa)
Reithofer wird Siemens-Aufseher

Der bisherige Chef Reithofer steht seit 2006 an der BMW-Spitze und hat den Konzern seither zu neuen Bestmarken geführt: Im laufenden Jahr will BMW weltweit erstmals mehr als zwei Millionen Autos verkaufen. Sein Vertrag sollte eigentlich noch bis zum Jahr 2016 laufen. Seit Wochen wird aber über sein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Vorstand spekuliert. Vor wenigen Wochen war bekanntgeworden, dass er im kommenden Jahr in den Aufsichtsrat des Siemens-Konzerns einziehen will. Bei der Hauptversammlung am 27. Januar soll der Manager zur Wahl vorgeschlagen werden.

Das ist der Neue: Harald Krüger.
Das ist der Neue: Harald Krüger.(Foto: dpa)

Zuletzt hatte BMW das beste dritte Quartal der Unternehmensgeschichte durchlebt. Die Absatzzahlen schnellten in die Höhe, vor allem dank der Verkäufe des Geländewagens X5 und des Mini. 510.000 Autos verkauften die Münchener von Juni bis September - knapp sechs Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Während der Umsatz im dritten Quartal zulegte, schrumpfte aber der Gewinn um 1,2 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro.

Auf dem US-Automarkt hatte BMW dann im November ein wenig geschwächelt. Ein starkes Plus bei der Marke Mini konnte das Minus bei der Kernmarke BMW nicht wettmachen, wie vergangene Woche bekannt geworden war.

Dazu kommt die weiterhin schwierige Lage auf dem Heimatkontinent. Dort kämpfen die Hersteller mit teils harten Bandagen um die wenigen Neukunden - und räumen dabei nach wie vor Rabatte ein. Insgesamt verschob sich der Modellmix bei BMW im Sommer etwa durch den Anlauf des neuen Mini aber hin zu kleineren Autos. Diese werden immer wichtiger, denn sie helfen BMW dabei, die CO2-Auflagen in der Europäischen Union einzuhalten - spülen aber weniger Gewinn in die Kassen.

Quelle: n-tv.de

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