Wirtschaft
Am Boden: Eine Boeing 737 der Lufthansa vor dem Tower des Münchner Flughafens (Archivbild).
Am Boden: Eine Boeing 737 der Lufthansa vor dem Tower des Münchner Flughafens (Archivbild).(Foto: FMG / Dr. Werner Hennies)

Streik am Münchner Flughafen: Lufthansa erwartet Millionenschaden

Es knirscht im deutschen Flugverkehr: Am zweitgrößten Drehkreuz des Landes legen die Piloten der Lufthansa die Arbeit nieder. 140 Flüge fallen aus, mehr als 15.000 Passagiere sind betroffen. Der Streik trifft die Airline härter als erwartet.

Der Piloten-Streik in München hat begonnen: Lufthansa-Passagiere müssen aufgrund der Streikaktion in München mit Flugausfällen und Verspätungen rechnen. Seit 10.00 Uhr streiken Mitglieder der Pilotengewerkschaft Cockpit (VC) am zweitgrößten Lufthansa-Drehkreuz in München, wie ein VC-Sprecher bestätigte. Der Ausstand sollte bis 18.00 Uhr dauern.

Insgesamt sind den Angaben der Fluggesellschaft zufolge 15.300 Passagiere betroffen. Lufthansa wies aber darauf hin, dass Langstreckenflüge von München aus starten sollen. Die Airline hat einen Sonderflugplan in Kraft gesetzt. Demnach sollen Passagiere auch über andere Lufthansa-Drehkreuze wie Frankfurt, Zürich, Wien und Brüssel umgeleitet werden.

Für die im Dax notierte Fluggesellschaft wird der Arbeitskampf schmerzhafte Folgen haben. Die Lufthansa rechnet wegen der Streiks der Piloten mit einem Millionenschaden. Bereits der dreitägige Ausstand im April habe die Lufthansa rund 60 Million Euro gekostet - durch die Arbeitsniederlegungen in den vergangenen Wochen sei mit einem Betrag in einer ähnlichen Größenordnung zu rechnen, wie der für München verantwortliche Lufthansa-Manager Thomas Klühr kurz vor Beginn des Pilotenstreiks erklärte.

Die Piloten-Gewerkschaft verstärkt mit dem Streik ihre Forderung nach Beibehaltung einer betriebsinternen Frührente. Klühr nannte die Arbeitsniederlegungen "extrem ärgerlich" besonders für Lufthansa-Kunden und kritisierte die Rolle von Cockpit. "Es kann nicht sein, dass Spartengewerkschaften ganze Unternehmen lahmlegen."

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15.300 Passagiere betroffen

Wie am Morgen bekannt wurde, muss die Lufthansa wegen des Streiks mehr Flüge annullieren als zunächst angekündigt. Mittlerweile stehen 140 Verbindungen auf der Streichleiste, wie eine Lufthansa-Sprecherin erklärte. Zunächst war von 110 ausgefallenen Flügen die Rede. Nach Angaben der Lufthansa ist damit jeder zweite Flug von München innerhalb von Deutschland und Europa im Streikzeitraum von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr gestrichen.

Durch die zusätzlichen Streichungen solle nach dem Ende des Streiks so schnell wie möglich wieder ein normaler Flugbetrieb erreicht werden. Die zusätzlichen Flugausfälle seien notwendig, um Flugzeuge und Besatzungen "dort zu positionieren, wo wir sie nach dem Streik brauchen", begründete der Sprecher diesen Schritt. Der Konzern gehe aber weiter davon aus, dass alle Langstrecken-Flüge stattfinden könnten.

Flugreisende werden dazu aufgerufen, sich im Internet über den aktuellen Stand der Reiseverbindungen informieren. Die Flugausfälle betreffen laut Lufthansa nur Verbindungen von und nach München. Die Gesellschaft wies zudem darauf hin, dass nur Flüge der Marke Lufthansa betroffen seien, nicht aber der Töchter wie Swiss, Austrian oder Germanwings.

Sonderflüge, Hotel-Betten, Bahn-Tickets

"Für den Streikzeitraum ist mit erheblichen Beeinträchtigungen des Lufthansa-Flugbetriebs zu rechnen, vor allem auf Strecken von und nach München", warnte die Lufthansa. "Das Frankfurter Lufthansa-Drehkreuz wird aller Voraussicht nach weitestgehend nicht von dem Streik betroffen sein."

Dem Sonderflugplan zufolge sollen Passagiere auch über andere Lufthansa-Drehkreuze wie Frankfurt, Zürich, Wien und Brüssel umgeleitet werden. Insgesamt könnten so mehr als 2000 Fluggäste ihr Ziel trotz des Ausstands erreichen. Die Passagiere würden per SMS oder Mail informiert.

"Alle Fluggäste werden gebeten, sich vor Reiseantritt über den aktuellen Status ihres Fluges zu informieren", heißt es in einer Lufthansa-Mitteilung weiter. "Passagiere, deren Flüge stattfinden, werden gebeten, extra Zeit am Flughafen einzukalkulieren."

Überarbeitetes Angebot für Piloten

Von Streichungen betroffene Fluggäste könnten kostenfrei umbuchen oder stornieren, innerdeutsch ist der Umstieg auf die Bahn möglich. Zudem seien in München Hunderte Hotelzimmer angemietet, im Transitbereich würden Übernachtungsmöglichkeiten eingerichtet. Der Streik in München in der letzten Woche der Sommerferien in Bayern dürfte den Erwartungen zufolge keine größeren Auswirkungen auf Deutschlands größten Airport in Frankfurt haben.

Hintergrund des festgefahrenen Tarifkonflikts ist der Streit um die sogenannte Übergangsversorgung, die Lufthansa-Piloten bislang in ihrem Vorruhestand erhalten. Die Regelung zur Übergangsversorgung erlaubt es Piloten bisher, ab dem Alter von 55 Jahren in den bezahlten Frühruhestand zu gehen. Der Konzern will die Altersgrenze erhöhen. Cockpit lehnt dies ab.

In der Auseinandersetzung hatte es bereits Ende August und am vergangenen Freitag Arbeitsniederlegungen gegeben - erst bei der Lufthansa-Tochter Germanwings, dann bei der Kranich-Marke selbst am Standort in Frankfurt am Main. Auch Anfang April hatte es bereits einen dreitägigen Ausstand gegeben. Damals waren rund 3800 Flüge ausgefallen.

Vier Streiks in fünf Monaten

Die aktuelle Aktion in München ist damit für die Lufthansa und ihre Passagiere der inzwischen vierte Streik innerhalb von fünf Monaten. Der Konzern kritisierte den neuerlichen Streik der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) scharf und kündigte ein konkretisiertes Angebot für kommende Woche an.

Beide Seiten hatten sich gegenseitig für das Scheitern der bisherigen Verhandlungen verantwortlich gemacht und behaupten, zu einer Einigung bereit zu sein. Die Details des konkretisierten Angebots sollen der Belegschaft Anfang kommender Woche direkt nahegebracht werden, erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Mittwochabend in Frankfurt. Es handele sich dabei nicht um eine neue Offerte, sondern es würden zusätzliche Details des bislang nur an VC gesandten Angebots genannt, erläuterte die Fluggesellschaft.

Quelle: n-tv.de

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