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Über die PSE steuert die Familie Piech (hier Firmenpatriarch Ferdinand Piech) ihre Simmanteile.
Über die PSE steuert die Familie Piech (hier Firmenpatriarch Ferdinand Piech) ihre Simmanteile.(Foto: picture alliance / dpa)

Justizkosten höher als Gehaltszahlungen: Porsche-Holding ringt mit Milliardenklagen

Vor Jahren versucht sich Porsche an der Übernahme des wesentlich größeren Autobauers Volkswagen. Das Vorhaben scheitert. Doch noch immer klagen Anleger auf Schadenersatz. Inzwischen ist der Fall kaum noch zu durchschauen.

Bilanzen sind oft trockene Materie. Nur wenige Interessierte können den Zahlenwerken gewichtiger Konzerne mit ihren vielen Sparten, Produkten und Regionen etwas abgewinnen. Doch es gibt auch Firmen, die selbst Anlegern und Investoren einiges abverlangt. So gibt es bei der Porsche Automobil Holding PSE eigentlich nur zwei spannende Zahlen: Wie einträglich ist VW und was liegt in der Kasse?

Doch in den Tiefen des jüngsten Berichts der Dachgesellschaft, mit der die Familien Porsche/Piëch ihre Stimmenmehrheit bei Deutschlands größtem Industriekonzern Volkswagen steuern, verbirgt sich durchaus Erstaunliches. So sind bei der Holdinghülle in den ersten sechs Monaten des Jahres zehn Millionen Euro an Rechts- und Beratungskosten angefallen. Das ist durchaus beachtlich gibt es bei der PSE doch nur 36 Mitarbeitern, die im selben Zeitraum zusammen sieben Millionen Euro Löhne und Gehälter bezogen haben.

Holding mit Klagen überzogen

Im Vorjahr waren insgesamt sogar 28 Millionen Euro für juristische Auseinandersetzungen aufgebracht worden. Im jüngsten Halbjahresbericht braucht es immerhin vier Seiten, um das Klagedickicht mit seinen vielen Schauplätzen zu beschreiben. Braunschweig, Stuttgart, Hannover, London, New York: Investoren haben die PSE mit Schadenersatzklagen überzogen, die teilweise sogar in den einzelnen Fällen um Milliardensummen kreisen. Sie sind allesamt eine Altlast des filmreifen Wirtschaftskrimis rund um die versuchte und am Ende gescheiterte VW-Übernahme durch die PSE 2008/2009.

Anleger verloren damals bei Kurswetten viel Geld und fühlen sich rückblickend fehlinformiert. Die PSE und VW haben inzwischen längst einen gemeinsamen Autokonzern geschmiedet. Die PSE mit den Porsches und Piëchs stärkt VW als Ankerinvestor - so wie die Quandts bei BMW. Das gibt Sicherheit. Manch ein Konkurrent von VW oder BMW hätte so etwas gerne.

Juristische Odysee

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Es könnte also alles so schön sein, denn VW fährt von einem Rekord zum nächsten und flutet die PSE-Kasse mit Riesendividenden. Doch die Investorenklagen sorgen für immer neue Aktenzeichen, für anhaltendes Taktieren und plötzliche Kehrtwenden. Eine der jüngsten Wendungen ist Nicht-Juristen eigentlich kaum noch vermittelbar: Eine fast zwei Milliarden Euro schwere Schadenersatzklage wechselte einst von Stuttgart aus zum Landgericht Braunschweig. Dort türmte sie sich unter dem Aktenzeichen 5 O 552/12 in Gesellschaft von zeitweise sieben anderen PSE-Fällen, sollte dann aber plötzlich nach Hannover.

Die Braunschweiger Richter sahen in diesem einen Fall neben dem generellen Vorwurf aller Klagen - Marktmanipulation - auch Aspekte des Kartellrechts rund um Marktmacht und -missbrauch berührt. Daher wollten sie die Sache den Kartellrechtsexperten in Hannover geben. Die aber meinten, dass das alte Verschieben von Stuttgart nach Braunschweig schon genug der Odyssee sei. Ein Oberlandesgericht muss nun zunächst entscheiden, wer inhaltlich entscheiden soll.

Nun gibt es abermals Verzögerungen an der Klagefront: Ursprünglich hatten am Mittwoch fünf Investorenklagen am Landgericht Braunschweig weiter verhandelt werden sollen. Doch alle Fälle sind vorerst auf unbestimmte Zeit verschoben, weil die Kläger Aufschub fordern. Sie wollen abwarten, wie am Landgericht Stuttgart die strafrechtlichen Aspekte der Übernahmeschlacht weiterlaufen.

Suche nach lohnendem Investment

Mit der Klagewelle gerät eine weitere Erklärung für den Posten "Beratung" im PSE-Halbjahresbericht schnell ins Vergessen. Die PSE will ihre VW-Dividenden strategisch in die Autowelt investieren. Noch steht das am Anfang. Kandidaten gilt es zu prüfen, was in der Regel mit Hilfe externer Berater geschieht.

Doch diese eigentlich spannenden PSE-Themen werden überschattet von der Klagewelle. Und die wird noch Jahre laufen - womöglich bis zum BGH. "Die Porsche SE hat immer betont, dass sie alle Klagen für unbegründet hält. Bereits im Jahr 2012 hat das Braunschweiger Landgericht zwei Klagen abgewiesen. Ein Vergleich ist für uns kein Thema", sagt PSE-Kommunikationschef Albrecht Bamler.

Quelle: n-tv.de

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