Wirtschaft
Unüberbrückbare Differenzen, wie es bei Scheidungen immer so schön heißt: Die Opel-Peageot-Ehe liegt vorerst auf Eis, die Auobauer fahren weiter getrennte Wege.
Unüberbrückbare Differenzen, wie es bei Scheidungen immer so schön heißt: Die Opel-Peageot-Ehe liegt vorerst auf Eis, die Auobauer fahren weiter getrennte Wege.(Foto: picture alliance / dpa)

Paris verhindert Zusammenschluss: Opel-Ehe mit Peugeot auf Eis

Erst beteiligt sich General Motors an dem französischen Rivalen Peugeot. Dann bringt GM einen Zusammenschluss mit Opel ins Gespräch. Doch der damit einhergehende Stellenabbau verschreckt Frankreichs Politik. Milliardenhilfen für PSA torpedieren den Plan.

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General Motors und der französische Partner Peugeot haben ihre Gespräche über eine gemeinschaftliche Sanierung ihres Europageschäfts Kreisen zufolge vorerst gestoppt. Gründe seien eine verschlechterte Finanzlage bei Peugeot sowie die jüngst gewährten Garantien des französischen Staates für die Finanzierungssparte Banque PSA, sagten zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen. Durch die von der Regierung in Paris zur Verfügung gestellten 7 Mrd. Euro Staatsgarantien sei die geplante engere Zusammenarbeit von Opel mit Peugeot durchkreuzt worden, sagte einer der Insider.

Der französische Staat hatte sich im Gegenzug - ebenso wie die Gewerkschaft - Mitspracherechte im Aufsichtsrat gesichert und gefordert, die Pläne für einen Stellenabbau zu überdenken. Peugeot hatte rund 10.000 Stellen streichen und ein Werk nahe Paris dichtmachen wollen.

"Markterholung erst 2014"

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Gewerkschaften in Deutschland und Frankreich hatten befürchtet, dass die beiden Autobauer im Falle einer engeren Allianz noch tiefere Einschnitte vornehmen könnten als bisher schon geplant. GM ist seit Februar mit sieben Prozent an Peugeot beteiligt. Bislang sind beide Partner aber nicht über Vereinbarungen für vier Fahrzeugprojekte und den gemeinsamen Einkauf hinausgekommen.

Die sich noch in einer frühen Phase befindenden Gespräche der mit hohen Verlusten, Überkapazitäten und Absatzeinbrüchen kämpfenden Autobauer seien gestoppt worden, sagte ein Insider. "Beide Unternehmen gehen davon aus, dass eine engere Zusammenarbeit erst nach einer Erholung der Marktsituation und damit nicht vor dem Jahr 2014 wahrscheinlich ist", sagte der zweite Insider. Denn die Bedingungen der französischen Regierung verhinderten die Streichung von Arbeitsplätzen in Frankreich, daher sei ein schneller Abschluss der Verhandlungen nicht möglich. "Es wäre politisch nicht möglich, nur in Deutschland (bei Opel) Stellen zu streichen."

Bekenntnis zu Opel-Standorten

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Der Opel-Betriebsrat drängte die US-Konzernmutter General Motors, sich von Überlegungen über Werksschließungen und Massenentlassungen in Deutschland zu verabschieden. "GM muss ein klares Bekenntnis zu allen Opel-Standorten abgeben. Ohne dies wird sich die Marke nicht wiederbeleben lassen", warnte Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug Falls GM das Werk in Bochum schließen sollte oder Opel als Ganzes gar mit dem französischen Partner Peugeot zusammengelegt würde, käme dies einem Rückzug des Detroiter Autobauers aus Europa gleich. Damit würde GM dem Rivalen VW das Feld in Europa überlassen und müsste sich vom Anspruch verabschieden, weltweit Nummer eins zu werden.

GM und Volkswagen wetteifern um den Thron in der Automobilindustrie, auf dem sich der japanische Rivale Toyota in diesem Jahr beeindruckend zurückgemeldet hat. Schäfer-Klug verwies auf Nordamerika, wo die Niedersachsen GM zunehmend Konkurrenz machten. Noch sei die Marktstellung von VW dort zwar vergleichsweise klein, aber die Wachstumsraten der Wolfsburger seien enorm. In dieser Situation dürfe GM VW nicht den europäischen Markt überlassen. "GM wird den europäischen Markt mit seiner Marke Chevrolet nie so bestellen können wie mit Opel", betonte Schäfer-Klug.

General Motors verhandelt derzeit mit dem Betriebsrat über ein Sparpaket, das bis Weihnachten unter Dach und Fach sein soll. Dabei geht es auch um die Zukunft der von Schließung bedrohten Fabrik in Bochum.

Bochum-Aus wäre "fatal"

Es wäre "fatal", wenn GM jetzt beschlösse, Bochum komplett dichtzumachen, betonte Schäfer-Klug. Denn die Entscheidung wäre erst in vier Jahren wirksam, würde aber bereits jetzt das Ansehen der Marke weiter beschädigen. Opel hatte dem Betriebsrat im Juni angeboten, den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2016 zu verlängern. Im Gegenzug sollten die Arbeitnehmer akzeptieren, dass die Produktion des Familienwagens Zafira zu diesem Zeitpunkt in Bochum ausläuft und das Werk danach geschlossen wird.

Bereits die Entscheidung, die nächste Generation des Kompaktwagens Astra nicht mehr in Rüsselsheim, sondern im britischen Ellesmere Port vom Band laufen zu lassen, habe der Marke mit dem Blitz massiv geschadet, monierte der Betriebsratschef. "Seitdem straucheln wir in Deutschland." Die nächsten Jahre sollten daher dazu genutzt werden, eine Perspektive für Bochum zu entwickeln. Mit weiteren Werksschließungen würde GM dagegen dem Rivalen Volkswagen in Europa in die Hände spielen. Das Vorpreschen des Ford-Konzerns, der die Schließung dreier Werke in Europa mit insgesamt mehr als 6000 Beschäftigten angekündigt hat, dürfe nicht Vorbild sein. Opel habe in den vergangenen Jahren europaweit bereits 12.000 Stellen abgebaut.

Der letzte Strohhalm

Hoffnung für zumindest einen teilweisen Erhalt von Bochum schöpft Schäfer-Klug, weil sich GM dazu verpflichtet hat, zusammen mit dem Land Nordrhein-Westfalen Perspektiven für die Fabrik zu suchen. Eine Arbeitsgruppe soll prüfen, wie das Werk weiterentwickelt werden kann und Chancen ausloten, ob dort eventuell auch Fahrzeuge für andere Hersteller gebaut werden könnten. "Ich gehe davon aus, dass Opel in Bochum bleibt", demonstrierte Schäfer-Klug Zuversicht.

Allerdings räumte auch der Betriebsrat ein, dass derzeit fast alle Massenhersteller wegen der Absatzkrise in den Schuldenstaaten Probleme haben, ihre Werke auszulasten - und die Schwierigkeiten dürften in den nächsten Jahren noch zunehmen. Die Frage sei daher eher, in welcher Form Bochum bestehen bleibe, schränkte der Betriebsratschef ein.

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Quelle: n-tv.de

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