Wirtschaft

Aktie nur noch RamschNokia-Mitarbeiter hoffen auf Berlin

15.06.2012, 17:35 Uhr
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Das Aus für Ulm hat die Mitarbeiter schockiert. (Foto: dpa)

Die Nachricht, dass ihr Standort in gut drei Monaten geschlossen wird, war für die 730 Nokia-Mitarbeiter in Ulm ein Schock. Jetzt hoffen sie auf Unterstützung aus der Politik. Nokia wurde indessen von einer Rating-Agentur auf Ramschniveau herabgestuft.

Die 730 Nokia-Beschäftigten

in Ulm wollen die Schließung ihres Standorts nicht kampflos hinnehmen. Betriebsratschef

Heiner Mosbacher sagte, er hoffe, dass sich die Politik einschalten werde. Der Standort

für Forschung und Entwicklung soll nach Angaben des kriselnden Unternehmens Ende

September 2012 schließen.

Die Ankündigung habe die

Beschäftigten völlig überrascht, sagte Mosbacher. "Ulm ist ein sehr motivierter

und leistungsfähiger Standort." Die Entscheidung sei auch völlig unverständlich,

weil es in den vergangenen eineinhalb Jahren 250 Neueinstellungen in Ulm gegeben

habe. Von Nokia gebe es bislang kein Angebot, die betroffenen Mitarbeiter an anderen

Stellen im Konzern weiter zu beschäftigen.

Nokia hatte am Donnerstag

den Abbau von weltweit 10 000 Arbeitsplätzen bis Ende 2013 angekündigt - das ist

jeder fünfte Job im Mobilfunkbereich. Der einstige Handy-Weltmarktführer will sich

auf Kernbereiche wie Smartphones der Marke Lumia, digitale Fotografie und mobile

Navigation konzentrieren.

Moody's verleiht Ramschstatus

Die Rating-Agentur Moody's

stufte Nokia nach Vorstellung des Sanierungsplans auf Ramsch-Niveau zurück. Die

Ankündigungen offenbarten einen stärkeren Druck auf die Ergebnisse und höhere Kosten

als bisher angenommen, erklärte Nokia-Experte Wolfgang Draack. Deswegen

wurde das Rating auf "Ba1" gesenkt. Angesichts der Bewertung muss das

Unternehmen nun damit rechnen, dass es Kredite künftig nur noch gegen spürbar höhere

Zinsen erhält. Moody's erwartet eine weitere Umstrukturierung, wenn sich die Umsatzentwicklung

nicht bald stabilisiert.

Ein Termin für Verhandlungen

zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung über die Abwicklung des Standorts stehe

noch nicht fest, sagte Betriebsratschef Mosbacher. In Ulm arbeiten vorwiegend Ingenieure.

Die Beschäftigten sind im Durchschnitt 38 Jahre alt und gehören 38 Nationalitäten

an. Der Betriebsrat kann sich vorstellen, dass eventuell ein Investor den Standort

übernimmt.

Gewerkschaftsfunktionärin

Petra Wassermann von der IG Metall verwies darauf, dass der Arbeitsmarkt in Ulm

in den vergangenen Wochen einige Rückschläge verkraften musste - beispielsweise

die Pleite der Drogeriekette Schlecker, den Arbeitsplatzabbau bei EvoBus und die

geplante Verlagerung der Lastwagenproduktion bei der Fiat-Tochter Iveco Magirus.

Deutschland bleibe für Nokia

ein wichtiger Standort, hatte Konzernchef Stephen Elop am Donnerstag betont. Er

hob vor allem das Zentrum für ortsbezogene Dienste in Berlin hervor. In Ulm aber

arbeiteten die Mitarbeiter an Projekten, die Nokia nicht mehr fortführen werde.

Quelle: ntv.de, dpa