Wirtschaft
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un umgeben von Militärs, die eifrig Notizen machen.
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un umgeben von Militärs, die eifrig Notizen machen.(Foto: REUTERS)

"Würde mein ganzes Geld reinstecken": Nordkorea reizt furchtlose Investoren

Von Jan Gänger

Investitionen in ein totalitär regiertes Land sind nicht jedermanns Sache. Schon gar nicht, wenn es sich um Nordkorea handelt. Doch es gibt Investoren, die sehen das völlig anders.

Das Jahr hat kaum begonnen, schon sorgt Nordkorea erneut für Schlagzeilen: Das Regime feiert sich nach einem Atomwaffentest und behauptet, eine Wasserstoffbombe gezündet zu haben. Die USA denken laut darüber nach, einen Flugzeugträger in die Region zu entsenden. Das hält einen – vorsichtig ausgedrückt - unerschrockenen Hedgefondsmanager nicht davon ab, in dem Land trotzdem eine regelrechte Goldgrube zu sehen.

"Das ist ein Land mit 25 Millionen Einwohnern – jung, hochdiszipliniert, gebildet – und einem starken militärisch-industriellen Komplex", sagte Jim Passin der "New York Times". Wer frühzeitig in dem Land investiere, könne davon massiv profitieren. Nach Einschätzung des Hedgefondsmanagers sitzt das Land auf Ölvorkommen in Höhe von einer Milliarde Barrel Öl.

Die Risiken, stattdessen Geld zu versenken, sind offenkundig: Nordkorea ist ein totalitärer Staat, der von China am Leben gehalten wird. Die Vereinten Nationen haben Sanktionen verhängt. Das Regime droht seinem Nachbarn Südkorea immer wieder mit Krieg. Und dazu kommt noch die moralische Seite: Eine Untersuchungskommission wirft dem Regime beispiellose Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.

Passin ist nicht irgendjemand. Er hat in Somalia nach Öl gesucht und Nauru, eine Inselrepublik im Südpazifik, auf 24 Millionen Dollar verklagt – das ist ein Sechstel des Bruttoinlandsprodukts des Mini-Staats. Er mischte den Aktienmarkt in der Mongolei auf. Oder wie es Passin ausdrückt: "Ich sehe Möglichkeiten, wenn andere Leute Angst haben."

"Bin ganz aufgeregt"

Der berühmt-berüchtigte Manager ist nicht der einzige Investor, der in Richtung Nordkorea schielt. "Ich bin ganz aufgeregt. Wenn ich könnte, würde ich mein ganzes Geld in Nordkorea stecken", sagte Jim Rogers im vergangenen September dem US-Sender "CNN". Rogers hatte mit der Investoren-Legende George Soros den Hegefonds "Quantum Funds" gegründet – und vergleicht das heutige Nordkorea mit dem China der 1980er-Jahre.

"Als Mao tot war, hat Deng Xiaoping massive Veränderungen gemacht. In Nordkorea machen sie derzeit auch massive Veränderungen", meinte Rogers und sagte mit Blick auf Machthaber Kim Jong Un: "Der Knabe sorgt für erstaunliche Veränderungen."

Dabei ist es rein praktisch nahezu unmöglich, Geld in Nordkorea zu stecken. Das Experiment Kaesong zeigt, wie heikel, riskant und moralisch umstritten die wenigen Investitionen sind. In dieser Sonderwirtschaftszone arbeiten Nordkoreaner für südkoreanische Firmen – für äußerst geringe Löhne. Vor dem Hintergrund politischer Spannungen wurde die Zone im Jahre 2013 vorübergehend vom Regime geschlossen, die dort produzierenden Firmen erlitten Verluste in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar.

Zudem ist es sehr schwierig, an verlässliche Informationen aus dem abgeschotteten Land zu kommen. Fest steht: Die wirtschaftliche, politische und soziale Lage ist desaströs. Wie es um das Land bestellt ist, zeigt ein Bild. Es ist eine Aufnahme, die von der Internationalen Raumstation gemacht wurde, als sie vor etwa einem Jahr bei Nacht über Ostasien hinwegflog. China und Südkorea sind hell erleuchtet – Nordkorea ist stockdunkel.

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Quelle: n-tv.de

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