Wirtschaft
Zu Besuch in Berlin: Donald Tusk, Ministerpräsident der Republik Polen.
Zu Besuch in Berlin: Donald Tusk, Ministerpräsident der Republik Polen.(Foto: imago/Reiner Zensen)

Schwellenländer im Dollarsog: Polen lehnt Zloty-Stütze ab

Es sind die Entzugserscheinungen liquiditätsverwöhnter Volkswirtschaften: Der geldpolitische Kurswechsel in den USA erschüttert nicht nur das Währungsgefüge in der Türkei, Russland oder Indien. Selbst der vergleichsweise robuste Zloty muss bluten.

Die Nebenwirkungen der abebbenden Dollarflut bringen rund um die Welt nicht nur die Devisenkurse großer Schwellenlandwährungen in Schieflage. Mit der Entscheidung der US-Notenbank Fed, den Kurs eines schrittweisen Tapering im Januar fortzusetzen, lösen die Währungshüter auch in Polen beunruhigende Turbulenzen aus.

Trotz der jüngsten Kursverluste des Zloty hält Polens Ministerpräsident Donald Tusk unterdessen eine Intervention zugunsten der polnischen Landeswährung nicht für erforderlich. Die Abschwächung habe mit einer weltweiten Abkehr von Risiko-Investitionen zu tun, erklärte Tusk. Zudem sei der Kursverlust des Zloty im Vergleich zu den Währungen anderer Schwellenländer unbedeutend.

Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor ergibt sich Beobachtern zufolge aus dem personellen Wechsel an der Fed-Spitze: Mit dem Januar endet in den USA die Ära Bernanke. Der langjährige Notenbankchef gibt sein Amt als oberster Währungshüter im weltweit einflussreichsten Währungsraum wie geplant auf und übergibt die Geschäfte an seine Nachfolgerin Janet Yellen.

Die polnische Währung war vor dem Wochenende auf ein Fünf-Monatstief zum Euro gefallen. Die Währungsräume vieler Schwellenländer wie etwa Brasilien, Russland, Indien oder auch die Türkei leiden derzeit unter massiven Kapitalabflüssen. Die Straffung der US-Geldpolitik macht Investitionen in den USA aus der Sicht vieler Anleger wieder attraktiver. Diese unbeabsichtigten Nebenwirkungen der US-Geldpolitik betrachten Ökonomen mit wachsender Sorge. Sollten sich die Umwälzungen verstärken, könnten diese Entwicklungen nach Ansicht vieler Beobachter neue Krisenerscheinungen hervorrufen.

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In der Türkei kursieren nach der aggressiven Zinsanhebung durch die türkische Zentralbank Gerüchte, die Regierung unter Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan wolle die Regeln für die Währungshüter ändern.

Per Gesetz solle die Zentralbank verpflichtet werden, künftig vor allem auf die Sicherung des Wirtschaftswachstums zu achten, statt wie bisher dem Kampf gegen die Inflation Priorität einzuräumen, berichteten die regierungsnahe Zeitung "Sabah" und das unabhängige Blatt "Taraf" übereinstimmend. Erdogan hatte sich öffentlich gegen die Zinsanhebung gewandt.

Hohe Zinsen treffen Ankara

Die Zentralbank hatte den Leitzins von 7,75 auf 12,00 Prozent erhöht, um den seit Wochen anhaltenden Kursverfall der Lira zu stoppen. In der regierungsnahen Presse wurde die Entscheidung scharf kritisiert, weil sie das Wirtschaftswachstum bremsen könnte. Unter anderem verteuert der scharfe Zinsschritt nach oben auch den Schuldendienst im türkischen Staatshaushalt.

Durch die massiv anschwellende Zins-Belastung engt sich der Gestaltungsspielraum der türkischen Regierung schmerzhaft ein. Künftig müssen deutlich mehr Steuermittel für die Bedienung der Staatsschulden aufgewendet werden. Diese Mittel müssen dann an andere Stelle im Haushalt eingespart oder durch neue Schulden ausgeglichen werden.

Kommt die türkische Abwrackprämie?

Die währungspolitischen Turbulenzen in der Türkei dürften auch bei einem Gespräch Erdogans mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am kommenden Dienstag in Berlin zur Sprache kommen. Erdogan hatte nach der Zentralbankentscheidung von möglichen Maßnahmen seiner Regierung zur Stärkung des Wachstums gesprochen.

Den Berichten zufolge plant Erdogans Regierung unter anderem eine Abwrackprämie für Autobesitzer nach deutschem Vorbild und Steuervorteile für ausländische Investoren. Die laut Presse ebenfalls intern diskutierte Einführung von Kapitalkontrollen, um den Abfluss von ausländischem Kapital zu erschweren, soll es nach Angaben von Finanzminister Mehmet Simsek aber nicht geben.

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Quelle: n-tv.de

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