Wirtschaft
Das Netz kann den Windstrom nicht mehr transportieren - deswegen wird der Ausbau gekappt.
Das Netz kann den Windstrom nicht mehr transportieren - deswegen wird der Ausbau gekappt.(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 12. Oktober 2016

Neuregelung des Windkraft-Zubaus: Ökostrom-Umlage steigt auf 6,88 Cent

Der Umbau der Energiegewinnung und -versorgung in Deutschland kostet Verbraucher Milliarden. Im kommenden Jahr wird die EEG-Umlage nun erneut erhöht. Zugleich will die Bundesregierung den Neubau von Windkraftanlegen drosseln.

Zur Förderung von Strom aus Windkraft und Sonne müssen Verbraucher im nächsten Jahr erneut tiefer in die Tasche greifen. Die sogenannte Ökostrom-Umlage wird von derzeit 6,35 Cent auf wohl 6,88 Cent pro Kilowattstunde steigen, wie aus der Strombranche verlautete. Die Umlage zahlen Verbraucher über die Stromrechnung. Zuvor hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" darüber unter Berufung auf Netzbetreiber berichtet. Doch es gibt für Verbraucher auch eine gute Nachrichte: Die staatlich garantierten Renditen für Strom- und Gasleitungen sinken in den nächsten Jahren deutlich. Der Schritt die seit längerem niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten wieder, kündigte der Präsident der Aufsichtsbehörde, Jochen Homann an.

Bereits Ende September hatten Experten mit einem Anstieg auf knapp unter 7 Cent pro Kilowattstunde gerechnet. Die Netzbetreiber geben die Höhe der Umlage für 2017 an diesem Freitag bekannt. Das Wirtschaftsministerium äußerte sich nicht zu dem Bericht. 

Die EEG-Umlage wird als Differenz zwischen dem Preis, den Stromerzeuger für ihren Strom bekommen, und den garantierten Abnahmepreisen für Ökostrom berechnet. Je niedriger der Börsenpreis, den Energiekonzerne zahlen müssen, desto höher die Umlage. Was der Anstieg der Umlage für Haushalte bedeutet, ist daher kaum zu berechnen. Es kommt darauf an, ob die Energiekonzerne fallende Börsenstrompreise an die Kunden weitergeben.

Windkraft-Zubau wird begrenzt

Im Zuge der Neuordnung der Ökostrom-Förderung ab 2017 sollen im Norden Deutschlands deutlich weniger neue Windkraft-Anlagen gebaut werden als bisher. Nach einem Entwurf für eine Verordnung der Bundesnetzagentur müssen die Regionen, in denen in der Vergangenheit die meisten neuen Windparks entstanden sind, künftig mit etwas mehr als der Hälfte des bisherigen Zubaus auskommen. Grund für den gebremsten Ausbau sind die Engpässe im Stromnetz.

Für Stromkunden dürfte sich beim Preis dem Entwurf zufolge aber kaum etwas ändern. Von den jährlich 2800 Megawatt Windkraft-Leistung, die von 2017 an jährlich neu gebaut werden sollen, dürfen nur maximal 902 Megawatt in "Netzausbaugebieten" im Norden entstehen, wie aus dem Entwurf hervorgeht, über den zuvor die "Süddeutsche Zeitung" berichtete. Je nach Größe einzelner Anlagen entspreche das zwischen 120 und 200 Windrädern.  Da der Bau großer Nord-Süd-Stromleitungen nur schleppend vorankommt, lässt sich der Windstrom aus dem Norden oft nicht nutzen. Vor allem Windanlagen an Land würden "wegen Engpässen im Übertragungsnetz in steigendem Umfang in Norddeutschland abgeregelt, weil der Strom nicht vor Ort verbraucht und nicht zu den großen Verbrauchszentren im Süden abtransportiert werden kann", heißt es.

Nordosten wird Windkraft-Sonderzone

Dem Verordnungsentwurf zufolge wird ganz Mecklenburg-Vorpommern zu einem solchen Wind-Ausnahmegebiet. Ebenso Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg und Bremerhaven sowie der nördliche Teil Niedersachsens. Ursprüngliche Pläne, statt in Mecklenburg-Vorpommern in ganz Niedersachsen und auch Hessen den Ausbau zu drosseln, sind nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" damit vom Tisch. Von 2017 an wird die Förderung von Ökostrom in Deutschland komplett umgestellt.

Betreiber größerer Windparks oder Solaranlagen sowie von Biogas-Anlagen erhalten künftig für eingespeisten Strom keine feste, gesetzlich festgelegte Vergütung mehr. Stattdessen werden neue Projekte ausgeschrieben. Wer am wenigsten Subventionen pro Kilowattstunde Strom verlangt, erhält dann den Zuschlag.

Bei den Netzentgelten sinkt die staatlich garantierte Renditen für Aus- und Neubauten von bislang 9,05 Prozent bei neuen Anlagen und 7,14 Prozent bei bestehenden auf 6,91 beziehungsweise 5,12 Prozent. Die neuen Eigenkapitalzinssätze gelten für Gasnetzbetreiber ab 2018, für Stromnetzbetreiber ab 2019. Der Branchenverband BDEW ist davon nur mäßig angetan. "Es bleibt abzuwarten, ob Investoren auf dieser Basis bereit sind, die erforderlichen Finanzmittel in Milliardenhöhe zügig bereitzustellen", sagte BDEW-Vorsitzende Stefan Kapferer.

Für Bau und Betrieb der Strom- und Gasnetze fallen nach Branchenschätzungen derzeit pro Jahr in Deutschland etwa 18 Milliarden Euro beim Strom und rund 5,5 Milliarden Euro beim Gas an. Die jährliche, vom Staat garantierte Rendite auf das eingesetzte Kapital liegt den Schätzungen zufolge bei etwa 2,5 Milliarden Euro branchenweit für Gast und Strom zusammen.

Quelle: n-tv.de

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