Wirtschaft
Ein Arbeiter klettert an einem Schornstein einer Öl-Raffinerie von Caltex in Sydney. Caltex gehört zu den  führenden Öl-Raffinerien in Australien.
Ein Arbeiter klettert an einem Schornstein einer Öl-Raffinerie von Caltex in Sydney. Caltex gehört zu den führenden Öl-Raffinerien in Australien.(Foto: Reuters)

Auch der Preisverfall hat ein Ende: Warum die Ölpreise wieder steigen werden

Von Diana Dittmer

Der Ölpreis fällt mit atemberaubender Geschwindigkeit. Noch viel mehr dürfte er aber nicht nachgeben. Ist eine Blase erst einmal geplatzt, steigen Preise auch wieder. Dafür sorgt der "Schmierstoff" praktisch selbst.

Beim Ölpreis gilt die simple Wahrheit: Wer hoch steigt, fällt auch tief. Vor knapp sieben Jahren, vor dem Fall von Lehman Brothers, kostete ein Barrel Öl knapp 148 Dollar. Heute kosten 159 Liter  der Nordseesorte Brent gerade mal noch 52 Dollar - also rund ein Drittel. WTI ist mittlerweile sogar unter die 50-Dollar-Marke gerutscht. Viele mag das überraschen, aber historisch niedrig ist das nicht: Öl ist lediglich so billig wie seit 2004 nicht mehr.

Wer nur etwas weiter in der Statistik zurückblättert, entdeckt, dass ein Barrel Öl erst seit 1974 mehr als zehn Dollar kostet. Die Schallmauer von 30 Dollar wurde Ende der 70er Jahre durchbrochen, die 50-Dollar-Marke fiel erstmals im Jahr 2005 - also vor zehn Jahren. Das heißt, auf Sicht von 40 Jahren steht einer kräftigen Abwärtsbewegung eine mehr als kräftige Aufwärtsbewegung gegenüber.

Streng genommen ist das, was Ölhändler und Verbraucher seit Monaten beobachten, nichts anderes als das Platzen einer Blase. Wo der "normale" Preis liegt oder wo der Preis sich in Zukunft einpendeln wird, lässt sich kaum sagen. Aber wer wusste das schon von den Preisen, als die Häuserblase in den USA platzte? Vielleicht wird Öl irgendwo um das jetzige Niveau zwischen 40 und 50 Dollar notieren.  Die Experten der Commerzbank lehnen sich weiter aus dem Fenster heraus: Sie prognostizieren für das kommende Jahr einen Brent-Preis von 82 Dollar. Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet mit einem Anstieg des Ölpreises um rund 25 Prozent bis 2018.

Fracking: Wie gewonnen, so zerronnen

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Sicher ist, dass die Talfahrt beim Ölpreis nicht ewig anhalten kann. Wahrscheinlich wird er sogar in absehbarer Zeit zu Ende sein - und zwar in dem Moment, wo die Quellen in den USA, aus denen das Öl derzeit im Überfluss sprudelt, versiegen. Die Fracking-Unternehmen in den USA überschwemmen die Welt mit einer gigantischen zusätzlichen Ölmenge - Experten beziffern die Überproduktion insgesamt pro Tag mit 1,5 Millionen Barrel. Die maßgeblich zum ungebremsten Preisverfall beigetragen. Jetzt fährt das billige Öl den Unternehmen allerdings kräftig in die Parade. Denn Fracking ist deutlich teurer als die herkömmlichen Ölfördermethoden.

Analysten schätzen, dass die meisten Schieferölproduzenten in den USA ab einem Preis von 65 Dollar der US-Sorte WTI profitabel arbeiten. Wie die LBBW anmerkt, liegt die Gewinnschwelle einzelner Projekte aber erst bei 80 Dollar und darüber. Derzeit liegt der WTI-Preis aber weit darunter. Langfristig niedrige Preise könnten für viele Produzenten das Aus bedeuten.

