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Handelsverbände machen Rückzieher: Plastiktüten bleiben vielerorts kostenlos

Ob beim Bäcker, in der Apotheke oder an der Tankstelle: Wer für seine Einkäufe eine Plastiktüte braucht, muss vielerorts wohl auch ab dem 1. April kein Geld bezahlen. Denn an einer entsprechenden Handelsinitiative wollen sich vorerst nicht alle Verbände beteiligen.

Die geplante Selbstverpflichtung im Handel für kostenpflichtige Plastiktüten hat einen Dämpfer erhalten. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks will sich nicht beteiligen. "Wir haben uns dagegen entschieden, weil wir diese Form für unsere Mitglieder nicht als zielführend erachten", sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks, Daniel Schneider, der Zeitung "Die Welt". Zum einen könne der Verband aus rechtlichen Gründen keine Verpflichtungen für die gut 12.000 selbstständigen Bäcker eingehen. Zum anderen würden neue Dokumentationspflichten viele kleine Betriebe überfordern.

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Der Handelsverband HDE zeigte sich dennoch optimistisch, dass die Zahl der Plastiktüten in Deutschland sinken wird. Ab dem 1. April wollen viele Einzelhändler für Einwegtüten aus Plastik Geld nehmen. Hintergrund der Initiative ist eine EU-Richtlinie, wonach der Verbrauch von Kunststofftüten in den Mitgliedsstaaten bis 2019 auf 90 Tüten und bis 2025 auf 40 Tüten pro Einwohner und Jahr reduziert werden soll. Derzeit verbraucht ein Bundesbürger im Schnitt 71 Plastiktüten pro Jahr.

Gegenwind von Apothekerverbänden

Auch die Bundesvereinigung der Deutschen Apothekerverbände (ABDA) zeigte sich reserviert. Die Organisation befürworte die Gebühren zwar im Prinzip, könne den Landesvereinigungen aber keine Vorschriften machen, sagte eine Sprecherin der "Welt". Außerdem würden in den gut 20.200 Apotheken in Deutschland meist nur kleine Plastikbehälter oder Papiertütchen verwendet.

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Dass einzelne Verbände die Vereinbarung aber durchaus begrüßen, zeigt das Beispiel des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg: Mit einer Plakataktion wollen die Apotheker ab dem 1. April für den Verzicht auf Plastiktüten werben. Die Mitgliedsapotheken seien dazu aufgerufen, die Aktion zu unterstützen und für die Abgabe einer Plastiktüte vom Kunden "einen kleinen Obolus" zu verlangen, teilte der Landesverband mit.

Derweil äußerte sich auch der Zentralverband des Tankstellengewerbes zurückhaltend. Der Verband sei noch nicht angesprochen worden, sagte Geschäftsführer Jürgen Ziegner dem Blatt. In den Tankstellenshops würden allerdings auch kaum Tüten benutzt.

Deutsche nutzen seltener Plastiktüten

Nach Angaben des Handelsverbands Deutschland (HDE) sollten durch die Vereinbarung ursprünglich 60 Prozent der Plastiktüten in deutschen Geschäften etwas kosten. Binnen zwei Jahren sollen dann 80 Prozent der Kunststofftüten kostenpflichtig sein. Trotz der Rückzieher einzelner Verbände sei der HDE optimistisch, die gesteckten Ziele zu erreichen, sagte ein Verbandssprecher. Die Resonanz der Händler auf die Vereinbarung sei insgesamt "sehr beachtlich".

Die Mehrheit der Deutschen findet es gut, dass es immer seltener kostenlose Plastiktüten gibt - und nutzt einer Umfrage zufolge schon heute vor allem wiederverwertbare Tragemöglichkeiten. Dass mehr und mehr Geschäfte Geld für die Plastiktüte verlangen, befürworten 81 Prozent der Bundesbürger, wie aus einer kürzlich veröffentlichen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hervorgeht.

Zwei Drittel der Bundesbürger (69 Prozent) sagten demnach, sie nähmen üblicherweise einen Korb, Rucksack oder eine Stofftasche mit zum Einkaufen. Zwölf Prozent verwenden demnach eine bereits benutzte Plastiktüte und nur vier Prozent lassen sich gewöhnlich beim Einkaufen eine neue Plastiktüte geben. YouGov hatte nach eigenen Angaben vom 4. bis 8. März 2016 rund 1300 Personen zu der Thematik befragt.

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Quelle: n-tv.de

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