Wirtschaft
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Nummer drei und vier planen Zusammenschluss: O2 greift nach E-Plus

Die beiden kleinsten Anbieter auf dem deutschen Mobilfunkmarkt planen offenbar einen Zusammenschluss. Der niederländische Telekomkonzern KPN verhandelt mit der spanischen Telefónica über einen Verkauf der deutschen KPN-Tochter E-Plus. So ließen sich die Lücke zu den Platzhirschen schließen und Milliarden sparen.

Auf dem deutschen Mobilfunkmarkt bahnt sich eine Mega-Fusion an: E-Plus und Telefonica verhandeln über ein Zusammengehen. Die beiden Firmen - derzeit Nummer drei und vier - könnten durch die Ehe zu den Platzhirschen Telekom und Vodafone aufschließen. Zudem sparte der Zusammenschluss der Handy-Netze Milliarden. Der deutsche Mobilfunkanbieter O2 ist eine Telefonica-Tochter.

Telefonica Deutschland aus München erklärte, sie führe Gespräche über einen Kauf der KPN-Tochter E-Plus. Auch die beiden Mutterkonzerne, KPN aus den Niederlanden und Telefonica aus Spanien, bestätigten Gespräche über die Deutschland-Töchter. Der Ausgang sei aber ungewiss. Eine mit der Transaktion vertraute Person sagte zu Reuters, dass die Spitzen noch zu Wochenbeginn zusammenkommen wollen, um über die Fusion zu beraten und abzustimmen. Der Deal habe ein Volumen von fünf Milliarden Euro.

Kapitalerhöhung nicht ausgeschlossen

Der spanische Telekomkonzern Telefonica will an seiner deutschen Tochter auch nach einem möglichen Kauf der KPN-Tochter E-Plus noch mehr als 60 Prozent halten, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person dem Wall Street Journal Deutschland. Andere Informanten erklärten, Telefonica wolle einen Teil des Kaufpreises für E-Plus in Aktien der deutschen Tochter Telefonica Deutschland bezahlen. An Telefonica Deutschland hält die spanische Muttergesellschaft zurzeit rund 80 Prozent. Allerdings sei auch nicht ausgeschlossen, dass es im Zuge der Transaktion zu einer Kapitalerhöhung bei Telefonica Deutschland komme, sagte eine Person weiter.

Gemessen am Schlusskurs der Telefonica-Deutschland-Aktie vom Montag sind 20 Prozent des Mobilfunkbetreibers, die die Spanier an KPN abgeben könnten, rund 1,3 Milliarden Euro wert.

E-Plus-Zentrale in Düsseldorf.
E-Plus-Zentrale in Düsseldorf.(Foto: picture alliance / dpa)

Zuvor hatte die "Financial Times" über die Übernahme berichtet. Die Details der Mobilfunk-Liaison sind komplex. KPN-Großaktionär Carlos Slim habe bereits grünes Licht für den geplante Zusammenschluss gegeben. Weitere Neuigkeiten könnte es schon bald geben: KPN stellt am Dienstag seine Quartalbilanz vor - Telefonica folgt am Mittwoch.

Mehrere Anläufe zum Zusammenschluss

E-Plus und Telefonica haben in den vergangenen Jahren immer wieder über ein Zusammengehen gesprochen. Der jüngste Anlauf vor einem Jahr scheitere jedoch in letzter Minute.

Eine Hochzeit ergibt Analysten zufolge Sinn, da die operativen Probleme groß sind: Bei den Zahlen der Handykunden liegen O2 und E-Plus weit hinter der Telekom und Vodafone, haben aber ähnlich große und teure Netze. Eine Fusion würde Bankern zufolge die Kosten um vier Milliarden Euro drücken. Das Gros der Einsparungen käme aus dem gemeinsamen Netzbetrieb.

Knackpunkt für eine Fusion sind die Funkfrequenzen. Sie sind Basis des gesamten Geschäfts und dementsprechend teuer. Telekom, Vodafone und die Münchner Telefonica hatten auf der jüngsten Versteigerung 2010 Spektrum erworben, das sich besonders gut für den neuen Datenturbo LTE eignet - E-Plus ging leer aus und hat noch nicht mit dem LTE-Aufbau begonnen. Das Telefonica-Management pocht darauf, dass sich dieser Vorsprung in einer möglichen Partnerschaft mit E-Plus niederschlägt.

Titel an Börse gesucht

Allerdings könnte das Zusammengehen noch an den Wettbewerbshütern scheitern. "Ein großer Stolperstein ist das Bundeskartellamt, das den Deal blockieren könnte", sagte Amanda Russo vom Analystenhaus IHS.

Anleger griffen nach Bekanntwerden der Fusionsgespräche zu: Die KPN-Titel schossen nach oben. Die Papiere von Telefonica Deutschland legten ebenfalls kräftig zu.

Unter den Mobilfunkanbietern in Deutschland hat nach Angaben der Bundesnetzagentur von Juni die Telekom-Tochter T-Mobile mit 36,6 Millionen Kunden die Nase vorn. Danach folgen Vodafone mit 33,9 Millionen, E-Plus mit 23,4 Millionen und schließlich O2 mit 19,3 Millionen Kunden. So würden E-Plus und O2 zumindest nach Kunden die beiden Marktführer überflügeln. Allerdings ist bei E-Plus der Anteil der weniger lukrativen Prepaid-Kunden hoch. Bei E-Plus haben nur rund 8 der insgesamt 24 Millionen Kunden einen Vertrag, bei O2 sind es allerdings mehr als die Hälfte der Kunden.

Quelle: n-tv.de

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