Wirtschaft
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Tiefrote Indexstände: Panik-Verkäufe setzen Europas Börsen zu

Die Furcht der Anleger vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft hat zu einem Ausverkauf an den Börsen geführt. Nach überraschend schwachen Konjunkturdaten aus den USA beschleunigten die europäischen Indizes ihre Talfahrt.

Sorge um das Wirtschaftswachstum in der Eurozone sowie enttäuschende Wirtschaftsdaten aus den USA haben die internationalen Börsen am Mittwoch auf Talfahrt geschickt. An den Börsen in Frankfurt, London, Paris, Mailand und Lissabon gaben die Aktienindizes teils deutlich nach. Auch die Wall Street in New York handelt tief im Minus. "Aktuell regiert die Börsenweisheit 'Greife nie in ein fallendes Messer' in den Handelssälen dieser Welt", sagte Jens Klatt, Chefanalyst des Brokerhauses DailyFX.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) schloss mit 2,9 Prozent im Minus und erreichte mit 8572 Punkten den tiefsten Stand seit Oktober 2013. Langsam droht damit 2014 zu einem schwarzen Jahr für Aktien zu werden. Seit Jahresbeginn hat der deutsche Leitindex nun bereits zehn Prozent verloren. Keiner der 30 Dax-Werte konnte sich dem starken Abwärtsdruck entziehen. Die Börsenumsätze sind hoch, es steht also echter Verkaufsdruck hinter den Verlusten.

Die Börse in Paris schloss mit 3,6 Prozent im Minus, die Börse in Amsterdam mit minus 3,5 Prozent. Der Leitindex an der Londoner Börse, FTSE-100, verlor 2,8 Prozent. Die Börse in Mailand schloss mit 4,4 Prozent im Minus - und fiel damit auf den tiefsten Stand seit Mitte Dezember 2013.

Athen kommt unter die Räder

Den stärksten Absturz verzeichnete die Börse in Athen, wo der Leitindex Athex im Vergleich zum Vortag mit einem Minus von 6,3 Prozent schloss. Anderthalb Stunden vor Börsenschluss lag der Aktienindex sogar mit mehr als zehn Prozent im Minus. Es handelte sich um die stärksten Kursverluste seit Juli 2012, dem Höhepunkt der Krise in Griechenland. Schon am Vortag hatte die Börse in Athen um 5,7 Prozent nachgegeben. Analysten erklärten die Nervosität der Märkte mit der politischen und wirtschaftlichen Ungewissheit in Griechenland  - vor allem der Angst vor Neuwahlen - und der mittelmäßigen Konjunktur in Europa.

In den USA ließen sich die Märkte anstecken. Zwischenzeitlich verbuchten die Indizes teils drastische Verluste. Allein der Dow Jones stand schon mit fast drei Prozent im Minus. Im Handelsverlauf bewegte sich das Barometer in einer Spanne von fast 460 Punkten. Letztlich fiel das Minus mit 1,1 Prozent bei 16.142 Zählern fast schon moderat aus. Der S&P 500 gab 0,8 Prozent auf 1862 Stellen nach. Der technologiebasierte Nasdaq Composite beendet den Tag 0,3 Prozent schwächer bei 4215 Punkten.

Der Analyst Alexandre Baradez von IG France machte "die Häufung schlechter Nachrichten seit einigen Tagen" für die Talfahrt an den Börsen verantwortlich: "Die schlechten Zahlen aus Deutschland, das Misstrauen gegenüber der Eurozone und die Warnungen des IWF". Der Internationale Währungsfonds hatte in der vergangenen Woche vor einem Rückfall der Eurozone in die Rezession gewarnt, wenn die Regierungen der Mitgliedstaaten ihre Politik nicht änderten.

Lahmt das Zugpferd?

Am frühen Nachmittag meldete das US-Handelsministerium einen überraschend starken Rückgang der Umsätze im Einzelhandel im September. Der private Konsum steuert den bei weitem größten Beitrag zum Wachstum in den USA bei. Gleichzeitig meldete das Arbeitsministerium einen Rückgang der Erzeugerpreise im September. Und schließlich brach ein viel beachteter Frühindikator für die Wirtschaftsaktivität in der Region New York im Oktober regelrecht ein.

Der Rückgang der US-Einzelhandelsumsätze festigte laut Helaba-Analyst Johannes Jander die Erwartung, dass die Leitzinswende in den USA eher später als früher vollzogen wird. Bislang erwarten die Märkte eine Erhöhung der Zinsen für etwa Mitte 2015. Angesichts der lahmenden Weltwirtschaft hatten zuletzt viele Anleger auf Amerika als Wachstumslokomotive gesetzt. "Dass nun auch das Zugpferd USA schwächelt, hat uns zusätzlich die Stimmung verhagelt", sagte Anlagestratege Robert Halver von der Baader Bank.

Abwärts ging es auch für den Ölpreis. Die Nordseesorte Brent fiel auf den tiefsten Stand seit knapp vier Jahren. Ein Barrel (159 Liter) kostete zeitweise nur noch 83,37 Dollar. US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich bis auf 80,01 Dollar je Fass.

"Ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht", sagten die Commerzbank-Analysten. Solange die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) keine Anstalten mache, dem Überangebot mit einer Produktionskürzung zu begegnen, dürften die Preise weiter fallen.

Profiteure der Konjunkturängsten sind der Euro, der auf ein Tageshoch von 1,2885 Dollar kletterte. Auch der Goldpreis zog wieder an. Die Feinunze kostet 1246 Dollar und damit 16 Dollar mehr als am Mittag.

Quelle: n-tv.de

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