Wirtschaft

Erst mal gucken, dann anfassenNoch kein Zinsschritt erwartet

09.01.2013, 12:09 Uhr
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Mario Draghi: Der oberste EZB-Währungshüter hält sich alle Optionen offen. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Spannung wächst: Wann werden die Währungshüter der EZB im Kampf gegen die schwache Wirtschaft in der Währungsunion wieder nach der Zinsschraube greifen? Viele Investoren spekulieren bereits auf eine weitere Zinssenkung. Aber noch hat die Stunde nicht geschlagen.

Trotz der Wirtschaftsmisere in der Eurozone wird die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins wohl vorerst nicht kappen. In einer Umfrage unter 73 Volkswirten prognostizieren fast alle Experten, dass die Währungshüter den Schlüsselzins an diesem Donnerstag auf dem historischen Tiefstwert von 0,75 Prozent belassen werden.

Die Spannung wächst

Eine knappe Mehrheit geht zudem davon aus, dass auch in den nächsten Monaten Ruhe an der Zinsfront herrschen wird und eine Senkung erst bis zum Ende des ersten Halbjahres anstehen dürfte. Nichtsdestotrotz heizen die nach unten korrigierten Prognosen für Inflation und Wachstum im Euroraum die Spekulationen auf eine weitere Zinssenkung an.

Die Wirtschaftsleistung der Eurozone steckt seit vorigem Jahr in der Rezession. Im Sommer 2012 verringerte sie sich zum Vorquartal um 0,1 Prozent. Die Daten zum vierten Quartal werden erst am 14. Februar veröffentlicht - also eine Woche nach der zweiten Zinssitzung der EZB in diesem Jahr. Unterschiedliche Signale von führenden EZB-Notenbankern lassen die Ökonomen über den weiteren EZB-Kurs rätseln: "Der EZB-Rat ist uneins, der Ausblick ist unsicher", meint Ökonom Alan Clarke von der Scotiabank.

Das stumpfe Schwert der EZB

Im Dezember hatte das geldpolitische Entscheidungsgremium bereits eine Senkung erörtert, die Idee dann aber verworfen. Laut Ratsmitglied Jozef Makuch war die Debatte "sehr ernsthaft". Der jüngst ins Direktorium aufgerückte Luxemburger Yves Mersch dämpfte jedoch Erwartungen, dass nun bald eine geldpolitische Lockerung ansteht.

Sein deutscher Kollege Jörg Asmussen betonte zudem, dass der Leitzins als eigentlich schärfstes Schwert der Notenbank stumpf geworden sei. Die Übertragung zinspolitischer Signale funktioniert einfach nicht mehr richtig. Wenn die EZB die Zinsen senkt, führt das nicht überall zu niedrigeren Kreditzinsen. Warum sollte der EZB-Rat unter diesen Umständen also die Zinsen also senken?

Das Gespenst der negativen Leitzinsen

Experten befürchten, dass eine Zinssenkung entweder zu negativen Einlagenzinsen oder zu einer weiteren Einengung des EZB-Zinskorridors führen könnte. Vor allem negative Einlagenzinsen hätten Nebenwirkungen, die die EZB wohl gerne vermeiden würde.

Auch wenn ein Zinsschritt aus diesem Grund unwahrscheinlich ist, dürfte der EZB-Rat - genau wie Anfang Dezember – wieder intensiv über den Nutzen einer weiteren Leitzinssenkung diskutieren. Hat sich EZB-Präsident Mario Draghi bei der Dezember-Sitzung doch alle Optionen offen gehalten, als er auf die Frage nach möglichen Leitzinssenkungen sagte, es habe eine "breite Diskussion" gegeben. Und so rechnen einige Beobachter unverdrossen und vor allem wegen der nach unten korrigierten Wachstumsprognose für 2013, die eine "Rezessionsprognose" ist, tatsächlich mit einer Leitzinssenkung für das erste Quartal.

Quelle: ntv.de, ddi/rts/DJ