Wirtschaft
Gewann 2013 den Wirtschaftsnobelpreis: Robert Shiller.
Gewann 2013 den Wirtschaftsnobelpreis: Robert Shiller.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Griechenland droht die Pleite: Nobelpreisträger empfiehlt Paartherapie

Von Jan Gänger

Angesichts des Gezerres um Griechenland-Hilfen könne der Eurozone womöglich nur noch ein Therapeut helfen, sagt Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller. Eine Scheidung hält er für keine gute Idee.

Wie kann man die Griechenland-Krise beenden? Robert Shiller seufzt. "Das Leben als Nobelpreisträger ist manchmal ziemlich schwer", sagt der Ökonom. Immer wieder werde er nach einer Lösung für komplizierte Probleme gefragt. "Aber so schlau bin ich wirklich nicht", ergänzt Shiller und hat dann doch einen Rat: Die Eurozone sei mittlerweile so tief zerstritten, dass womöglich nur noch eine Paartherapie helfe.

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Der psychologische Aspekt der Krise komme tatsächlich viel zu kurz, sagt Shiller bei der Vorstellung der Neuauflage seines Buches "Irrationaler Überschwang" in Berlin. Die gegenseitigen Schuldzuweisungen erinnern ihn an die Erfahrungen seiner Frau, die als Psychologin auch zerstrittene Eheleute berate. "Dieses ständige 'Er hat gesagt…', 'Sie hat aber gesagt...'", stöhnt der Ökonom.

Eine vergleichbare Rolle spiele die Psychologie derzeit am Anleihemarkt, so Shiller. Die außerordentlich niedrigen Zinsen seien nicht nur die Folge lockerer Geldpolitik der Notenbanken als Reaktion auf die Krise, sondern auch Ausdruck großer Verunsicherung vieler Menschen: Angesichts einer ungewissen Zukunft geben sie weniger Geld aus und sparen lieber – und tragen damit zu den niedrigen Zinsen bei.

Die weit verbreitete Zukunftsangst habe nicht nur mit der Krise zu tun, werde aber durch sie verstärkt. "Früher hieß es: Mein Vater ist Taxifahrer, also werde auch ich Taxifahrer. Heute weiß niemand, ob es morgen Taxis überhaupt noch gibt", sagt Shiller.

Halten sich die Bürger beim Geldausgeben zurück, müsse der Staat einspringen, fordert der Ökonom. Doch statt zu investieren, spare auch der. "Dabei ist das Geld derzeit billig. Jetzt ist die Zeit für Regierungen, zu investieren." Wenn niemand Geld ausgebe, könne kein Unternehmen gedeihen. "Wieso investiert die Bundesregierung nicht kräftig in Infrastruktur, Forschung und Bildung?", fragt Shiller. Weil dort Schuldenbremse und schwarze Null als Ausdruck ökonomischer Vernunft gelten, antwortet einer der anwesenden Journalisten. Das irritiert den Nobelpreisträger merklich, er hält das offensichtlich für absurd.

Ist die Scheidung ein Ausweg?

Die deutlichste Kritik geht nicht in Richtung Regierungen, sondern in Richtung Medien. Zuspitzungen und Emotionalisierungen würden zwar Auflage und Reichweite steigern, sagt Shiller. Doch durch diese Art der Berichterstattung verstärke die Presse die Spannungen in der Eurozone und sorge damit, dass das Vertrauen in die Zukunft weiter schwinde. Es sei unheimlich schwierig, verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen, sagt Shiller und fragt: "Was kann man machen, wenn eine Ehefrau ihrem Ehemann nicht mehr vertraut?"

Vielleicht die Scheidung einreichen? Das hält Shiller mit Blick auf die Eurozone für keine gute Idee. "Ich bin seit 38 Jahren verheiratet. Ich mag die Idee nicht", sagt Shiller. "Mein Instinkt sagt mir, dass Griechenland in der Eurozone bleiben sollte."

Ein Grexit hätte nicht nur ökonomische, sondern auch psychologische Konsequenzen. Mit anderen Worten: Niemand weiß, wie hässlich die Scheidung würde.

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Quelle: n-tv.de

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