Wirtschaft
Die Deutsche Post will an einen wachsenden Teil ihrer Beschäftigten nicht mehr ihre hohen Löhne zahlen.
Die Deutsche Post will an einen wachsenden Teil ihrer Beschäftigten nicht mehr ihre hohen Löhne zahlen.(Foto: picture alliance / dpa)

Post kontert Gewerkschaftsvorwürfe: Personalkosten "nicht wettbewerbsfähig"

Die diesjährige Hauptversammlung der Deutschen Post findet vor dem unschönen Hintergrund des seit Monaten ungelösten Tarifkonflikts statt. Konzernchef Appel muss seine umstrittene Personalpolitik erklären.

Vorstandschef Frank Appel hat auf der Aktionärsversammlung die Personal-Strategie der Deutschen Post verteidigt. "Wir brechen keine Verträge und begehen keine Tarifflucht", sagte der Manager mit Blick auf die zu Jahresbeginn neu gegründeten Regionalgesellschaften für die Brief- und Paketzusteller, die nicht mehr nach dem Haustarif der Post bezahlt werden. Die Gewerkschaft Verdi lehnt sich derzeit mit Streiks dagegen auf.

In den kommenden Jahren will die Post weiter vom Paketboom profitieren und rechnet bis Ende des Jahrzehnts in Deutschland mit bis zu 10.000 zusätzlichen Mitarbeitern, bis 2025 sogar mit 20.000 weiteren Jobs. Allerdings seien die Löhne der Post deutlich höher als die der Konkurrenz. "Unsere Personalkosten sind auf Dauer nicht wettbewerbsfähig", sagte Appel. Die Tarifstruktur gehe noch auf Behördenzeiten zurück. "Sie ist heute nicht mehr markt- und zeitgemäß". Mit den neuen Regionalgesellschaften ändere der Konzern dies. Die Post halte das für den richtigen Weg, um weiter wachsen zu können.

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In der Öffentlichkeit seien in den vergangenen Wochen "zum Teil schwere Vorwürfe" erhoben worden. "Wir schränken die Mitbestimmung nicht ein. Und wir schaffen ganz sicher keine Billigjobs", sagte Appel. Stattdessen schaffe der Konzern Jobs, deren Bezahlung über dem Mindestlohn liege. Bezahlt werde nach den jeweiligen regionalen Branchentarifen der Speditions- und Logistikbranche. Bis Ende April hätten bereits 6.000 Mitarbeiter ihren Vertrag mit der neuen Gesellschaft DHL Delivery GmbH unterschrieben, bis Ende des Jahres dürften es insgesamt rund 8.500 Mitarbeiter sein.

Millionenkosten durch Streik

Im Tarifstreit mit der Gewerkschaft Verdi geht es um die Gründung dieser 49 Regionalgesellschaften durch die Deutsche Post, in denen die Mitarbeiter nach den jeweils regionalen und damit zumeist niedrigeren Tarifregelungen der Speditions- und Logistikbranche bezahlt werden. Verdi sieht darin einen Bruch früherer Vereinbarungen und eine Verschlechterung zum Haustarifvertrag.

Die Deutsche Post beziffert die bisher entstandenen Zusatzkosten durch Streiks auf eine Summe "im niedrigen einstelligen Millionenbereich". Finanzchef Larry Rosen hatte während einer Telefonkonferenz zu den Quartalsergebnissen der ersten drei Monate noch keine finanziellen Auswirkungen genannt. Vier der mittlerweile fünf Verhandlungsrunden fanden jedoch erst seit April statt. Die Mehrkosten entstünden durch den Einsatz von zusätzlichem Personal, welches die liegengebliebenen Sendungen bearbeiten müsse, sagte ein Post-Sprecher.

Quelle: n-tv.de

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