Wirtschaft
Viele Ratschläge sind heiße Luft: Nicht jedes Wort glauben.
Viele Ratschläge sind heiße Luft: Nicht jedes Wort glauben.(Foto: REUTERS)

Erfolgreich in Krisenzeiten: Nicht Worte, sondern Fakten zählen

Ein Gastbeitrag von Uwe Günther

Flüchtlingskrise, China-Crash und Minuszinsen - alles nicht so schlimm, sagen Politiker, Notenbanker und institutionelle Investoren. Doch entscheidend sind die Fakten.

Seit knapp einem Jahr fallen die Kurse an den internationalen Aktienmärkten. Trotz der jüngsten Aufwärtskorrektur notiert der Dax rund 20 Prozent tiefer als vor zwölf Monaten. Trotzdem passen die meisten Finanzexperten ihre Empfehlungen nicht an und raten weiter zu Aktien als alternativloser Kapitalanlage. Doch diese Ratschläge passen nicht zur Realität. Es ist Zeit für einen Faktencheck.

Uwe Günther ist Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer der "BPM - Berlin Portfolio Management GmbH".
Uwe Günther ist Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer der "BPM - Berlin Portfolio Management GmbH".

Wenn man überprüft, ob Worte und Handlungen zusammenpassen, steht eine Frage am Anfang: "Wer ist wohl am besten über die aktuelle Lage in der Wirtschaft und Politik informiert? Wo laufen alle globalen Informationsfäden zusammen?" Die Antwort liegt auf der Hand: Bei den Regierungen und Notenbanken dieser Welt sowie bei global operierenden Kreditinstituten sowie institutionellen Großinvestoren. Vor allem bei diesen "Meinungsführern" sollten Anleger genau hinsehen, in wie weit verbale Äußerungen und konkrete Maßnahmen übereinstimmen oder ob es vielleicht doch den einen oder anderen Widerspruch gibt. Das eröffnet interessante und möglicherweise neue Einsichten. Einige Beispiele:

  1. Regierungen und Notenbanken werden nicht müde, die Stabilität sowie die -  zumindest relative - Gesundheit ihrer Papiergeld-Währungen und Wirtschaftsräume öffentlich zu betonen. Künftige Wachstumsraten werden derzeit, wenn überhaupt, nur in homöopathischen Dosen angepasst. Gleichzeitig erwerben aber dieselben Akteure unglaubliche Volumina physischen Goldes als Währung der letzten Instanz. Das gilt insbesondere für Russland und China. Alleine die russische und chinesische Zentralbank haben 2015 zusammen rund 400 Tonnen Gold gekauft. Das entspricht rund zwölf Prozent der Förderung aller Minengesellschaften der Welt. Ist das vielleicht ein Hinweis darauf, dass die chinesische Wirtschaft doch auf eine Bruchlandung hinsteuert? Obwohl die chinesische Industrieproduktion auf das niedrigste Niveau seit der Finanzkrise gefallen und der Außenhandel zuletzt eingebrochen ist, hält Peking am offiziellen Wachstumsziel von 6,5 bis sieben Prozent fest. Die massiven Goldkäufe lassen an dieser Einschätzung zweifeln.
  2. Chart
    Verbände von Sparkassen, Volksbanken und Pensionskassen betonen weiterhin ihre Stabilität und die Beherrschbarkeit der aktuellen Herausforderungen. Die Spareinlagen seien natürlich weiterhin sicher und trotz des zinslosen Umfelds auf den Spar- und Girokonten "wirklich gut aufgehoben". Gleichzeitig aber erwägt zum Beispiel der bayrische Sparkassenverband, massiv Bargeld von den Konten der EZB abzuziehen und im eigenen Tresor, frei von Minuszinsen, zu lagern. Die Munich Re macht das bereits. Schon 2015 wurde Schweizer Pensionskassen, die den gleichen Weg gehen wollten, die Auszahlung ihres Bargeldes verweigert.
  3. Obwohl die Unternehmensgewinne einbrechen und die Firmen unter Schuldenbergen leiden, empfehlen die Privatkunden-Berater vieler Kreditinstitute weiter zum Kauf von Aktien. Umgekehrt werden Anleger von Verkäufen mit fadenscheinigen Argumenten abgehalten. Die gängigen Argumente lauten, dass strategische Veränderungen völlig fehl am Platze seien, dass "wieder steigt, was fällt" oder gerade jetzt die "starken Hände cool" bleiben, wozu man den jeweilige Kunden natürlich zähle. Gleichzeitig haben in den vergangenen Tagen Häuser wie JP Morgan, die UBS oder die Deutsche Bank ihre Großkunden wieder sehr eindeutig vor verschiedenen Aktienmarktrisiken gewarnt, zu verstärktem Risikoabbau geraten und die bankeigenen Anlagen dementsprechend angepasst.

Anleger sollten mehr auf die Finger als auf den Mund der marktbestimmenden Akteure in Politik und Wirtschaft schauen. Der Kauf von Edelmetall, der Aufbau eines jederzeit verfügbaren Bargeldbestandes und auch der Abbau von risikoreicheren Anlagen wie Aktien haben sich bereits seit Monaten ausgezahlt. Entsprechende Umschichtungen haben sich im Krisenumfeld als ausgesprochen erfolgreich erwiesen.

Disclaimer

Diese Publikation dient nur zu Informationszwecken und zur Nutzung durch den Empfänger. Sie stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung seitens oder im Auftrag der BPM - Berlin Portfolio Management GmbH zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Investmentfonds dar. Die in der vorliegenden Publikation enthaltenen Informationen wurden aus Quellen zusammengetragen, die als zuverlässig gelten. Die BPM - Berlin Portfolio Management GmbH gibt jedoch keine Gewähr hinsichtlich deren Zuverlässigkeit und Vollständigkeit und lehnt jede Haftung für Verluste ab, die sich aus der Verwendung dieser Information ergeben. www.berlin-pm.com

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen