Wirtschaft

Fundamentale Wirtschafts-SchwächeOstdeutschland fällt wieder zurück

26.07.2011, 13:15 Uhr
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Fließbandarbeiter im Porsche-Werk in Leipzig. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Angleichung der ostdeutschen Wirtschaft an das West-Niveau in der Krise ist mehr Schein als Sein. Jetzt, da der Aufschwung kommt, ist die deutliche Wachstums-Episode beendet, sagt der Konjunkturexperte Udo Ludwig. Daran werde sich in naher Zukunft auch nichts ändern.

Die ostdeutsche Wirtschaft verliert wieder an Boden. Trotz eines beschleunigten Wachstums im laufenden Jahr fällt die Region erneut in ihrem Aufholprozess zum Westen zurück, wie das Hallenser IWH-Institut mitteilte. "Die scheinbare Angleichung in Krisenzeiten war nur eine Episode. Jetzt leidet der Osten wieder unter seinen grundlegenden Schwächen", sagte IWH-Konjunkturexperte Udo Ludwig. Die ostdeutsche Wirtschaft werde zwar 2011 um 2,8 Prozent zulegen und damit mehr als die 2,0 Prozent im vorigen Jahr. Im Westen gehe es in diesem Jahr allerdings um rund 3,7 Prozent bergauf.

Einbruch im Osten weniger stark

Grund dafür war eine eigentliche Schwäche: Die geringere Exportorientierung bewahrte viele Unternehmen zwischen Rügen und Sachsen vor einem stärkeren Einbruch der Geschäfte. Deshalb kletterte das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner 2009 auf 70,5 Prozent des West-Niveaus. Im Aufschwung kehrt sich dies wieder um. Für 2011 sagt das IWH nüchterne Zahlen voraus: Die Angleichung falle mit 69,6 Prozent auf den Stand von 2008 zurück. "Der anhaltende Bevölkerungsrückgang in Ostdeutschland kann die Wachstumslücke der Produktion bei Pro-Kopf-Betrachtungen nicht kompensieren."

Die Daten bei der Produktion und beim Einkommen angleichen zu wollen, sei unrealistisch, sagte Ludwig. Als fundamentale Schwäche nannte er "die Kleinteiligkeit des Mittelstandes, die damit verbundene Export- und Innovationsschwäche, das Fehlen von Führungszentralen und Großunternehmen, die Alterung und den Rückgang der Einwohnerzahl".

Quelle: rts