Aktie nur noch RamschNokia-Mitarbeiter hoffen auf Berlin

Die Nachricht, dass ihr Standort in gut drei Monaten geschlossen wird, war für die 730 Nokia-Mitarbeiter in Ulm ein Schock. Jetzt hoffen sie auf Unterstützung aus der Politik. Nokia wurde indessen von einer Rating-Agentur auf Ramschniveau herabgestuft.
Die 730 Nokia-Beschäftigten
in Ulm wollen die Schließung ihres Standorts nicht kampflos hinnehmen. Betriebsratschef
Heiner Mosbacher sagte, er hoffe, dass sich die Politik einschalten werde. Der Standort
für Forschung und Entwicklung soll nach Angaben des kriselnden Unternehmens Ende
September 2012 schließen.
Die Ankündigung habe die
Beschäftigten völlig überrascht, sagte Mosbacher. "Ulm ist ein sehr motivierter
und leistungsfähiger Standort." Die Entscheidung sei auch völlig unverständlich,
weil es in den vergangenen eineinhalb Jahren 250 Neueinstellungen in Ulm gegeben
habe. Von Nokia gebe es bislang kein Angebot, die betroffenen Mitarbeiter an anderen
Stellen im Konzern weiter zu beschäftigen.
Nokia hatte am Donnerstag
den Abbau von weltweit 10 000 Arbeitsplätzen bis Ende 2013 angekündigt - das ist
jeder fünfte Job im Mobilfunkbereich. Der einstige Handy-Weltmarktführer will sich
auf Kernbereiche wie Smartphones der Marke Lumia, digitale Fotografie und mobile
Navigation konzentrieren.
Moody's verleiht Ramschstatus
Die Rating-Agentur Moody's
stufte Nokia nach Vorstellung des Sanierungsplans auf Ramsch-Niveau zurück. Die
Ankündigungen offenbarten einen stärkeren Druck auf die Ergebnisse und höhere Kosten
als bisher angenommen, erklärte Nokia-Experte Wolfgang Draack. Deswegen
wurde das Rating auf "Ba1" gesenkt. Angesichts der Bewertung muss das
Unternehmen nun damit rechnen, dass es Kredite künftig nur noch gegen spürbar höhere
Zinsen erhält. Moody's erwartet eine weitere Umstrukturierung, wenn sich die Umsatzentwicklung
nicht bald stabilisiert.
Ein Termin für Verhandlungen
zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung über die Abwicklung des Standorts stehe
noch nicht fest, sagte Betriebsratschef Mosbacher. In Ulm arbeiten vorwiegend Ingenieure.
Die Beschäftigten sind im Durchschnitt 38 Jahre alt und gehören 38 Nationalitäten
an. Der Betriebsrat kann sich vorstellen, dass eventuell ein Investor den Standort
übernimmt.
Gewerkschaftsfunktionärin
Petra Wassermann von der IG Metall verwies darauf, dass der Arbeitsmarkt in Ulm
in den vergangenen Wochen einige Rückschläge verkraften musste - beispielsweise
die Pleite der Drogeriekette Schlecker, den Arbeitsplatzabbau bei EvoBus und die
geplante Verlagerung der Lastwagenproduktion bei der Fiat-Tochter Iveco Magirus.
Deutschland bleibe für Nokia
ein wichtiger Standort, hatte Konzernchef Stephen Elop am Donnerstag betont. Er
hob vor allem das Zentrum für ortsbezogene Dienste in Berlin hervor. In Ulm aber
arbeiteten die Mitarbeiter an Projekten, die Nokia nicht mehr fortführen werde.