Wirtschaft
Dramatische Veränderungen, gigantische Ausmaße: Peking weist die Provinzen an, sehr viel mehr Geld in die Infrastruktur und den Wohnungsbau zu lenken.
Dramatische Veränderungen, gigantische Ausmaße: Peking weist die Provinzen an, sehr viel mehr Geld in die Infrastruktur und den Wohnungsbau zu lenken.(Foto: REUTERS)

Staat fährt Ausgaben hoch: Peking pumpt Geld ins Land

Wenn die freie Wirtschaft zögert und die Investitionen zu mager ausfallen, muss in der Planwirtschaft der Staat einspringen: Mit beeindruckender Entschlossenheit schrauben die Wirtschaftslenker in Peking die staatlichen Ausgaben hoch.

Konjunkturpolitik auf Chinesisch: Die Regierung in Peking öffnet angesichts der drohenden wirtschaftlichen Abkühlung ihre Kassen. Die Staatsausgaben stiegen im Mai um fast ein Viertel auf 1,3 Billionen Yuan (rund 154 Milliarden Euro), wie das chinesische Finanzministerium mitteilte.

Von Januar bis April war der Zuwachs mit 9,6 Prozent nicht einmal halb so stark ausgefallen. Mit dieser energischen Maßnahme versucht der Führungszirkel in Peking nach Ansicht von Beobachtern, die gigantische Volkswirtschaft des Riesenreichs in Schwung zu halten und größere konjunkturelle Einbrüche zu vermeiden.

Die Wirtschaftsplaner stehen dabei vor einer heiklen Aufgabe: Einerseits dürfen sie nicht zu viel Geld ins System pumpen, damit keine unkontrollierbaren Blasen entstehen. Andererseits müssen sie eine zu harte Landung der seit Jahrzehnten mit teils zweistelligen Wachstumsraten expandierenden Volkswirtschaft unter allen Umständen verhindern.

Größere Umbrüche sind im bevölkerungsreichsten Land der Erde beinahe zwangsläufig mit Massenmigrationsbewegungen, sozialen Spannungen und in der Folge auch mit politischen Unmutsbekundungen der Bevölkerung verbunden. Ein wirtschaftlicher Niedergang dürfte die Herrschaft der Volkspartei schnell ins Wanken bringen.

Schienen, Straßen, Wohnungen

Die Abkehr von den aggressiveren Wachstumszielen der vergangenen Jahren gilt auch unter westlichen Ökonomen als vernünftige Entscheidung. Das rasche Wachstum erzeugt in China erhebliche soziale und ökologische Probleme.

Zuletzt schien das Land allerdings zu übersteuern. Die Furcht vor einer 'harten Landung' Chinas wächst: Im ersten Quartal war die chinesische Volkswirtschaft so langsam gewachsen wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Die Regierung in Peking reagiert und beschleunigt nun beispielsweise den Ausbau des Schienennetzes.

Die Zentralbank hilft mit

Mehr Geld fließt auch in den öffentlichen Wohnungsbau. Zugleich wurden die Regionalregierungen angewiesen, Investitionen zu beschleunigen. Die fuhren ihre Ausgaben um 26,9 Prozent nach oben. Die Zentralregierung gab dagegen nur 15,8 Prozent mehr aus. Die Einnahmen können damit nicht Schritt halten: Im Mai stiegen sie insgesamt um 7,2 Prozent, nachdem es im April noch ein Plus von 9,2 Prozent gegeben hatte.

Im Gegensatz zur Regierung will die Zentralbank vorerst stillhalten. Die Geldpolitik bleibe 2014 unverändert, teilte sie mit. Allerdings hatte sie erst zu Wochenbeginn ihre Reserveanforderungen zum zweiten Mal in diesem Jahr gesenkt, so dass Banken weniger Geld bei der Zentralbank parken müssen und es stattdessen als Kredite an die Wirtschaft weiterreichen können. Die Regelung betrifft aber nur Banken, die Kredite in großem Stil an die Landwirtschaft sowie an kleine und mittelständische Firmen vergeben.

Quelle: n-tv.de

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