Übergangslösung in RüsselsheimOpel findet neuen Chef

Auf der Suche nach einem neuen Unternehmenschef entscheidet sich der Opel-Aufsichtsrat für eine Interimslösung. Den Beschäftigten stehen wohl härtere Zeiten bevor: Denn Thomas Sedran gilt als konsequenter Sanierer, der Opel auf Wachstumskurs bringen soll.
Opel -Strategievorstand Thomas Sedran übernimmt vorübergehend die Leitung des Automobilherstellers. Der Aufsichtsrat ernannte den Manager zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden. Der 47-Jährige tritt damit kommissarisch die Nachfolge des zurückgetretenen Vorstandsvorsitzenden Karl-Friedrich Stracke an. Das Unternehmen suche weiter nach einer Dauerlösung, hieß es. Sedran werde die Geschäfte übernehmen, bis ein Nachfolger ernannt sei.
Sedran muss einen Berg an Problemen angehen, darunter den Absatzschwund im Kernmarkt Europa. Opel ächzt wie zahlreiche Massenhersteller unter der Schuldenkrise, in deren Folge sich besonders Kunden in Südeuropa keine neuen Autos kaufen. Zudem leidet Opel nach jahrelangem Zick-Zack-Kurs des Mutterkonzerns General Motors und öffentlich ausgetragenem Streit über die richtige Sanierung an Imageproblemen.
Opel-GM-Europe-Präsident Steve Girsky bekräftigte, Sedran werde gemeinsam mit dem Aufsichtsrat daran arbeiten, die nötigen Reformen umzusetzen. "Wir werden die Bürokratie verringern und die Kultur unseres Unternehmens verändern", erklärte er. Der promovierte Ökonom Sedran betreut Opel seit 2009 - damals noch in seiner Funktion als Experte der Münchner Unternehmensberatung AlixPartners. Damals begleitete er die jüngste Opel-Sanierung, bei der ein Werk geschlossen und 8000 Mitarbeiter entlassen wurden.
Harte Einschnitte möglich
Der Manager verbrachte den Großteil seiner bisherigen Karriere bei Beratungsgesellschaften: Mehr als zehn Jahre lang arbeitete er bei Roland Berger, ehe er zu AlixPartners wechselte. Am 1. April 2012 wurde er in den Opel-Vorstand berufen, wo er das neu geschaffene Ressort "Operations, Geschäftsentwicklung und Unternehmensstrategien" übernahm. In dieser Funktion sollte er für langfristiges Wachstum des schwächelnden Autobauers sorgen, "in Europa und darüber hinaus", wie es bei Opel explizit heißt.
Opel trifft die Absatzschwäche im Kernmarkt deshalb besonders hart, weil das Unternehmen sie nicht durch Verkäufe anderswo auf der Welt ausgleichen kann. Denn in lukrativen Wachstumsmärkten wie China oder Lateinamerika dürfen die Rüsselsheimer ihre Fahrzeuge auf Geheiß des US-Mutterkonzerns nicht anbieten. Dort will GM mit der Tochtermarke Chevrolet punkten.
Strackes Antwort darauf war ein Wachstumsplan, der unter anderem auf Export, Investitionen und die Allianz mit dem französischen Partnerkonzern PSA Peugeot-Citroën setzte. Bis 2016 wollte er auf Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Allerdings klaffte in seinem Sanierungsplan nach Medienberichten ein Loch in dreistelliger Millionenhöhe.
Nach dem Chefwechsel werden deshalb harte Einschnitte befürchtet. Ein mögliches Aus für das Werk Bochum gilt als absehbar. GM hatte vor ein paar Jahren bereits überlegt, seine Schulden schreibende Tochter komplett zu verkaufen. Nach monatelangen Verhandlungen entschieden die Amerikaner sich schließlich, Opel selbst zu sanieren. Viel Geduld mit der Führungsspitze zeigten sie dabei allerdings nicht. Allein in den vergangenen drei Jahren wurden drei Vorstandsvorsitzende verschlissen.