Wirtschaft
Interne Studien von Exxon bewiesen schon in den 70er-Jahren, dass die Verbrennung von Öl dem Klima schadet.
Interne Studien von Exxon bewiesen schon in den 70er-Jahren, dass die Verbrennung von Öl dem Klima schadet.(Foto: REUTERS)

Beweise für Klimawandel verheimlicht?: New York ermittelt gegen ExxonMobil

Berichten zufolge hat der Ölkonzern ExxonMobil seit Jahrzehnten Hinweise auf die klimaschädliche Wirkung fossiler Brennstoffe - behauptet aber in der Öffentlichkeit das Gegenteil. Die New Yorker Justiz prüft nun interne Unterlagen des Konzerns.

Der US-Bundesstaat New York hat Ermittlungen gegen den Öl-Giganten ExxonMobil eingeleitet. Der Konzern aus Texas wird verdächtigt, die Öffentlichkeit und seine Aktionäre über Jahrzehnte hinweg hinsichtlich der Auswirkungen von fossilen Brennstoffen auf das Klima belogen zu haben, wie die AFP aus dem Umfeld des zuständigen New Yorker Justizministers Eric Schneiderman erfuhr. Der Minister fordert von ExxonMobil demnach eine Reihe von Dokumenten, die Einblick in die Klimaforschung des Unternehmens und seine damit zusammenhängende Werbestrategie seit 1977 geben sollen.

Demnach gelte es herauszufinden, ob ExxonMobil gezielt Studien finanziert hat, die den Klimawandel infrage stellen, und zugleich Öffentlichkeit und Anlegern solche Studien vorenthielt, die auf die schädliche Wirkung fossiler Brennstoffe hinweisen. Der Minister fordert den Informationen zufolge den Konzern nun auf, ihm eine Liste von Umwelt-Verbänden und Nicht-Regierungsorganisationen zur Verfügung zu stellen, die durch den Konzern finanziert wurden.

Außerdem soll ExxonMobil interne Studien über die Auswirkungen fossiler Brennstoffe auf das Klima sowie über die damit verbundenen finanzielle Risiken offenlegen. Seinem Umfeld zufolge soll Schneiderman Zweifel an der Übereinstimmung von ExxonMobils offizieller Haltung zum Thema und den unternehmensinternen Daten haben. Der Justizminister verdächtigt den Konzern daher, die Auswirkungen seines Geschäftes auf das Klima bewusst heruntergespielt zu haben.

"Revolutionäre Ermittlungen"

Die Vorladung durch New Yorks Justizminister folgt auf gemeinsame Berichte der Website "Inside Climate News" und der "Los Angeles Times", denen zufolge für ExxonMobil arbeitende Wissenschaftler das Unternehmen bereits in den 1970er Jahren auf den Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und dem Einsatz fossiler Brennstoffe hingewiesen hatten. Anstatt jedoch auf die Erkenntnisse seiner Forscher einzugehen, habe sich das laut dem Wirtschaftsmagazin "Forbes" zweitgrößte Unternehmen der USA federführend gegen internationale Abkommen zur Eindämmung des Klimawandels, etwa das Kyoto-Protokoll, gewendet.

ExxonMobil teilte mit, die Vorwürfe würden "entschieden" zurückgewiesen. Die Medienberichte verzerrten "40 Jahre Klimaforschung", die das Unternehmen gemeinsam mit Behörden und Nicht-Regierungsorganisationen geführt habe. ExxonMobil habe beim Klimawandel "die gleichen Sorgen wie alle anderen auch". Unternehmenssprecher Ken Cohen sagte zudem, das Unternehmen habe sich damals lediglich gegen das Kyoto-Protokoll gestemmt, da "wir damals dachten, es bedürfe weiterer Forschung um einen Vorgang zu unterstützen, der den USA geschadet hätte".

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßte die Ermittlungen gegen den Öl-Giganten als "revolutionär". Die Verweigerungshaltung eines so bedeutenden Unternehmens beim Thema Klimawandel sei etwas, "dass uns alle angeht", teilte Greenpeace mit. Derzeit ist laut Schneidermans Umfeld allerdings nicht sicher, ob sich aus den Ermittlungen auch eine Anklage oder gar ein Prozess ergeben wird. Wie in den USA oftmals üblich sei auch eine außergerichtliche Einigung vorstellbar.

Quelle: n-tv.de

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