Mittwoch, 17. Juni 2009
Lückenlose Aufsicht: Obama reformiert Finanzmärkte
US-Präsident Barack Obama hat die umfassendste Reform der Finanzmärkte seit der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren angekündigt, um eine Wiederholung der gegenwärtigen Finanzkrise in Zukunft auszuschließen. Sein Plan sehe eine lückenlose Aufsicht über den Sektor vor, sagte Obama in Washington. Ziel sei eine Neuordnung, "wie wir sie seit den Reformen nach der Großen Depression nicht mehr gesehen haben".
Im Kern strebt die geplante Reform der Finanzmarktaufsicht eine Verschärfung der staatlichen Überwachung an, die bisherige Lücken schließen und derzeit kaum regulierte Bereiche wie Hedgefonds einschließen soll. Verbraucher sollen besser vor riskanten und betrügerischen Kreditgeschäften geschützt werden. Die Regierung und die Notenbank Fed sollen größere Vollmachten zur Regulierung des Sektors und zum Eingriff im Krisenfall bekommen.
"Kultur der Verantwortungslosigkeit"
Mit der geplanten Grundüberholung des Regulierungssystems ziehe die Regierung die Lehren aus der gegenwärtigen Krise, sagte Obama: "Das Fehlen von Aufsicht hat systemischen - und systematischen - Missbrauch nach sich gezogen." Er beklagte eine "Kultur der Verantwortungslosigkeit" im Finanzsektor, die Konsumenten wie Großkonzerne zu waghalsigen Finanzrisiken verleitet habe. "Es gab viel zu viele Schulden und bei weitem nicht genug Kapital", sagte Obama. "Es gab ein Versagen des gesamten Systems."
Das US-Finanzministerium stellte die Vorschläge in einem 89-seitigen Weißbuch vor. Demnach sollen Finanzunternehmen, die ein potenzielles Systemrisiko für die Branche darstellen, einer verschärften Aufsicht und Regulierung unterworfen werden. Die Zuständigkeit soll bei der Zentralbank Fed liegen, der ein neu zu schaffender "Rat für Finanzaufsicht" zu Seite gestellt wird. Für die betroffenen Unternehmen müssten "strengere und konservativere Standards" bezüglich Kapitalausstattung, Liquidität und Risikomanagement gelten, heißt es in dem Weißbuch.
Kompetenzzuwachs für die Regierung
Die neue Finanzaufsicht soll sich auch auf bislang in den USA kaum regulierte Bereiche erstrecken - etwa auf Hedgefonds, auf Kreditderivate und andere Wertpapiere, die maßgeblich zur derzeitigen Krise beitrugen. Die Regeln für den Verkauf solcher Papiere an Anleger ohne Fachkenntnisse sollen verschärft werden. Eine neue Behörde (Consumer Federal Protection Agency - CFPA) soll sich um besseren Verbraucherschutz im Finanzsektor kümmern.
Die geplanten Reformen laufen auf einen klaren Kompetenzzuwachs für die US-Regierung hinaus. Die Neuregelungen sollten "die Regierung mit Instrumenten ausstatten, um Finanzkrisen zu bewältigen", heißt es im Weißbuch.
Der Großteil der Vorschläge erfordert die Zustimmung des Kongresses, wo erhebliche Vorbehalte gegen zusätzliche Vollmachten für die Washingtoner Regierung herrschen. Das Weiße Haus geht dennoch davon aus, dass die Reform bis Ende des Jahres in Kraft treten kann.
wne/afp/dpa
Hintergründe zur Nachricht
Videos zur Nachricht
Wirtschaft
-
Stimmungstöter Europa
Kursverluste an der Wall Street
-
Telefonica überrascht
O2 soll an die Börse
-
Presta-Mitarbeiter müssen gehen
ThyssenKrupp kündigt
-
Griechenland-Exporte
Euler Hermes versichert nicht
-
Hiobsbotschaften und "Todeskreuz"
Dax kennt kein Halten
-
Spanien-Angst wächst
Euro stürzt unter 1,24 Dollar
-
Boni-Streit vor Londoner Gericht
Coba erleidet Schlappe
-
Verbleib im Deutsche-Bank-Turm
Börsig behält Privilegien
-
"Das Urteil ist gefallen"
Schlecker steht vor dem Aus
-
Defizitabbau darf länger dauern
EU kommt Spanien entgegen
-
Zwischen Krisenangst und Optimismus
Konjunktur bleibt wackelig
-
Rätselraten um Bankia-Hilfen
EZB wurde gar nicht gefragt
