Wirtschaft
Paris im Sommer: Die Stadt gehört den Liebenden - und den Besuchern. Das politische Frankreich weilt im Urlaub.
Paris im Sommer: Die Stadt gehört den Liebenden - und den Besuchern. Das politische Frankreich weilt im Urlaub.(Foto: REUTERS)

"Frankreich macht mir Sorgen": Paris stutzt die Prognose

Von seinem Urlaubsort am Mittelmeer aus schickt Frankreichs Finanzminister düstere Signale in die Welt: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone dürfte sich demnach im laufenden Jahr deutlich schwächer entwickeln als bislang erwartet.

BIP-Prognose aus dem Süden: Der Minister und seine Partnerin, Marie-Charline Pacquot (l., Archivbild).
BIP-Prognose aus dem Süden: Der Minister und seine Partnerin, Marie-Charline Pacquot (l., Archivbild).(Foto: REUTERS)

Frankreichs oberster Kassenwart hat die ohnehin geringe Wachstumsprognose des Landes für 2013 in einem inoffiziellen Schritt noch einmal nach unten korrigiert. In diesem Jahr erwarte er nun ein Wachstum "zwischen minus 0,1 und plus 0,1" Prozent, sagte Wirtschaft- und Finanzminister Pierre Moscovici der Regionalzeitung "Corse Matin" während seines Urlaubs auf Korsika. Bislang geht die französische Regierung offiziell noch von einem Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 0,1 Prozent aus.

Insgesamt äußerte sich der Minister zuversichtlich. Wichtig sei, dass der Trend sich umgekehrt habe, betonte Moscovici. Frankreich bewege sich aus der Rezession heraus. Nach dem Minus 2012 und zu Beginn dieses Jahres erwarte er für das dritte und vierte Quartal 2013 wieder eine positive Entwicklung. "Alle Indikatoren verbessern sich, angefangen bei der industriellen Produktion", sagte der Minister. "Ich habe allen Grund zu glauben, dass 2014 seit drei Jahren das erste Jahr wird mit einem wahrhaften Wachstum."

Unabhängige Beobachter attestieren dem Land deutlich größere wirtschaftliche Schwierigkeiten Zuletzt hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) der zweitgrößten Wirtschaftsnation des Euroraumes einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,2 Prozent für 2013 prognostiziert.

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Aktuelle Wirtschaftdaten hatten die Bedenken kurz vor dem Wochenende verstärkt: Der Ausstoß der französischen Industrie ging im zurückliegenden Quartal zurück. Im Juni fiel die Produktion um 1,4 Prozent gegenüber Mai, wie die Statistikbehörde berichtete. Analysten hatten hingegen ein leichtes Plus erwartet.

Bereits im Mai hatten die Experten ein Minus von 0,3 Prozent verzeichnet.
Gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres konnte das verarbeitende Gewerbe in Frankreich seine Produktion allerdings ausweiten: Der Ausstoß stieg Quartalsvergleich um 1,4 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ergab sich ein Plus von 0,2 Prozent.

"Mehr als jedes andere Land"

Alarmierende Worte wählte zuletzt auch US-Notenbanker Richard Fisher im Gespräch mit dem "Handelsblatt": Mit Blick auf die wirtschaftliche Lage von Deutschlands wichtigsten Handelspartner sagte er wörtlich: "Frankreich macht mir Sorgen, mehr als jedes andere Land." Deutschland und Frankreich sind wirtschaftlich eng miteinander verbunden: Der Nachbar im Westen stellt den mit Abstand wichtigsten Partner der deutschen Exportwirtschaft dar.

Die Gesamtsituation in Europa ließe sich laut Fisher zwar mit vorsichtigem Optimismus betrachten. Es gebe Anzeichen, dass sich die wirtschaftliche Lage in der Krisenregion verbessere. Jedoch sehe er ausgerechnet im Kern der Währungsunion Probleme. Die Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung in Frankreichen seien nicht zu unterschätzen, warnte er.

Fisher ist seit 2005 Mitglied des geldpolitischen Rates der Fed, allerdings derzeit nicht stimmberechtigt. Er leitet die Niederlassung der Notenbank im texanischen Dallas.

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Quelle: n-tv.de

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