Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

DIHK mit trüber Prognose: Osten fällt konjunkturell wieder zurück

Seit einigen Monaten vermelden die Konjunkturexperten immer neue Beschäftigungsrekorde. Auch im laufenden Jahr werden knapp 200.000 Menschen mehr in Arbeit sein als 2014. Doch die gute Entwicklung macht scheinbar einen Bogen um die neuen Länder.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet für 2015 erstmals seit neun Jahren wieder mit einer sinkenden Beschäftigung in Ostdeutschland. Als einen der Gründe nennen die Experten den Mindestlohns. Während im Westen in diesem Jahr über 200.000 Erwerbstätige mehr erwartet werden, soll ihre Zahl im Osten um 10.000 schrumpfen. "Mindestlohn sowie Fachkräftemangel wirken dämpfend auf die Beschäftigungsentwicklung", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der "Super Illu" laut Vorabbericht. "Die Ost-Wirtschaft wächst zudem nur um 0,3 Prozent und damit ein Prozent langsamer als die West-Wirtschaft."

Die Bundesregierung verteidigt die seit Jahresbeginn geltende Lohnuntergrenze von 8,50 Euro je Stunde. "Der einheitliche Mindestlohn in Ost und West ist gut für Ostdeutschland", sagte die Ostbeauftragte Iris Gleicke. "Er verhindert Dumpinglöhne und Abwanderung und sorgt für mehr Kaufkraft." Nur wenn im Osten fair verdient werde, könne sich die noch immer große wirtschaftliche Lücke zum Westen schließen.

Jeder zweite Ost-Betrieb sorgt sich um Arbeitskosten

Immer mehr ostdeutschen Betriebe sehen in steigenden Arbeitskosten das Konjunkturrisiko Nummer eins. 52 Prozent der Unternehmen geben dies in einer DIHK-Umfrage an. Im Herbst 2014 waren es 46 Prozent.

Bundesweit betrachteten 42 Prozent der Unternehmen die Arbeitskosten als Geschäftsrisiko, teilte der DIHK zu seiner Umfrage unter mehr als 27.000 Betrieben mit. Die steigenden Löhne erhöhen die Kaufkraft der Verbraucher, zumal sie derzeit deutlich schneller steigen als die Preise. Das macht den privaten Konsum zur wichtigsten Konjunkturstütze in Deutschland.

Unterdessen teilte das Statistische Bundesamt mit, dass sich Arbeit in Deutschland auch 2014 verteuert. Im Produzierenden Gewerbe und bei Dienstleistern kostete eine Arbeitsstunde durchschnittlich 1,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damit blieb der Anstieg auf Jahressicht konstant. 2012 war der Zuwachs mit 3,2 Prozent und 2011 mit 2,8 Prozent deutlich stärker ausgefallen. Die Arbeitskosten setzten sich aus Bruttoverdiensten und Lohnnebenkosten wie den Beiträgen zur Kranken- und Sozialversicherung zusammen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen