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Wirtschaftlich stark an der Küste: Shenzen, unweit von Hongkong.
Wirtschaftlich stark an der Küste: Shenzen, unweit von Hongkong.(Foto: REUTERS)

Ein Motor der Weltwirtschaft: Peking bestätigt Abkühlung

Die steile chinesische Entwicklungskurve flacht im zweiten Quartal deutlich ab. Die Wachstumsrate erreicht einen neuen Tiefstand. Peking registriert unter anderem einen Rückgang der Nachfrage in der schuldengeplagten Ländern Europas. Experten sehen ihre Annahmen bestätigt.

Tiefsitzendes Gespür für Kraftströme und Wechselwirkungen: Tai-chi-Übungen in Peking.
Tiefsitzendes Gespür für Kraftströme und Wechselwirkungen: Tai-chi-Übungen in Peking.(Foto: AP)

Das Wirtschaftswachstum in China hat sich im zweiten Quartal deutlich auf 7,6 Prozent abgekühlt. Es ist der niedrigste Stand seit drei Jahren, wie das nationale Statistikamt in Peking offiziell mitteilte. Analysten hatten auf Basis von Vorab-Schätzungen bereits mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts China wächst langsamer .

In der Gesamtschau ergibt sich ein beunruhigendes Bild: Im ersten Quartal war die Wachstumsrate bereits auf 8,1 Prozent zurückgegangen. Insgesamt hat sich das chinesische Wachstum sechs Quartale in Folge verlangsamt.  Die Regierung peilt für das Gesamtjahr ein Plus von 7,5 Prozent an - das wäre die niedrigste Rate seit 1990. Regierungschef Wen Jiabao betonte in dieser Woche, dass höhere Investitionen notwendig seien, um das Wachstum zu sichern.

Verglichen mit europäischen Wachstumsraten expandiert die chinesische Wirtschaft allerdings weiter stark. Doch die Prozentangaben aus Peking erscheinen im Vergleich zu den krisengeplagten Industrienationen nur auf den ersten Blick beneidenswert robust. China braucht als Schwellenland ein vergleichsweise starkes Wachstum, um ausreichend Arbeitsplätze zu sichern und den sozialen Frieden im Land zu gewährleisten.

Erst Europa, nun China?

Die spürbare Abschwächung der chinesischen Wirtschaft setzt im Inneren wie nach Außen hochkomplexe Wirkungsmechanismen in Gang: Bisherige Brennpunkte der Entwicklung sind die Preise am Immobilienmarkt und die Teuerungsraten für Verbraucher.

Für die Weltwirtschaft kann China in seiner Rolle als bisherige "Wachstumslokomotive" durch das abgebremste Wachstum deutlich weniger positive Beiträge leisten.

Weitere amtliche Daten aus Peking ergänzten das Bild: Der Zuwachs der Industrieproduktion ging im Juni auf 9,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurück. Mit dem Rückgang der Nachfrage besonders in der schuldengeplagten Europäischen Union war Chinas Exportwachstum im ersten Halbjahr auf 9,2 Prozent gefallen.

Um einer übermäßigen Konjunkturabkühlung entgegenzuwirken, hatte die chinesische Zentralbank erst vor wenigen Tagen überraschend erneut die Zinsen gesenkt. Weltweit schauen Unternehmen auf die chinesische Konjunktur, weil das bevölkungsreichste Land der Erde steigende Umsätze sichert. Auch deutsche Unternehmen stützen große Teile ihre Exportstrategien auf ein anhaltend starkes Wachstum in China.

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Quelle: n-tv.de

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