Wirtschaft
Die Börsen Nyse Euronext und Ice wollen fusionieren.
Die Börsen Nyse Euronext und Ice wollen fusionieren.(Foto: picture alliance / dpa)

Mega-Deal - ohne Deutsche Börse: Nyse wird geschluckt

Der Börsenbetreiber Nyse Euronext und die US-Derivate-Börse Ice wollen laut Medienberichten ihre Geschäfte zusammenlegen. Offenbar wird die geplante Fusion aber keine Hochzeit unter Gleichen: Ice will die Nyse, die auch den Handel an der New Yorker Wall Street betreibt, schlucken.

Die Hochzeit mit der Deutschen Börse fällt aus, jetzt tut sich die New Yorker Nyse Euronext mit der einheimischen Derivatebörse IntercontinentalExchange (ICE) zusammen. ICE machte eine 8,2 Mrd. Dollar schwere Offerte für das Traditionshaus an der Wall Street publik und bestätigte damit Informationen aus Kreisen. Mit der Übernahme entstünde der drittgrößte Börsenbetreiber der Welt mit einer Marktkapitalisierung von rund 15 Mrd. Dollar. Nach Einschätzung von Branchenkennern stehen die Zeichen günstig, dass die Wettbewerbshüter grünes Licht geben. ICE-Chef Jeffrey Sprecher sagte, das Vorhaben sei bei Kartellbehörden "gut aufgenommen worden". Gleich mehrere Konsolidierungsanläufe der Branche in den vergangenen Jahren waren wegen strenger Auflagen spektakulär gescheitert.

"Unsere Transaktion ist die Antwort darauf, wie sich die Branche entwickelt und bietet sehr viele Wachstumsmöglichkeiten", erklärte der ICE-Chef. "Wir sind überzeugt, dass sich das fusionierte Unternehmen im Wettbewerb besser behaupten und den Kunden mit einem breiten Angebot besser dienen kann."

Während die Nyse den Großteil ihres Geschäfts im US-Aktienhandel macht, wo die Margen zunehmend unter Druck geraten, ist die erst im Jahr 2000 von Banken und Energiefirmen gegründete ICE auf den Handel von Optionen und Futures spezialisiert und seit längerem auf Wachstumskurs. Mit der Übernahme der Nyse schließt die ICE zur Konkurrentin CME  auf, der Nummer zwei in der Welt nach der Hongkonger Börse . Dabei spielt die Londoner Nyse-Tochter Liffe eine große Rolle: Denn zusammen mit der Deutsche-Börse-Sparte Eurex kontrolliert sie rund 90 Prozent des Derivate-Geschäfts an europäischen Börsen. "ICE will vor allem Liffe, das Kronjuwel der Nyse Euronext", sagte Peter Lenardos, Analyst bei RBC Capital Markets.

Marke Nyse soll erhalten bleiben

ICE stemmt die Übernahme in bar und Aktien. Nach der Transaktion sollen die Aktionäre der Nyse Euronext rund 36 Prozent an der ICE halten. Die Traditionsmarke Nyse soll erhalten werden, ebenso die beiden Standorte in Atlanta und New York. Allerdings wird über die Abspaltung der Euronext in Form eines Börsengang nachgedacht, wie die ICE erklärte. ICE-Chef Sprecher wird auch das fusionierte Unternehmen führen, an seiner Seite steht Nyse-Chef Duncan Niederauer als Präsident.

Börsianer bejubelten die Nachrichten: Die Nyse-Aktie legte in New York rund ein Drittel zu, ICE drei Prozent. Zum Handelsschluss am Mittwoch hatte die Nyse 5,8 Mrd. Dollar Marktwert.

Deutsche Börse außen vor

Die von der Deutschen Börse angeschobene Mega-Fusion mit der Nyse war im Februar am Veto der EU-Kommission gescheitert. Diese befürchtete ein Monopol im Börsenhandel mit europäischen Finanzderivaten. Der Frankfurter Börsenbetreiber wird nun abgehängt. Er hat nach dem Rückschlag die Lust auf große Übernahmen verloren und will sich stattdessen auf internationale Partnerschaften und Kooperationen fokussieren, wie Vorstandschef Reto Francioni im Frühjahr angekündigt hatte. In Unternehmenskreisen hieß es nun, dabei bleibe es auch. Ein Durchkreuzen der Fusionspläne von ICE und Nyse stehe nicht auf der Agenda.

Dennoch konnte am Donnerstag auch die Deutsche-Börse-Aktie profitieren: Sie legte leicht zu.      

Kaum Überlappungen

Anders als vor fast zwei Jahren, als ICE die Nyse im Schulterschluss mit der Nasdaq mit einer feindlichen Übernahme für 11 Mrd. Dollar übernehmen wollte, ist die Marktkonzentration dieses Mal nicht ganz so groß. Die US-Behörden hatten damals befürchtet, dass fast alle US-Aktien unter einem Dach gehandelt würden.

Das wäre jetzt kein Thema. "Ich kann auf den ersten Blick nichts an Überlappungen erkennen, was kartellrechtlich Probleme machen sollte", schrieb UBS-Analyst Alex Kramm in einem Kurzkommentar.

Quelle: n-tv.de

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