Mittwoch, 27. April 2011
"Griechenland muss umschulden": Pimco legt Finger in Wunden
Der weltgrößte Anleiheinvestor Pimco weiß um seine Macht. Deshalb versucht er auch gerne, Politik zu machen. Diesmal nimmt Pimco-Chef El-Erian erneut Griechenland aufs Korn. Mehr Liquidität löse keine Schuldenkrise, lautet das bekannte Credo. Ob hier steter Tropfen den Stein höhlt?
Kleines Zugeständnis von El-Erian: Die Rettungsprogramme für Griechenland haben die Ansteckungsgefahren für andere Länder immerhin verringert.
(Foto: REUTERS)
Nachdem die USA erst kürzlich ihr "Fett" wegbekommen haben, ist jetzt wieder Euroland und hier insbesondere Griechenland dran. Das Land wird nach Einschätzung des weltgrößten Staatsanleihenhändlers Pimco ohne eine "möglichst freiwillige und ordentliche Umschuldung" seiner Schuldenprobleme nicht Herr werden.
"Die bisherigen Lösungsversuche für Griechenland haben nicht funktioniert. Und viele, mich eingeschlossen, glauben auch nicht daran, dass sie künftig funktionieren werden", schrieb Pimco-Chef Mohamed El-Erian im "Handelsblatt". Er unterstreicht damit einmal mehr die bereits bekannte Position des weltgrößten Bondinvestors.
Was Griechenland brauche, seien neben Sparsamkeit und Strukturreformen Maßnahmen zur Wiederherstellung der Zahlungsfähigkeit. Die sollten durch Liquiditätshilfen abgesichert sein. Dazu gehöre eine Umschuldung. Wenn Europa schnell handle, werde "Griechenland nicht die Europäische Währungsunion in Gefahr bringen".
Europa müsse daher wachsam bleiben, forderte El-Erian. "Das bedeutet, "Rettungsversuche aufzugeben, wenn sie nicht funktionieren und auch künftig nicht funktionieren werden." Was bislang in Europa zu Rettung des Landes getan worden sei, habe jedenfalls nicht die gewünschten Erfolge gebracht. Obwohl das Land seit einem Jahr große Opfer bringe, sei es weit davon entfernt, seine wirtschaftliche und finanzielle Stabilität wiederzuerlangen.
Verlagerung des Problems
Dem Zugang zu den internationalen Finanzmärkten sei Griechenland nicht nähergekommen. Inzwischen seien zudem zweifelhafte Verbindlichkeiten von den Gläubigern auf griechische und europäische Steuerzahler verlagert oder auf internationale Organisationen übertragen worden. Auch der Rettungsversuch durch die EU, die Europäische Zentralbank und den IWF müsse dringend verbessert werden.
Immerhin hätten die Rettungsprogramme für Griechenland die Ansteckungsgefahren für andere Länder und Institutionen verringert, räumte El-Erian ein. Generell gelte, dass man eine Schuldenkrise nicht löse, indem man nur die Liquidität verbessert. "Immer neue Schulden auf den Schuldenberg abzuladen ist keine dauerhafte Lösung", kritisierte der Pimco-Chef. Er verglich die Lage mit der Schuldenkrise in Lateinamerika in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Allerdings sei die Lage in Griechenland in einem Punkt noch gefährlicher: Schon jetzt seien viele Schulden des Landes auf den öffentlichen Sektor abgewälzt worden.
Über eine Umschuldung Griechenland wird seit Wochen an den Finanzmärkten und in der europäischen Politik spekuliert. Kritiker eines solchen Schrittes warnen, dies könnte unabsehbare Folgen nach sich ziehen. So hatte EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark gerade erst erklärt, bei einem Schuldenschnitt, mit dem Gläubiger einen Forderungsverzicht leisten würden, wäre die griechische Regierung auf unabsehbare Zeit von den Finanzmärkten abgeschnitten und auf fremde Finanzhilfen angewiesen.
rts
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