Wirtschaft
Licht am Ende des Tunnels, heißt es bei der OECD zur globalen Wirtschaft.
Licht am Ende des Tunnels, heißt es bei der OECD zur globalen Wirtschaft.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 07. Juni 2017

Weltwirtschaft kommt in Tritt: OECD stellt Berlin rosige Zeiten in Aussicht

Die Wirtschaftsexperten der OECD übertreffen Bundesregierung in hiesiege Experten bei der Konjunkturerwartung. Doch Deutschland hat keinen Grund, sich auszuruhen. Mit Blick auf die USA halten sich Zuversicht und Skepsis die Waage.

Deutschland steht nach Ansicht der OECD wirtschaftlich vor rosigen Zeiten. Grund ist der globale Konjunkturaufschwung. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde hierzulande in diesem Jahr wohl um 1,7 Prozent und 2018 um 2,0 Prozent zulegen, erklärte die Organisation und zeigte sich damit optimistischer als die Bundesregierung und die führenden Forschungsinstitute. Zugleich erneuerte die Industriestaaten-Gruppe ihre Forderung noch Strukturreformen in Deutschland. "Wir sind besorgt, dass in dieser Beziehung in Deutschland zu wenig passiert", OECD-Experte Christian Kastrop.

Die BIP-Prognosen der OECD

Weltwirtschaft:  3,5 Prozent (2017) und 3,6 Prozent (2018)

China: 6,6 Prozent (2017) und 6,4 Prozent (2018)

USA: 2,1 Prozent (2017) und 2,4 Prozent (2018)

Euroraum:  1,8 Prozent (2017) und 1,8 Prozent (2018)

Deutschland: 2,0 Prozent (2017) und 2,0 Prozent (2018)

Großbritannien: 1,6 Prozent (2017) und 1,0 Prozent (2018)

Frankreich: 1,3 Prozent (2017) und 1,5 Prozent (2018)

Italien: 1,0 Prozent (2017) und 0,8 Prozent (2018)

Zu Jahresbeginn war die hiesige Wirtschaft mit 0,5 Prozent doppelt so schnell gewachsen wie ihr US-Pendant. Doch im April musste die Industrie einen Rückschlag hinnehmen: Die Aufträge gingen überraschend deutlich um 2,1 Prozent zurück. Die Wirtschaft geht von einem Ausrutscher aus.

"Der Trend zeigt trotz des Dämpfers weiterhin nach oben. Die Firmen erwarten 2017 nochmals bessere Geschäfte im In- und Ausland", so die Konjunkturexpertin des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Sophia Krietenbrink. Die Unternehmen profitierten von der Belebung des Welthandels und einem steigenden Investitionsvertrauen.

Appell an Kooperationen

Auch OECD-Chefökonomin Catherine Mann appellierte an die politisch Verantwortlichen, das gesamte Spektrum internationaler Wirtschaftskooperationen zu nutzen, um gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Zugleich warnte sie vor "protektionistischen Maßnahmen sowie Anti-Globalisierungsrhetorik", die für Unsicherheit sorgten. Die US-Regierung behält sich laut Finanzminister Steven Mnuchin das Recht vor, im globalen Handel für mehr Gleichgewicht zu sorgen. US-Präsident Trump hat dabei unter anderem Deutschland und China im Visier, die er wiederholt wegen ihrer hohen Exportüberschüsse scharf kritisierte.

Mit Blick auf die Weltwirtschaft erwartet die OECD ein Anstieg des Wachstums auf knapp über 3,5 Prozent im nächsten Jahr. "Nach fünf Jahren schwachen Wachstums sehen wir endlich Licht am Ende des Tunnels", erklärte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. Zugleich mahnte der Mexikaner: "Die konjunkturelle Belebung ist jedoch noch zu schwach, um eine spürbare Verbesserung der Lebensverhältnisse in allen OECD-Ländern zu gewährleisten." Zum Aufschwung dürfte indes auch der von Trump angekündigte Konjunkturimpuls beitragen.

Trump will die Konjunktur mit einer radikalen Steuerreform ankurbeln. Bei dem Thema gibt es aber selbst unter den Republikanern im Kongress Streit. OECD-Experte Kastrop sieht in der Fiskalpolitik in den USA jedoch auch Risiken: "Die Politik könnte zu Zinssteigerungen in den USA führen. Die Verwundbarkeit für das Weltfinanzsystem ist weiter hoch."

Quelle: n-tv.de

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