Dass die Opec - vor allem Saudi-Arabien - den Ölpreisverfall durch Drosselung der Fördermenge ihres eigenen Wüstenöls nicht stoppen würde, war 2014 die große Überraschung am Ölmarkt. Im Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Wüstenöl und Fracking-Öl halten es die Ölscheichs offenbar für geschickterer, auf Marktanteile zu wetten, als auf höhere Einnahmen zu setzen. Mittlerweile  haben sie bereits mehrfach klar gemacht, dass sie dafür auch bereit sind, noch niedrigere Preise in Kauf zu nehmen. Die Fracking-Unternehmen sehen also einer ungewissen Zukunft entgegen.

Mit den "hausgemachten" Niedrigpreisen fegen sie sich im Grunde förmlich selbst vom Platz. Mehrere Erdölkonzerne kündigten bereits an, ihre Investitionen zurückzufahren. Die Zahl der Bohrlöcher ist von 1575 auf 1482 gefallen. Mitarbeiter wurden ebenfalls schon entlassen. "Wie gewonnen, so zerronnen", dürfte es vielleicht schneller als erwartet mit Blick auf die schwächer werdende Fracking-Industrie der USA heißen. Mit der Drosselung des Angebots werden auch wieder die Preise steigen.

Billiges Öl schmiert die Konjunktur

Das ist aber nicht nur von Vorteil. Denn der niedrige Ölpreis ist das beste Schmiermittel für die Weltkonjunktur. Und das sorgt für Wachstum. Deutschland brachte der gefallene Ölpreis bereits positive Effekte von rund 40 Milliarden Euro. Für 2015 rechnet das DIHK, dass Firmen und Verbraucher mit 20 Milliarden Euro entlastet werden, wenn Öl so billig bleibt. Die Einsparungen weltweit beziffert Norbert Hagen, Anleiheexperte und Vorstand bei ICM, mit 1 Billion Euro. Es ist also ein gigantisches Sonderkonjunkturprogramm, das sich im Unterschied zu geldpolitischen Maßnahmen unmittelbar in den Taschen der Verbraucher bemerkbar macht. Außerdem sieht die Welt hier laut Hagen eine gigantische Vermögensumverteilung zwischen Staaten.

Während Ölexporteure Federn lassen, werden sich Ölimporteure, zu denen auch Deutschland zählt, in neue Höhen aufschwingen. Stotternde Konjunkturmotoren werden anspringen. Wenn die Industriestaaten aber erst einmal einen Gang höher schalten, steigen auch die Nachfrage und damit die Preise. Das gilt zumindest so lange,  wie auch das Angebot gleich bleibt. In den kommenden beiden Quartalen sollte sich das niedrige Preisniveau in den Konjunkturprognosen der Wirtschaftsinstitute niederschlagen.

Terrorakte drosseln Ölmenge

Fast vergessen scheint zurzeit, dass ein Menge Öl aus politisch instabilen Regionen der Welt stammt. Vergessen sind die Terroranschläge der IS im Irak, wo die Ölförderung nur noch in Teilen des Landes gesichert ist, weil es immer wieder Anschläge auf Pipelines und Förderanlagen gibt. Auch in Nordafrika tobt der Krieg um Öl. Die Terrorakte in Nigeria werden Boko Haram zugeschrieben. Die islamistische Terrorgruppe hat den muslimischen Norden seit fünf Jahren fest im Griff. Die Extremisten kämpfen mit blutiger Gewalt für einen Gottesstaat in der Region. 2014 hat die Gruppe ihre Angriffe intensiviert: Seit Monaten kommt es fast täglich zu Attacken auf Dörfer, Kirchen, Märkte oder Militärstellungen. Auch in Libyen, dem Land mit den größten Erdölreserven Afrikas, tobt der Bürgerkrieg. Es gibt immer wieder Angriffe auf Öllager. Die Ölförderung könnte in diesen Ländern jederzeit sinken. Andere Krisenregionen könnten hinzukommen. Wird der Nachschub durch terroristische Übergriffe gedrosselt, wird sich das im Preis irgendwann niederschlagen.

Die weiteren Entwicklungen könnten die Preise am Ölmarkt also schnell wieder stabilisieren oder gegebenenfalls - sollte sich das Angebot verknappen und die Nachfrage steigen - auch wieder nach oben spülen.

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Quelle: n-tv.de

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