Wirtschaft
Japans Wirtschaft ist exportlastig. Allerdings stiegen die Importe noch deutlicher, am Ende steht ein Handelsdefizit in Rekordhöhe.
Japans Wirtschaft ist exportlastig. Allerdings stiegen die Importe noch deutlicher, am Ende steht ein Handelsdefizit in Rekordhöhe.(Foto: picture alliance / dpa)

Rekord-Handelsdefizit zu Jahresbeginn: Ökonomen zweifeln an "Abenomics"

Seit Juni 2012 hat Japan in keinem Monat einen Überschuss in der Handelsbilanz erzielt. Im Gegenteil: Im Januar steht ein Rekorddefizit in den Handelsbüchern. Die Importe ziehen um satte 25 Prozent an. Das bringt Premier Abe unter Zugzwang.

Mit einem Rekorddefizit in der Handelsbilanz ist Japan ins neue Jahr gestartet. Während die Importe von Elektronikteilen und Rohstoffen kräftig anzogen, blieben die Exporte trotz des schwachen Yen spürbar hinter den Erwartungen zurück. Das überraschend hohe Außenhandelsdefizit von 2,8 Billionen Yen ist ein Rückschlag für Premierminister Shinzo Abe, der mit einer nach ihm benannten Mischung aus aggressiver Geldpolitik, üppigen Staatsausgaben und wichtigen Strukturreformen die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt wieder auf Touren bringen will.

Video

Ökonomen hatten nur ein Defizit von 2,5 Billionen Yen erwartet. Die Exporte kletterten im Januar um 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während Volkswirte auf ein Plus von 12,5 Prozent gehofft hatten.

Die Importe schossen indes um 25,0 Prozent in die Höhe. Ein Grund für den Importsog ist der Stillstand der meisten Atomkraftwerke, die nach dem Erdbeben und Tsunami im März 2011 abgeschaltet werden mussten. Seitdem muss Japan sehr viel Öl und Gas zur Energieerzeugung einführen.

Experten sagten außerdem, die Vorteile des schwächeren Yen-Wechselkurses würden von einem langfristigen Trend überlagert. Die großen Industriebetriebe verlagern ihre Produktion zunehmend ins Ausland, um einerseits näher an ihren Kunden zu sein und andererseits das Risiko von Wechselkursänderungen zu minimieren.

Zweifel an "Abenomics"

Seit Juni 2012 hat Japan in keinem einzigen Monat mehr einen Überschuss in der Handelsbilanz erzielt. Das riesige Defizit im Januar erklärten Ökonomen auch mit saisonalen Faktoren: Wegen der Neujahrsfeiern in China und einigen anderen asiatischen Ländern seien die Exporte im Januar traditionell geringer.

Das große Bild weckt gleichwohl Zweifel an der Wirksamkeit der "Abenomics": Im Schlussquartal 2013 ist die Wirtschaft Japans nur mit einer Jahresrate von 1,0 Prozent gewachsen. Experten hatten mit einem fast dreimal so hohen Wachstum von 2,8 Prozent gerechnet.

Japans Wirtschaftswachstum lag damit noch unter dem der Eurozone, wo die Rate 1,1 Prozent betrug, und weit unter den 3,2 Prozent in den USA. Bereits zwischen Juli und September 2013 hatte Japans Wirtschaft mit einer Wachstumsrate von 1,1 Prozent deutlich an Schwung verloren. Im April steht eine Umsatzsteuererhöhung an, die die Wirtschaft weiter schwächen dürfte.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen