Wirtschaft

Durchbruch in der OberpfalzPfleiderer wird gerettet

12.05.2011, 21:07 Uhr

Der schwer angeschlagenen Holzverarbeitungsspezialist Pfleiderer kann weitermachen: Die Gläubiger stimmen einer tiefgreifenden Restrukturierung zu. Für Alt-Aktionäre bleibt im derzeit größten Sanierungsfall Deutschlands wenig übrig.

An-einer-Laminat-Presse-faedeln-zwei-Arbeiter-bei-Pfleiderer-in-Arnsberg-eine-Bahn-Buchendekor-ein-Archivfoto-vom-09-07-2003
In der Hand der Hedgefonds: An einer Laminat-Presse fädeln zwei Arbeiter bei Pfleiderer eine Bahn Buchendekor ein (Archivbild). (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Der schwer gebeutelte Holzverarbeiter Pfleiderer und seine Gläubiger haben sich auf einen Rettungsplan geeinigt. Der Plan sei in seinen Eckpunkten so angenommen worden , teilte das Unternehmen mit. Demnach sollen allein die direkten Gläubiger auf rund 380 Mio. Euro verzichten. Die Inhaber einer Anleihe geben rund 340 Mio. Euro auf. Die entsprechenden Verträge seien bereits unterschrieben, hieß es am Firmensitz in Neumarkt in der Oberpfalz.

Abgesehen von dem Forderungsverzicht in Höhe von 40 Prozent stellen die Gläubiger dem Konzern den Angaben zufolge zusätzliche Kredite von 100 Mio. Euro zur Verfügung.

Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung sollten zudem ein massiver Kapitalschnitt sowie eine Kapitalerhöhung von 100 Mio. Euro vorgeschlagen werden. Danach würden die Gläubiger bei Pfleiderer das Sagen haben, hieß es.

Die Gläubigerseite wird laut Plan dann rund 80 Prozent der Anteile halten und damit Pfleiderer kontrollieren, teilte das Unternehmen mit. Der Anteil der Altaktionäre solle auf rund ein Prozent begrenzt werden. Im Zuge der Kapitalerhöhung sollten die Alt-Aktionäre ihren Anteil wieder erhöhen können - auf maximal 16 Prozent. Die restlichen 4 Prozent gingen an die Inhaber der 2007 ausgegebenen sogenannten Hybridanleihe.

Bei den Gläubigern handelt es sich um Banken und Hedgefonds, die Kredite in dreistelliger Millionenhöhe von den Banken übernommen haben. Bereits bei einer außerordentlichen Hauptversammlung Anfang April in Berlin hatte der Vorstand die Restrukturierung in groben Zügen vorgestellt.

Nach dem umstrittenen Expansionskurs vor allem in Nordamerika musste Pfleiderer 2010 einen existenzbedrohenden Verlust von 345 Mio. Euro verkraften. Die Aktien brachen auf einen Wert von zuletzt gerade einmal 73 Cent ein. Pfleiderer gilt als der derzeit größte Sanierungsfall Deutschlands.

Quelle: dpa/rts