Wirtschaft
Billigeres Öl? Ein schwächerer Euro? Beides kommt Frankreichs Staatspräsident Hollande (2.v.r.) sehr gelegen.
Billigeres Öl? Ein schwächerer Euro? Beides kommt Frankreichs Staatspräsident Hollande (2.v.r.) sehr gelegen.(Foto: REUTERS)

Kleiner Lichtblick in Frankreich: Paris profitiert von Öl und Euro

Die Schwäche des Euro und der Preisverfall an den Rohstoffmärkten verschafft der zweitstärksten Volkswirtschaft der Eurozone neue Luft zum Atmen. Frankreichs Statistiker rechnen mit messbaren Effekten beim Wachstum. Wie lange der Effekt anhält, ist ungewiss.

Frankreichs Wirtschaft steuert dank des niedrigeren Ölpreises und des schwächeren Euro auf eine leichte Konjunkturbelebung im ersten Halbjahr 2015 zu. Das Bruttoinlandsprodukt der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone werde im ersten und zweiten Quartal um jeweils 0,3 Prozent wachsen, teilte das Pariser Statistikamt Insee mit.

Das schmale Plus von 0,3 Prozent wäre ein Anstieg im Vergleich zum laufenden vierten Quartal, für das die amtlichen Statistiker bislang noch von einem Mini-Wachstum von 0,1 Prozent ausgehen. Für das Gesamtjahr 2014 bekräftigte das Statistikamt seine bisherige Wachstumsprognose von 0,4 Prozent.

Der fallende Ölpreis führe zu einer niedrigen Inflation, was einen zunehmend positiven Effekt auf den Konsum der privaten Haushalte habe, begründete die Behörde ihre Wachstumsprognose. Die Abwertung des Euro helfe zudem französischen Exporteuren.

Positive Konjunktureffekte

Präsident Francois Hollande hatte zuvor in Brüssel erklärt, Frankreich könne vorerst auf einen weiteren Kursrückgang beim Euro hoffen. Trotz der leicht verbesserten Wachstumsaussichten dürfte die Arbeitslosigkeit in Frankreich aber weiter steigen. So erwartet das Statistikamt, dass sich die Arbeitslosenquote von 10,4 Prozent in diesem Jahr auf 10,6 Prozent im nächsten Jahr erhöhen wird. Dies könnte den innenpolitischen Handlungsspielraum des ohnehin unpopulären Präsidenten Hollande weiter verringern.

Frankreichs Staatspräsident geht eigenen Angaben davon aus, dass der Kurs der Gemeinschaftswährung bald sein Gleichgewicht gefunden haben dürfte. Bei seinen Anmerkungen am Rande des EU-Gipfels in Brüssel machte Hollande allerdings keine näheren Angaben dazu, bei welchem Wechselkurs seiner Ansicht nach das Gleichgewicht erreicht ist.

Rückenwind vom Devisenmarkt

Hollande, der im eigenen Land und in Europa aufgrund der französischen Haushaltsprobleme und einer verringerten Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs unter Druck steht, hatte sich zuvor wiederholt über einen zu hohen Euro-Kurs beklagt. Mittlerweile hat die Währung der Europäer seit Anfang Mai gegenüber dem US-Dollar rund 12 Prozent an Wert verloren.

Unter Experten gilt als unstrittig, dass ein schwächerer Euro indirekt wie ein Konjunkturprogramm wirken kann, weil europäische Waren für Käufer außerhalb der Eurozone günstiger werden, was in der Regel dann auch die Nachfrage von Übersee steigen lässt.

Quelle: n-tv.de

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