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Peugeot stochert im Nebel: Wird die Zusammenarbeit mit GM aufgekündigt?
Peugeot stochert im Nebel: Wird die Zusammenarbeit mit GM aufgekündigt?(Foto: picture alliance / dpa)

Europas Vize kämpft gegen die Krise: Peugeot will nicht mehr mit GM

Im Frühjahr schließen PSA und GM eine Kooperation im Kleinwagen-Bereich. Synergien in Milliardenhöhe sollen für die beiden Autoriesen herausspringen. Nun denkt Peugeot bereits über ein Ende der Zusammenarbeit nach, denn Europas zweitgrößter Autohersteller rutscht immer tiefer in die Krise.

Der angeschlagene Autokonzern PSA Peugeot Citroen, zweitgrößter Autobauer Europas, schließt angesichts weiterer Umsatzeinbrüche Einschnitte bei seiner Allianz mit Opel nicht mehr aus. Auch die Einsparziele aus dem Projekt mit dem Mutterkonzern General Motors könnten gestutzt werden, teilte der seit längerem mit einer Absatzkrise auf dem europäischen Heimatmarkt kämpfende Volkswagen-Rivale. PSA und Opel hatten erst Anfang Oktober erklärt, ihre neuen Kompakt-Vans im Opel-Werk im spanischen Saragossa zu bauen. Das ist eines von drei gemeinsam geplanten Projekten. Was genau jetzt auf den Prüfstand kommen könnte, blieb zunächst offen.

Nach der im Frühjahr 2012 mit GM unterschriebenen Vereinbarung sollen die jährlichen Synergien mittelfristig 2 Milliarden US-Dollar erreichen. Davon soll je die Hälfte auf die Amerikaner und die Franzosen entfallen. Die Amerikaner sind im März 2012 mit 7 Prozent bei den Franzosen eingestiegen. Die Kooperation soll die jeweils krisengeplagten Europa-Geschäfte der beiden Autobauer in die Gewinnzone zurückführen. Über den gemeinsamen Einkauf, die gemeinsame Logistik und die gemeinsame Entwicklung dreier Fahrzeugarchitekturen - unter anderem den Mini-Van - sollen eigentlich Milliarden eingespart werden.

Absatz- und Umsatzminus

Der Umsatzschwund bei PSA Peugeot setzte sich im dritten Quartal fort. Die Erlöse in der Autosparte sanken den Angaben zufolge um 5,8 Prozent auf 8,03 Milliarden Euro. Quer durch alle Sparten betrug der Rückgang 3,7 Prozent auf 12,11 Milliarden Euro.

Peugeot verkaufte im abgelaufenen Quartal 610,400 Autos weltweit, das waren 1,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Prognose für das laufende Jahr hat der Autobauer bekräftigt. In diesem Jahr will Peugeot die Barmittelabflüsse halbieren. Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr 3 Milliarden Euro verbrannt.

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PSA war auch im September ein Sorgenkind unter den europäischen Autobauern: Zwar war die Zahl der Neuzulassungen dem Herstellerverband Acea zufolge in der EU um 5,4 Prozent gestiegen. Dagegen hatte PSA mit einem Minus von 3 Prozent aber weiter Boden verloren. Peugeot geht zudem davon aus, dass der Automarkt in Europa im laufenden Jahr um 4 Prozent schrumpfen wird. Das würde in etwa dem Trend der ersten neun Monate entsprechen.

Anleger zufrieden, Analysten nicht

Sehr unzufrieden zeigen sich die Finanzmärke: "Die Umsatzdaten treten angesichts der schlechten Nachrichten über die Kooperation mit GM in den Hintergrund", sagte ein Händler. "Angesichts der hohen Verschuldung von Peugeot ist die Ankündigung geringerer Einsparpotenziale natürlich sehr negativ", so ein anderer Marktteilnehmer.

Da der Aktie ohnehin noch eine Kapitalerhöhung drohe und diese sehr gut gelaufen sei, müsse mit starken Gewinnmitnahmen gerechnet werden. Dass die Umsatzzahlen ansonsten im erwarteten Rahmen lägen und die Finanzprognose bestätigt wurde, rücke in den Hintergrund. Die Anleger griffen indes zu: Das Papier kletterte um mehr als 3 Prozent.

Zu der möglichen Kapitalerhöhung schwieg Peugeot indes. Reuters hatte jüngst unter Berufung auf Insider berichtet, der französische Staat und der chinesische PSA-Partner Dongfeng wollten je 1,5 Milliarden Euro in Peugeot pumpen und im Gegenzug bis zu 30 Prozent der Anteile erhalten. Peugeot und Dongfeng haben bereits ein Gemeinschaftsunternehmen in China. Käme es zu einer solchen Kapitalerhöhung, würde die Gründer-Familie Peugeot ihre Kontrollmehrheit verlieren. Derzeit ist sie noch mit 25,4 Prozent an der 1810 gegründeten Firma beteiligt und hält 38,1 Prozent der Stimmrechte. Auch GM als derzeit zweitgrößer PSA-Aktionär könnte an Einfluss verlieren.

2012 war der Absatz von Fahrzeugen des Konzerns weltweit um 16,5 Prozent eingebrochen. Peugeot musste den höchsten Nettoverlust seiner Geschichte verkraften. Der französische Staat hat den Konzern mit 7 Milliarden Euro gestützt.

Quelle: n-tv.de

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